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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

wollte zu der freiern Auffassung und mannichfaltigcrn Behandlung des poetischenStoffs eine gewisse Gebundenheit einfuhren und durch engern Anschluß an diechristlich-katholischen und monarchischen Traditionen des Mittelalters eine damit über-einstimmende Wiedergeburt von Anschauungen, Begriffen und Gefühlen hervorbrin-gen, wogegen die Phantasistcnschule das Poetische, frei und abgelöst von allen Ne-benzwecken und Seitenblicken, nach den willkürlichen Eingebungen der Phantasie undDichtcrlaunc verarbeiten und rein ästhetisch wirken will. Diese lyrische Strömung,die lange nach Victor Hugo hingelaufen, hat sich in der letzten Zeit etwas nach Al-fred de Muffet hingewendet, und fließt gegenwärtig mit Thevphile Gautier, der dieplastische Manier seines Meisters Victor Hugo einseitig ausgebildet hat und als derStifter der Phantasistenschule anzusehen ist. Victor Hugo hatte den gebrochenenVers von eigensinnigem Gange und kunstreicher" Form aufgebracht, und in seine»lyrischen wie in seinen dramatischen Dichtungen die Umrisse der Strophe zierlich ge>rundet, den halben Alexandriner fein geschnitzt und die Tirade beispiellos köstlich ge-schmückt. Andere machten es ihm nach, und die Goldschmicdspunze, der Gräbst''chel und Meise! traten an die Stelle der Feder. Der Stil war nur noch einsKupferplatte, ein Marmorblock. Es bildete sich die gehämmerte, getriebene, getü-pfelte und gerillte Sprache. Der Meister hatte das Malerische, das sorgsam aus'gearbeitete Detail auf Kosten des Inhalts und Tvtalcffects zu stark hervortreten las'sen, doch ging bei ihm der Gedanke noch durch die wunderlichen Stilarabeskcn h>s'durch; die Schüler hielten sich lediglich an die Arabesken und kümmerten sich wenigum den Inhalt. Theophile Gautier entwickelte in dieser poetischen Schnörkelmanittdie größte Virtuosität, und ist darin seinerseits für jüngere Lyriker ein Vorbildworden. Von den höher hinausgehenden Ideen und Tendenzen Victor Hugo's h?Gautier nichts beibehalten: sein Ingrimm geht blos gegen abstrakte Wesen, wie d>Tragödie, der steife Alexandriner und die frostige, abgezirkelte Metrik der classischeSchule. Dabei hat er einen entschiedenen -Hang zum Excentrischen. Das Pa^'doxale, das Phantastische, Absonderliche und Überaußc verlauten in seinen SchrisAmit einer Gelassenheit, Natürlichkeit und Gemüthlichkeit, die nicht böse werden laß.Er ist weder ein Sophist, noch ein Systematik», der seine Anschauung oder st"jPersönlichkeit aufdringen will, sondern ein Phänomenal- und Originalmcnsch/ ^

dem Ein Sinn sich ausschließlich entwickelt und das Talent des Beobachtens ""

Beschreibcns die Kraft des Denkens, Fühlcns und Glaubens aufgerieben hat.absolute Gleichgültigkeit in Sachen der Religion, Moral und Politik ist keineruchtheit, keine Sitten - und Gesinnungslosigkeit, sondern etwas Ähnliches „wie .verhältnißmäßige Schwachheit eines Menschen, der über allzu seinem Gehörsichtig oder über allzu scharfem Gesicht harthörig geworden. Ließe sich einegion, Moral und Politik malen oder schnitzen, d. h. mit Schlaglichtern, Locau^zund Wellenlinien herstellen, so wäre Gauticr in diesen drei Stücken ein ernst'strcnggcsinntcr Mann. Sowie er jetzt gestimmt ist, ist er ein trefflicherwenn er Neisceindrücke oder Kunstkritiken schreibt, aber ein gefährliches ^ yiclewuin er Verse macht. Nichtsdestoweniger dient er gegenwärtig als Muster 0" ^nwitzige Lehrlinge und geschickte Reimschmiede, deren Verse noch am meisteu^ls'werden. In diesen Fcuerkopfen spukt Das, waS Ste.-Beuve irgendwo die A ,,,anPoesie nennt, nämlich eine gewisse Poesie, die man in sich verspürt, ^^enig^20 Jahre alt und von Natur reich ausgestattet ist, die mehr ödes Apitwglückt und je nach den Umständen ihren Mann in die Akademie oder ' schönebringt. Wie im manichäischen System die bösen Geister menschliche bH°^elc»Jungfrauen bauen und sie als Fallen hinstellen auf die Erde, damit die .^et i"Lichtreich sie erblicken sollen, und in Liebe zu den reizenden Gestalten r»^

ihnen nicdersteigen, wo das lockende Fleisch dann über ihnen zusamn"»!^^ aller'an den irdischen Leib sie fesselt; so wissen jene Verskünstler in fasste

künstlichsten Formen auszuarbeiten, schöne Gefäße, werth das ^st "s, ^ Heiligdie sie hinstellen wie die Kinder die Schüsseln zu Weihnachten, da