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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

worden und hakte auf ihre königliche Regierung eine etwas lockere Regentcnwirlh-schüft folgen lasse». Sein Dichterruhm ist allmälig aus den Studentcnzinimcrn undKünstlerateliers in die Boudoirs und Salons gedrungen, und hat zuletzt alle Classen,alle Lesekreise für sich gewonnen, aber seine Dichterthaten haben aufgehört. Nichtetwa, daß er, wie seine Vorgänger, in den Strudel der Politik hineingerissc» wor-den; die jetzige Politik hat keine solche» Undinengelüste mehr, sie ist sehr kühl gegendie Poesie und wird vermuthlich so bald keinen großen Dichter in ihr Wasserschloßlocken: sondern Alfred de Müsset, wiewol noch jung, schlummert sanft im akade-mischen Lehnstuhlc. Es scheint, als ob er selbst sein poetisches Leben geschlossen,den Vorhang zugezogen und dabei wie Augustus gerufen: kadul.i aeta est — dasStück ist aus! Kaum lüftet er dann und wann die Wimpern und schreibt mitschläfriger Hand einige neue Seiten, wie „ l5orrv ol Lsmills", „1.:, mouoüe" und„>.i! »iwrst c1s.I-ivotts", die eben keine Juwelen sind, oder sammelt aus Zeitschrifteneinige alte Sachen, wie die ,, llottros sur l.i littüruture", echte Pretiosen, die inseine sämmtlichen Werke bisher noch nicht aufgenommen waren.

Ste.-Bcuve ist, so scheint es, durch den geringen Erfolg seiner letzten Ge-dichte, der ,, psnsöos <l^oüt", von der lyrischen Poesie abgebracht und der likerari-schcn Kritik wieder zugeführt worden, womit er aber diesmal nicht soviel Glück gc'macht und nicht soviel Ehre eingelegt hat. Bekanntlich trat Ste.-Beuvc zuerstals Kritiker dcS Nomanticismus mit glänzendem Nachdruck und Beifall gegen di<Elassikcr auf; vielleicht brauchte er dabei ein zu scharf geschliffenes Schwert. Seh'dem ist seine romantische Waffe, man weiß nicht durch welche Blutflecken, rostiggeworden. Jüngst hat er sie zwar wieder spiegelblank gewetzt, allein — wer sollte esglauben? — bei verschiedenen Gelegenheiten an dem Fähnlein der romantischen Kreuz'fahrer, das er in den Tagen treuer Minne als Leibbinde trug. Nämlich von 184°—51 hat er für den ,,6o»8tilut>ui>i>«N" ünd den ,,)l»i>itv»r" eine ansehnliche Renhenfolge von kritischen Aufsätzen geliefert, die unter dem Titel „6a»8ori68 clu lunäi^in zehn Bänden gesammelt erschienen sind. Diese „Lauseries du Iu»di" bilden >">doppelten Sinne des Wortes das Gegenstück zu seinen frühern literarischen Kritikendie er für die „ksvue des deux inondor," geschrieben und unter dem Titeltraits oontsmpcwiiüis" herausgegeben hat. Der ältere Ste.-Beuvc der „stervb,Iss doux montier" ist gerade das Gegentheil von seinem jünger» Bruder desstituticilinel"; nicht blos die Schreibart, auch die Denkungsweise ist bei Beiden ^Grund aus verschieden. Man hat diese Unbeständigkeit an Ste.-Beuvc bitter S*'rügt und mit Stellen aus seinen Büchern eine pikante Geschichte seiner Wechsel'^Meinungen geschrieben. Bei genauerm Durchlesen seiner sämmtlichen Schriften l>^ .sich zu jener Geschichte allenfalls noch einige Seiten hinzufügen; aber was würdeherauskommen? Man hat in neuerer Zeit in Frankreich so viele krachende Si»^ändcrungcn erlebt, daß die öffentliche Strenge dabei eingeschlafen und diedarüber beinahe gemeinplätzig geworden ist. Bei Ste.-Beuve ist diese Verändert'^keit ohnehin nicht ganz förmliche Überlegung: sie gehört mit zum natürlichen,borenen Wesen seines Geistes, der so biegsam ist, daß er keine rechte Festig^so leutselig, daß er sich mit allen Meinungen beiläufig einläßt, so scharfsichtigen,,er auf den ersten Blick sich in alle Personen und Charaktere hineinversetzt- ^ znFeinde mögen indessen Recht haben, wenn sie behaupten, daß seine Proteusv^Mden letzte» Verwandlungen nicht durch so ganz lautere und rein ästhetische - jedebestimmt worden. Vielleicht haben aber auch seine Freunde Recht, wen", i. Ta-seiner Sinnesänderungen für eine weitere und vollständigere Durchbildung gchzU'lents ausgeben. Es hält schwer, einem behenden und hurtigen Skeptiker ^„rchkommen, der aus seinen geistreichen Hin- und Herzeigen in der Gedai'kenwe jxalle Ideen hindurchgegangen, ohne bei irgendeiner lange zu verweilen, „jxl istseit 25 Jahren eine ansehnliche Strecke Wegs hat zurücklegen können. ^§„lien,gewiß, seine geistige Entwickelung bietet eine merkwürdige Sammlung „jcht»

eine bunte Reihenfolge von Ansichten und Empfindungen, wovon er zum ^ "