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Die mikroskopische Welt.
ihre thierische Natur sein; bis zur völligen Lösung dieser noch schwebenden Fragenmüssen wir unser Endurtheil über die wahre Stellung der Bacillaricn suspendircn.
Die Bacillaricn sind die vcrbreitctsten mikroskopischen Geschöpfe; sie findensich säst in jedem Wasser; selbst in faulendem entwickelt sich eine eigenthümliche,farblose, pilzähnliche Art, die neuerlich Cohn entdeckt hat (S^necira putriäs). ImSchlamm der Gewässer leben die Bacillaricn oft in solcher Masse, daß der Bodenmit einer schleimige», dunkelbraunen, zolltiefen Schicht bedeckt erscheint, die aus Mil-liarden lebender Wesen besieht. Auch feuchter Erdboden, wie er sich in Sümpfen,an Grabenrändern, in Gärten und Blumentöpfen findet, ist von zahllosen Bacilla-rien bewohnt, die meist zu bestimmten, für diese Fundorte charakteristischen Artengehören. Gewöhnliche trockene Ackererde ist ärmer, doch keineswegs frei von Ba-cillarien. Sie kriechen zwischen den Wurzeln der Kräuter und tummeln sich in denErdbrvckcn, die zwischen Moosen auf Steinen und Mauern sich ansammeln. Dadie steinernen Schalen der Bacillaricn unzerstörbar sind, so findet man dieselben auchan solchen Orten, wo sie längst zu leben aufgehört hatten. Obwol die Bacillaricnfür ihre naturgemäße Entwickelung auf das Wasser angewiesen sind, so besitzen dochviele Arten die wunderbare Fähigkeit, die wir noch bei andern mikroskopischen For-men antreffen werden, völlig zu Staub auszutrocknen und dennoch dadurch nichtgetödtet, sondern nur in eine Art Scheintod oder Schlummcrlebcn versetzt zu wer-den, aus welchem sie noch nach längerer Zeit, wenn sie mit dem Staube in Wasseroder auf feuchtem Boden herabfallen, wieder erwachen, um den lange unterbrochenenLebcnsproceß von neuem fortzusetzen. Daher erklärt es sich, wie auch solche Punkte,zu denen die Erde nur als Staub durch den Wind emporgehoben werden kann,wie die Steinritzen auf Thürmen, nackte Felsen, Mauerrückcn u. s. w. von lebendigenBacillaricn belebt sind.
Während das süße und das Salzwasscr völlig verschiedene BacillarienfornieNernähren, so macht die geographische Lage und die klimatische Beschaffenheit nur ge-ringen Eindruck auf diese mikroskopischen Geschöpfe. Nur wenige Arten sind anfeinzelne Welttheile beschränkt, außerhalb derselben noch nicht gefunden und für siecharakteristisch. Die meisten Bacillaricn kommen aus der ganzen Erde vor. Ja e°gibt einige Arten (Lunotia »mpirioxz-s und Linnulori!, Koroolis), die man allgeg^wärtig nennen könnte; fast ein jedes Bröckchcn Erde, sei es, daß es sich an die "«a'tcn Felsen des Arktischen oder des Antarktischen Ocean spärlich anheftet, oder daß eunter den Wendekreisen den üppigsten Pflanzenwuchs trägt, daß es auf den über 1400Fuß hohen Spitzen der Alpen unter ewigem Froste erstarrt, oder in der Sandwülvon Afrika von senkrechtem Sonnenfcuer durchglüht ist, daß es zwischen dem stei"^'neu Laubwerk unserer Kirchen sich anhäuft, oder in einem Blumentopf die WurjsOirgendeiner Lieblingspflanzc ernährt — überall ist die Erde von diesen beiden Bacilla^.belebt. Indem ich auf die geologische Bedeutung der Bacillarien, deren KeM'O'wir fast ausschließlich Ehrenberg verdanken, am Schluß noch einmal zurückkomme,merke ich hier nur, daß, wenn dieser Schriftsteller von „ fclsenbaucndem Leben,len Infusorien, Thieren mit Kieselpanzern" u. s. w. spricht, wir dabei immeran die Bacillaricn zu denken haben. Die vollständigste Bearbeitung dieser >>0santcn Familie verdanken wir Kützing, dem gründlichsten Vertheidiger ihrer Psi^Atlnatur („Die Diatomeen oder kieselschaligen Bacillarien", Nordhausen 1844, ""§h,ieTafeln). Die Untersuchungen Ehrenberg's sind zu zerstreut, um die Oricntiru"^erkdas gründlichste Studium zu ermöglichen; doch enthält namentlich sein neuesiEsir die(„Mikrogeologie", Leipzig 1855) prachtvolle Abbildungen der wichtigsten Arte"- ^stu»gBacillaricn des Festlandes und des süßen Wasser hat Nabenhorst eine ZusaM"^ , §>iemit Abbildungen herausgegeben, die sich durch große Wohlfeilheit auszeich^fSüßwasserdiatomeen", Leipzig 188H, „nt st Tafeln). Die von viele» seho" .^zsein begleitete Bearbeitung der britischen Diatomeen von Smith ist rwchvollendet'.