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Eilfter Band.
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591
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Die Literatur Frankreichs. 591

ju bereuen und zu bedauern hat, weil er, nach seinem eigenen Gestä'ndniß, in Allesein-, aber in nichts aufgegangen. Hat man einmal den Muth sich und Andern

ein solches Gestä'ndniß zu machen, so ist man sehr stark und darf auf seine „Prin-cipien" pochen. Übrigens laßt sich aus seinen Meinungsverschiedenheiten eine gewisseliterarische Einheit herauserkennen. Abwechselnd romantischer und classischer Literar-historiker, Kritiker, Nomandichter und Lyriker, hat Ste.-Beuve allerlei Ideen undDarstelluugsarten angenommen, aber im Grunde nur Eine Kunstgattung angebaut:cr ist immer Porträtmaler gewesen. Er hat allenthalben Porträts ausgeführt, inVersen und in Prosa, zuerst sein eigenes, wie in „soseplis Ilslorms" und in „Vo-i"pto", lebensgroß von Kopf zu Fuß, und nachher Porträts von allen Leuten inssinen kritischen Schriften. Seine „Histoirs eis port-lloz-al" ist eine Galcrik von3anse»isten und Jesuiten, worunter sogar ein paar Silhouetten von Profanschrift-stellern hängen. Wie viele Maler hat Ste.-Beuve seinen Stil geändert. DieDämmerungsperiode mit langen Windungen und schwachen Schattirungen, das ver-schwommene und sorgsam ausgesponnene poetische Tlcichniß, das über die fernen^ußencnden der Phrase einen matten Scbimmcr verbreitet, war ursprünglich das Mu-ster seiner Schreibart. Er lebte damals, allem Anschein nach, in einem mit Seideausgefthlagenen hohen Gemach, wo eine alabasterne Ampel die brocatenen Thür-und Fcnstcrvorhänge nur spärlich beleuchtete. Seitdem hat er seiner Phrase denreichen Umschlag abgenommen und die Spitzenmanschctten aufgckrämpt, dabei seinFenster geöffnet und freie Luft nebst Sonnenschein in, sein Zimmer gelassen. Mankönnte noch andere Verwandlungen anführen. Sonst nahm See.-Beuvc ungeheureStücke Leinwand, umgab seine Personen mit einer Unmasse von Beiwerk und warsseigebig mit Farbe. Später gebraucht er kleinere Nahmen, bringt Nebendingesparsamer an, hält mehr auf Zeichnung, ist wirthschaftlicher und unscheinbarer, a'n-f" aber bei allcdcm nie die Kunstgattung, sondern bleibt beständig Porträtma-ft- Was seine Art und Weise sich zu den Modellen zu verhalten betrifft, so sind,"^Ste.-Beuve selbst, zwei Epochen in seiner Schriftstellercarriere zu unterscheiden.--Man kann", sagt Ste.-Beuve in der Vorrede der „Portraits oontsinporaiiis", „die7"dc,i ZxUe„ meiner kritischen Manier bemerken: in der ersten Zeit erkläre und preise'ch tz.r prokssso dem Publicum die Dichter und bin ganz darauf aus sie hcrvorzu-.en. Ich werde ihr Advocat, ihr Secretär, oder auch ihr Waffenherold, wie ich""ch gerühmt habe es oft zu sein. In der zweiten Zeit, nachdem dieser Punkt ab-.^han ist, drehe ich mich gegen sie herum, mache mich theilweise zum Publicum""ö beurtheile sie." Ste.-Beuve ist seit geraumer Zeit bei dieser letzten Phase au-fkommen. Er hat sich gegen die Schriftsteller, die er zuerst sx prokssso gepriesen,fnimgcdreht, und diese bei der Schwenkung, wobei er seiner eigenen glaubwürdigen Aus-„ach Fähnrich gewesen, oft etwas hart gestoßen und mit seiner Lanzenspitze verwundet.. In seinen „Portraits oonlsmpoiaius" ist Ste.-Beuve ein sanfter, wohlwollen-Mhulicher Mann, der Alles in schönem Lichte sieht und von Keinem etwasschlimmes sagt. Einen oder zwei Dichter ausgenommen, mit denen er sich vonher verfeindet, Jean Baptiste Rousseau und Boileau, weiß er nicht, was esJemanden angreifen oder etwas rügen. Er zittert, daß man ihm vorhält, er?"ke und sschlx „jcht wie die berühmten Männer, die er schildert, und entwirft lau-^ sehr ins Schöne und Ideale ausgemalte Porträts. Chäteaubriand, Beranger,L fartme, Victor Hugo u. s. w. erscheinen in seinen „Portraits oontemporains" wieAbgötter, von denen man nur in sibyllinischcm Orakelton sprechen darf. In sei-" „Caussrios cku lunlli" hingegen ist die Auffassung der Modelle naturalistischer,b '^ttiger, kavaliermäßiger und der Vortrag kein feierlicher Kathcderstil, sondernsill ^"licher Conversationston. Es sind, wie der Titel besagt, Plaudereien, Muster-M,. ^ ihrer Art. Für den Liebhaber der saubern Medisance, Splitterrichtereibleu ^'rchhechelei ist hier in reicher Mannichfaltigkeit und Auswahl Alles beisam-lick/ was zur Würze und Beize, zum Genuß und Aufguß geistreicher und kost-^Unterhaltung gehört: die muntere, sprudelnde Laune, die das Grundwesen, die