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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

Balzac der Mystiker ist indessen lange nicht so gefährlich als Balzac der Sensualist.„b,ouis b>smdort" und besonders „Sörgpbits", soviel Aufsehens auch die Lobrednerdavon machen, sind zu langweilige Geschichten, als daß sie großen Schaden anrichtenkönnen. Aber die „pkz-siologis äu wariage", die „tlontos ärülstiquss ", die ,,'por-pillo" und die „psrsnts pauvros" haben als Bücher starken Reiz und hinreichendeIngredienzen, um Geist und Gemüth zu vergiften. Geht man von dieser allgemei-nen Unsittlichkeit zu einer specieller», directern Anwendung über, so findet man inBalzac's Werken eine allen eigenthümlichen Gebrechen und Irrthümern unserer Zeitzusagende Nahrung. Die Abgötterei des Glücks, des Vermögens, des raschgewon-ncnen Geldes, des wahnwitzig übertriebenen Luxus, des fabelhaft ausgelassenenLebens trifft man auf allen Seiten in „Illusions peräuss", im „Pore 6oriot",in „llln grrmct liomino clo provinoo a Paris", in allen Typen und Phantasiegestal-ren, die der Verfasser zu wirklich lebenden historischen Personen und Tagesheldenauszuprägen gesucht hat, wie de Marsay, Naftignac, Lucien de Rabempre, Van-denesse. Der gefährliche Hang, etwas Höheres und Sittsameres zu träumen alsPflicht und Tugend, mit der Leidenschaft zu spielen wie mit einer zahmen Hyäneund ihr Gelüste halb zu sättigen, schimmert nur zu stark durch in der „benams ästrsuts aus", in „ll'amour a Samt-liiomas-el'^quiii", j„ der „Mstoirs äestroirs", bei der Herzogin von Langeais, bei Madame de Bause'ant und namentlichbei der seltsamen Madame de Mortsauf, die von den Bewunderern von „lle llsäans la vallse" viel zu sehr gepriesen wird. Der klägliche Wahn, daß unter denKräften und Talenten, welche die Gesellschaft nicht verwenden will, sich überausgroße und herrliche befinden, die den Staat retten und die Welt umgestalten könnten,daß Schul- und Dachstuben, Werkstätten und Winkelbuden von Staatsmännernstrotzen, die, wenn sie ans Ruder kämen, alle William Pitt und Robert Perl aus-stechen würden, ist Zug für Zug in den Nabourdin, in den Michel Chre'stien, in denMarcaS zu erkennen. Dabei hat Balzac eine unbegreifliche Neigung, jene finstere Re-gion des Wuchers, der Pfandscheine und der Gaunergewerbe zu betreten, wo derVerfasser in Competenz und didaktischer Procedur mit Amtsvögten, Pedellen und Schnur-ren wetteifert, die aber mit ihrer unerquicklichen Nachbarschaft seine reizendsten Ge-bilde betrüben. Die Wohlgefälligkcit, womit er Schäden und Gebrechen ausforschtund die Resultate seiner Beobachtungen auskramt, bezeichnet hinlänglich die Nei-gung seines Talents. Die bis ins Allerkleinste sich erstreckende Sorgfalt, die Balzacauf Seelenstudium verwendet, findet sich auch in seinen Schilderungen der Außen-welt. Ehe er die Intrigue seines Romans anspinnt, macht er uns vor allen Din-gen damit bekannt, wie die Leute aussehen und wo sie wohnen. Seine Heldenwerden umständlich beschrieben; die Farbe ihrer Haare, ihr Teint, ihr Wuchs, derSchnitt ihrer Kleider, die Merkmale ihres Gesichts, nichts wird vergessen. Keinholländischer Feinmalcr ist so erpicht auf die Darstellung von Außendingen. West"Balzac uns in ein Haus hineinführt, so beschreibt er sorgsamst die ganze Ausmobb'rung, so sorgsam, ,daß er die Flecken an den Vorhängen, die Scheiben in den Fen-stern zählt und genau anmerkt, wie die Tapeten gemustert, wie die Stühleformt, wie alt die Gegenstände sind; erst, wenn er schlechterdings nichts mehr ss'beschreiben hat, geht er in die Handlung ein. Balzac hat einen eigenen, der ^und Weise seiner Schriften angemessenen Stil, der bei weitem nicht correcldoch eben nicht schlecht zu nennen ist. Stellenweise kommt etwas VerknicktesVerrenktes; ab und zu meldet sich affectirtcs und geziertes Wesen. WeitschichtiSv,

tritt hervor, die Phrase ist verschroben, oft undeutlich, mit Parenthesen undschiebseln überladen; aber Talent, Wahrheit und Feinheit retten den Verfasser, ioft er auch mit der Sprache Schiffbruch leidet. Sein Stil ist wie ein feiner We> -der absetzt; man gewöhnt sich daran, schlürft bedächtig davon, was klar ist, ""läßt den Satz ungctrunken. ^

Eugene Sue ist ein Talent von andern, Schlage. Balzac läßt sich die A-egefallen, wen» auch nicht so wie sie ist, doch so wie er sie sieht. Er studirt u>