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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

mit den Desmidieen; sie bilden nämlich entweder Säulen, welche aus kurzen walzen-förmigen Gliedern auseinandergesetzt sind, ähnlich den Geldrollen, wie in der geolo-gisch wichtigen Gattung Gallionella oder Melosira (Doscnkette); oder sie gleichenStäbchen, die zu Hunderten in lange, gerade (Bruchband, ?rss>Iiarjg), oder halb-kreisförmige Bänder (Lloricliov, Zirkelstäbchen, Rollfächer) sich aneinanderschließenoder zu Zickzackketten sich abwechselnd am obern oder untern Ende verbinden (o,s-lc»>i!>, daher ein Name der ganzen Familie Diatomeen). Bei einer Meerform lie-gen die Stäbchen wie Dominosteine übereinander und schieben sich einzeln oder grup-pcnweisc aneinander hin und her (vacillgrig, daher der Name Bacillarien). Diemeisten Bacillarien sind jedoch gleich den Spindelzellen und Skernscheibcn freie selbst-ständige Körper, die bald langen Stäbchen (SMollra, Ellenstäbchen) oder prächtigen,flachen oder gebogenen, biscuit- oder leierförmigen Scheiben ((lamp^lollisous, Krumm-schcibchcn, 8urirslla) oder niedlichen Keilen (Compsionsm-i, Keilstäbchen), am häu-figsten zierlichen, geraden oder gekrümmten Schiffchen (I^svloula) sich vergleichenlassen.

Der Hauptunterschied der Bacillarien von den Desmidieen beruht in der che-mischen Beschaffenheit ihrer Zellmembran, die bei den erster» nicht wie bei den letz-ter» aus Cellulose, sondern aus Kieselerde besteht; wenigstens ninimt dieser Stoff90 Procent ihrer festen Substanz in Anspruch. Die Kieselerde ist in den Bacillarien-schalen in ähnlicher Beschaffenheit vorhanden wie im Bergkrystall, nämlich glasähn-lieh, durchsichtig, leicht zerbrechlich, aber unverwesbar und in der Länge der Zeitweder durch Luft, noch durch Wasser, ja nicht einmal durch Feuer zu zerstören. ImAllgemeinen bildet die Kieselerde in den Bacillarien dünne Schalen, auf denen inRegel jedoch noch dickere Streifen oder Höckerchen hervortreten. Die meistenSchiffchen (Naviculs) sind auf diese Weise sehr regelmäßig gerippt, und in der Re-gel verläuft von der einen zur andern Spitze noch eine breite Linie, gleich einemKiel, und ist an den Enden und in der Mitte mit erhabenen Knöpfchen verziert.Auf vielen Bacillarienschalen sind die Wärzchen und Höckerchen so zart und so enganeinandergcordnet, daß sie die feinsten, sich kreuzenden Linien bilden und die ge-eignetsten Objecte sind, um die Güte eines Mikroskops zu prüfen; denn wahrendein gewöhnliches Instrument dergleichen Schalen, wie die von der 8-förmigcn lö->vi-vuia sttsnuatg, ganz glatt erscheinen läßt, zeigt ein besseres zarte Längsstreifung, undein ausgezeichnetes läßt sogar noch quere und schiefe sich kreuzende Linien erken-nen. Bei den Bacillarien des Meeres, die, von denen des süßen Wassers ganz ver-schieden, meist großer und schöner als diese sind, bilden die Erhebungen auf derKieselschale meist regelmäßige, größere oder kleinere Sechsecke, die wie Bienen-zellen miteinander zusammenhängen, von geraden oder gekrümmten Streifen durch-brochen und zu den geschmackvollsten und künstlichsten Formen verflochten sind. Mankann sich nichts Schöneres denke» als eine Biddulphia, die einer Bischofsmütze mitprächtigem Spitzenbesatz gleicht, oder als den Krystallkörpcr eines Actinocyclus, wie^ sich zu Tausenden im Guano findet, einer Scheibe gleich, von doppeltem Rande^"gefaßt, von sechs Radien durchkreuzt und mit zellenähnlichen Glaslinicn bedeckt,sirahlend in allen Farben des Regenbogens vom tiefsten Blau bis zum glänzendenAch. Die meisten Bacillarien leben als sogenannte falsche Schmarotzer. Wie unsere-Kovse und Flechten auf der Rinde der Waldbäume, so sind' die'Bacillarien auf derOberhaut mikroskopischer Pflänzchen, insbesondere der Conserven festgewachsen, die'ynen jedoch nur zur Stütze, nicht zur Nahrung dienen. Manche Conserven sind vonsn dosenförmigen Schildschiffchen (Loooonois) oder den zebraartig gestreiften, ein-' dreibuckeligen Höckcrstäbchen (llunotia) so dicht bedeckt, daß man ihre natürlicheSrune Farbe nicht mehr erkennen kann; viele Bacillarien sind mit farblosen Gallert-'elen an den Confervenzellen befestigt, wie die Ellenstäbchen (8ynoiir-i), Fahnenstäb-^r> (^olinmitliss). Bei den Keilbäumchen (Cnmplioncimi) und den Stielkähnchen (Loo-stellbrrw) sind diese Stiele vielfach verzweigt, sodaß sie ein verastcltes Bäumchen dar-das an der Spitze jedes Zweiges, gleich einer Blüte, eine Bacillarie trägt,