729
Die mikroskopische Welt.
Zellensterne. Wassernetz.
Mit größerer Entschiedenheit als die Bacillarien kann man einige andere Gat-tungen für das Pflanzenreich in Anspruch nehmen, die Ehrenberg ebenfalls mit denDesmidieen vereinigte, die aber gegenwärtig zu der besondern Familie der Pediastreenoder Zellensterne erhoben worden sind. Hier finden wir Zellen von unregelmäßiger,vier- bis sechsseitiger Gestalt, mit welligen Contouren, die an den Ecken oft in spitzeHörnchen auslaufen. Diese Zellen sind familienweise in einer Zahl, die ein Viel-faches von 2 ist, also zu 4, 8, 16, 32 so miteinander vereinigt, daß sie regel-mäßige, aber sehr zierlich und mannichfaltig gestaltete Körper zusammensetzen. Baldsehen wir vier bis acht Zellen in ganz ähnlicher Weise aneinandergelcgt, wie beieinem bekannten Backwcrk (dem sogenannten Eback, Soonollssmus, Zellenband); odervier halbe bilden ein gleichschenkeliges Kreuz, oder acht sind zu einem regelmäßigenSterne verschränkt, oder 16 — 32 verbinden sich zu einer Scheibe, deren Randzierlich ausgezackt, und die meist noch in der Mitte so künstlich durchbrochen ist, daßwir ein gezähntes Rad mit Kranz und Speichen, oder ein mit Smaragden besetztesGeschmeide zu erblicken glauben. Andere Formen sind noch complicirter, indem dieZellen zu einem regelmäßigen, aber durchbrochenen Körper aneinanderschließcn, sodaßüe sich einem Krystallneh vergleichen lasten (tloelasteum, Hohlster»).
An die Zellensterne schließen wir eine Alge, über deren Verwandtschaft manlange im Zweifel war, bis Nägeli in Zürich und Alexander Braun in Berlin ihrihren Platz unter diesen Formen sicherten. Das Wassernetz (Hyllrollictxon) bestehtaus grünen, schlauchähnlichen Zellen, die in erwachsenem Zustande wol einen halbenZoll lang werden und so aneinandergcordnet sind, daß ihrer drei bis vier immerm einem Punkte zusammenstoßen und fünf- oder sechseckige Maschen einschließen;ba Tausende solcher Zellen auf diese Weise sich vereinigen, so bilden sie ein grünesNetz, daß sich mit einer gehäckelten Geldbörse, oder noch besser mit einem an beidenEnden geschlossenen Fischernetze vergleichen läßt. Nicht selten finden wir auch kleineInsekten, selbst Fischlcin und Kaulquappen, die durch die grünen Maschen unvor-sichtigerweise eingetreten, den Ausgang nicht finden können und so von dem leben-digen Netze gefangen sind. Dieses ist, obwol es viele Zoll lang wird, doch weiternichts als eine Riesensorm der unsichtbar kleinen Coelastrcen.
Volvocinen.
An diese letztem glauben wir noch eine zweite Gruppe mikroskopischer Formenanreihen zu können, die wir als eine besondere Familie unter dem Namen der Vol-vocinen zu betrachten haben. Die Volvocinen sind wie die Pediastreen von Ehrcn-erg zu den Infusorien gerechnet worden; allerdings finden wir bei den Volvocinenwehre Eigenthümlichkeiten, die die Ehrenberg'sche Ansicht wenigstens erklärlich, wennnicht gerechtfertigt erscheinen lassen. - Zunächst bewegen sich die Volvocinen,und zwar gleich den Bacillarien, fast während ihres ganzen Lebens, aber in ganzanderer Weise wie diese. Sie schwimmen nämlich Thieren gleich lebhaft von Orti.u Ort, nach den verschiedensten Richtungen, auf- und absteigend, nach rechts und'"ks, m sonderbarsten Bahnen. Die Volvocinen sind entweder einfache ZellenZellenfamilien. Die einzelligen Volvocinen zeichnen sich vor den gewöhnlichenManzenzcllen dadurch aus, daß bei ihnen die Cellulosehaut an dem farbigen Zcll-uhalt nicht eng anliegt, sondern gleich einer weiten Blase oder einem Hemd vonabsteht. Diese Celluloseblase ist von zwei Löchern durchbohrt, durch die zweistem* ^^"mge Fäden, welche, von dem zu einer Kugel zusammengezogenen grünenden"^^ ausgehend, hindurchtreten und ins Wasser hineinragen. Diese beiden Fä-Unb » - die Bewegungsorgane der ganzen Zelle; sie schlangeln und beugen sich rasch"aftig und schlagen das Wasser wie Ruder; dadurch wird die Zelle rasch vor-jhr"Akricbcn, '"dem sie zugleich beständig um ihre Achs- rotirt. Man könnte^ Bewegung mit der eines Weltkörpcrs, z. B. unserer Erde vergleichen, die auchbr beständiger Achscndrchung ihre Bahn im Raume durchläuft. Wir finden die