Die Literatur Frankreichs.
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französischen Dichtern des jüngsten Datums, die ein von allen ältern Poeten classi-schen Schnitts abweichendes Bestreben zeigen. Die Dichter der frühesten Periodedes französischen Classicismus, von Ronsard bis Malherbc, hatten im ästhetisch-reactivnären Eifer gegen das Mittclalter die antiken Lebens- und Kunstclementeganz materiell aufgenommen und sich eine Indigestion damit zugezogen: sie antiki-strten schlechtweg und geradehin, d. h. sie gräcistrten und lateinisirten das Französische,und ahmten nicht nur die griechischen und lateinischen Dichter nach, sondern ver-webten ganze Stellen aus diesen Dichtern in ihre Arbeiten. Auf die erste antiqua-rische Periode des Classicismus folgte die antikische, die von Ludwig XIV. bis zurRevolution und noch weiter hinabreicht. Die Dichter dieser Periode antikisirten inandcrm Sinne als ihre Vorgänger: sie französirten das Griechische und Römische,und ließen die Alten in der Kleidung und Bildung französischer Hof- und Welt-leute des 17. und 18. Jahrhunderts auftreten. Chenicr kehrte sodann die Sache umund brachte moderne Dinge in antike Verse: er antikisirte im besten Verstände desWorts, d. h. er borgte von den Alten die Form für den Abguß seiner Gedankenund Gefühle, und suchte antike Eurhythmie mit französischer Sinnesart zu verschmel-zen. Die jüngsten antikisirenden Dichter wollen hingegen den Alten ihre Anschauungs-und Denkungswcise nachempfinden, und in jeder Beziehung, z. B. im Mythologi-schen, eine gewisse gelehrte Treue und Strenge einführen. Das classische Heiden-thum,. welches die für Glasmalereien, Nosettenfüllungen und Spitzbogengewölbeschwärmenden Romantiker ehemals zu Grabe getragen und gesungen, ist nunmehrWieder aufgekommen, sodaß die Nachfolger der Romantiker von neuem dagegen aus-gerückt sink», und die längst todt geglaubte griechische Götterwelt wird wieder leben-dig, ja sogar lebendiger als je, in gleichzeitigen Gedichten, wo Local- und Zeitfarbctreuer beibehalten und antike Vorbilder strenger nachgeahmt sind. Ihre Verfasserhaben von der alten und neuern Poesie eigene Ansichten, die allen bisher in Frank-^>ch gangbaren Meinungen geradezu widersprechen, insofern sie nur die Koryphäendrs altgriechischen Dichtkunst als Muster gelten lassen. Ein sehr talentvoller jungerDichter dieser Richtung, Leconte de Liste, sagt„derb und unverhohlen in der Vorrede„poömeo -mtiquss": „Seit Homer, ÄschyluS und Sophokles, welche diePoesie in ihrer Lebenskraft, Fülle und harmonischen Einheit vertreten, sind Verfallu»d Barbarei über den menschlichen Geist hereingebrochen. In Ansehung origineller^unst steht die römische Welt auf der Höhe der Dacier und Sarmaten; der christ-«che Cyklus ist ganz und gar barbarisch. Dante, Shakspeare und Milton habenw<r dix Höhe und Stärke ihres individuelle» Genies bewiesen; ihre Sprache und^uffassungsweise hat barbarischen Anstrich. Die Sculptur ist bei Phidias und Ly-l'bpus stehen geblieben. Michel Angelo hat nichts befruchtet; seine an sich bewun-.^uswürdigcn Werke haben nur auf verderbliche Abwege geleitet. Von den classi-'chen Dichtern Frankreichs im 17. Jahrhundert sagt Leconte de Lisle nicht ein ein-iges Wort, und über die neuere romantische Poesie äußert er sich folgendermaßen:"Ei» trüber Abglanz von Lord Byron's brausender Persönlichkeit, von Chateau-siand's verschrobener und wollüstiger Religiosität, von deutschem Tra'umerwescn undschottischem Naturalismus, verschwimmt und verschwindet die neuere Poesie. Nichtssich Unlebcndigeres und Unoriginelleres, im verführerischsten Scheingepränge! Eine^üterhafte und zusammenhanglose Kunst aus zweiter Hand, ein alterthümelndes
bx^fh „antik", womit der Schrift- und Redegebrauch fast jede seiner Lyrannenlaunen zwanglos^ erledigen kann. Braucht man .z. B. einen Spitznamen für das verfehlte Antike, so stelltden "?scrufcn das Antikische ein; soll das Kneten in jenem schlüpfrigen Teige bezeichnet wcr-ge-' w gibt Antikisiren einen anständigen Tadel dafür ab; wird es nöthig, bei den Abirrun-den, Ziele das trockene Reminiscenzenwesen zu stigmatisiren, so läßt sich «üb rosa mitdes Antiquarischen darauf hindeuten. Bon vorn schmiegt sich der AusdruckSUr »r wechselnden Bedürfniß der Charakteristik nicht so gefällig an, doch wird man ihmder ^"dcutlichung des jedesmaligen Begriffs einen Vorstoß oder Aufschlag ansetzen kennen," den meisten Fällen hinreichen dürfte. ,