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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

und auf einem Confervenbäumchen wurzelt, wie ein Mistelstrauch auf einem Apfel-baum. Bei andern Arten finden wir zahlreiche Schiffchen in einer weiten Röhre cin-oder mehrreihig eingeschlossen und auf diese Weise familienartig in Fäden oder Bü-sche versammelt (bmo^onsms, Nöhrenschiffchcn, blioromega, Röhrenbäumchen) u. s. w.

Ein großer Theil der Bacillarien lebt jedoch ganz frei im Wasser, und diesesind es, welche die wunderbarsten Bewegungen zeigen, während die nächst verwand-ten, angehefteten Arten keine Spur davon äußern. Am energischsten ist die Bewe-gung der freien Schiffchen (dlavioula) und Ellcnstäbchcn (Synolr.i). Man sieht diesemikroskopischen Kähne oft zu Tausenden am Boden des Wassertropfcns geradeausnach allen Richtungen der Windrose langsam dahinstcuern; nach einiger Zeit ändertdas Schiffchen den Lauf, wendet sich nach rechts oder links und schlägt eine neueRouie ei», oder es fährt denselben Weg zurück, den es gekommen, sodaß das Vor-dertheil zum Hinterthcil wird. Dabei wird weder Ruder noch Steuer bemerkbar,die die kleinen Fahrzeuge in Bewegung setzten, und sie erinnern so gewissermaßen andie Geisterschiffe der Sage. Die Bewegung der Bacillarien ist zwar langsam, abersehr kräftig, und oft sieht man ein Schiffchen gegen ein Sandkörnchen stranden, dasfür dieselbe» ein Felsenriff ist; aber statt daran zu zerschellen, wird vielmehr die Klippevon dem Kahne fortgerissen. Schon oft schrieben Naturforscher von wunderbarenBewegungen, die gewisse leblose Körper unter dem Mikroskop vollführten, und über-sahen dabei die unsichtbaren Fahrzeuge, die im Verborgenen die unverhältnißmäßigeLast fortwälzten. Ja, um nur das Bacillaricnschiffchen selbst an der Oberfläche desWassers in Bewegung zu setzen, ist schon eine verhältnißmäfiig mächtige Kraft er-foderlsch; denn da ihr Körper fast ganz aus Kiesel besteht, so ist es nicht andersals ob ein Mühlstein zum Schwimmen gebracht würde; auf die Größe kommt esbekanntlich beim specifischen Gewicht nicht an. Die Wirkungen dieser gehcimnißvol-len Triebkraft sehen wir auch an andern höchst sonderbaren Erscheinungen. Die Ba-cillarien ziehen einander gegenseitig schon von fern an; kommen zwei sich nahe, stwahrt es nicht lange, bis die eine auf die andere anfährt, dann sich quer legt, sodaßdie beiden Längsseiten der Schiffchen aneinander hingleiten; endlich trennen sie siehwieder, nicht ohne Mühe. Auch kleine Sandkörnchen in der Nähe der Bacillarienwerden von ihnen angezogen und laufen dann an ihnen hinauf und hinab, als essie lebendig wären.

Ehrenberg, der die Bacillarien gleich den Dcsmidieen für Thiere hält, schreieihnen einen scheibenförmigen Fuß zu, der zu gewissen Löchern in der Schale heraus'gestreckt und wieder eingezogen werden könne, und alle jene ra'thselhaften Beweg""'gen veranlassen soll. Bei einer Mcerbacillcnie (Surirolla jzemnn,) will derselbe sch>"'"gende Härchen oder Wimpern beobachtet haben, die den Körper in Bewegungsehen sollen. Ebenso spricht er von Mund und After, von vielen MagenEicrstöcken der Bacillarien. Aber alle diese Organe hat keiner der zahlreichenkroskopischen Beobachter, die sich mit den Bacillarien beschäftigt, wiederfinden ki>"" ,Sie erkannten übereinstimmend im Innern der Glasschale nichts weiter als eine ^fache schleimige Substanz, welche durch einen Stoff lichtbraun gefärbt ist, der ^

dem Chlorophyll verwandt und durch chemische Einwirkung in dasselbe umgewa' ^

werden kann; außerdem enthalten die Bacillarien Öltröpfchen und eine Ö"""Eisen gelöst. ^hec

Alle diese Stoffe kommen auch bei Pflanzenzellen vor und widerspreche" hatauch. nicht der Annahme von der Pflanzcnnatur der Bacillarien. Ehrende ^die Öltropfen fälschlich als Magen und Eierstöcke, die verdickten Kiesest?.^ ^Mundöffnungen gedeutet. Deswegen werde» von den meisten neuern §A.zn,idieeN

Bacillarien unter die Algen gestellt; und wenn dieselben auch mit den ^ ch„e"

nicht so eng verwandt sind, wie Ehrenberg meint, so stimmen sie doch a"'

in vielen Punkten, auch in der Fortpflanzung überein und mögen wol vorlabesten in ihrer Nähe eine Stelle erhalten.