Band 
Eilfter Band.
Seite
759
JPEG-Download
 

759

Die mikroskopische Welt.

scher Substanz sehr reichlich getränkt sind, also in den faulenden Aufgüssen oderInfusionen; sie gehören sämmtlich zu den kleinern mikroskopischen Organismen. Diesgilt namentlich von den Monaden, kugeligen Bläschen, die sich mit Hülfe eines odermehrer langer, beweglicher Fäden im Wasser dahinschnellen. Diese sind nächst denVibrionen die kleinsten organischen Wesen und in unzähliger Menge in allen Jnfu-

> sivnen vorhanden; ihre geringe Größe macht eine genauere Untersuchung äußerst schwie-

> rig. Einige von den Wesen, die man als Monaden bezeichnet, haben eine großeÄhnlichkeit mit den Schwärmsporcn der im Wasser lebenden Pilze und sind wahr-scheinlich auch nur Entwickclungsformen von Pilzen; andere Arte» besitzen, wie esscheint, die Fähigkeit, feste Körper und Farbstoffe aufzunehmen; diese sind offenbarThiere und müssen selbst von den mundlosen Formen getrennt werden. Die Pan-zermonaden (Ovptomniwllina) sind meist Begleiter der gewöhnlichen Monaden, un-terscheiden sich von ihnen aber durch ihre starre, büchsenähnliche, meist am obernEnde eingekerbte Hülle und bewegen sich in der Regel durch zwei Flimmerfäden.Die Scheibenthicrchcn (Lvoiiäiuin) und die Borstenmonadcn (Lliaotomcmas) sindringsum mit Wimpern umgeben, leben aber auch' vorzugsweise in faulem Fleisch-aufguß und andern gährenden Flüssigkeiten. Von ihnen unterscheiden sich die Au-genthierchen oder SchöntUiDen (lHuZlona) durch ihre grüne Farbe und ihre eigen-thümliche Fähigkeit, die Körpergcstalt willkürlich und wunderlich zu verändern; sielieben besonders die schmuzige» Gräben, Rinnsteine und das Wasser, das aus Dün-gerhaufen abfließt. Trotz ihres unsaubcrn Aufenthalts gehören sie zu den zierlich-sten Geschöpfen. In ausgestrecktem Zustand gleichen sie kleinen Mischehen, mit leuch-tend grünem Bauche und spitzem, krystallhellem Kopf und Schwanz; am Kopfe glänztei» karminrvthcr Fleck, den Ehrenberg als Auge bezeichnet, und an der Spitze desKopfes entspringt ein langer Faden, den das Thier wie eine Peitsche lustig dahin-schlangelt. Nach Willkür kann sich aber auch der Euglenenkörper in eine Kugelzusammenziehen, dann wieder zur Fischgestalt ausstrecken und dabei die wundcrlich-

! sten Formen annehmen. Das Flaschenthierchen (Iraelielomoiiss) und das Borstcn-auge (Limotngiona) sind kleine grüne, cuglenenartige Thierchen, die in einer kugel-runde», glänzend scharlachrothcn Glasbnchse stecken; nur an einem Ende hat diesesBuchschen ein Loch, durch welches das Thier seinen langen Flimmerfadcn hcrvor-streckt. Die grünen, rothumsäumten Flaschenthierchen mit ihren rothen Augenpunkten. rollen oft zu Hunderten in einem Wassertropfen nebeneinander hin, und erfreuendas Auge durch ihre hübsche Form und ihre lebhafte Bewegung. Die Augen- undFlaschenthierchen empfinden offenbar das Licht; daß aber gerade die rothen Punktedas Sehen vermitteln, ist nicht wahrscheinlich. Denn auch die übrigen Infusorien,dw keine rothen Pigmentflccke besitzen, sind ebenso empfänglich für den Lichteindruck,^d scheine, sogar, wenn man nach ihren Bewegungen schließen darf, die einzelnenGegenstände um sich herum unterscheiden zu können. Da ihnen besondere Sehorganesshlen, so »»iß man annehmen, daß sie mit ihrem ganzen Körper, wie sich selbstthä-tig bewegen, so auch empfinden, sehen, fühlen, hören können, ohne dazu besonderer

^ "erven zu bedürfen.

Die Kranzthierchen (periclinium) haben eine höchst zierliche Gestalt; sie be-then einen Panzer, der aus vicleckigen Täfelchen zusammengesetzt ist, oder in zwei,drei und mehre lange Hörner oder Spitzen ausläuft. Der Äquator dieses Panzersr" von einem Wimperkranze umgürtet, und es befindet sich hier eine Öffnung, durchd>e ein langer beweglicher Faden herausgereckt werden kann. Die feinere Orgauisa-und daher auch die systematische Stellung der Kranzthierchen ist übrigens noch'"cht genau erforscht.

Bei allen diesen Gattungen mundloser Infusorien ist von innern Organen nurrr Kern bekannt, der bei den Euglene» oft in mehrfacher Zahl vorhanden, und't schon oben bemerkt, aus einem eigenthümlichen, dem Stärkemehl nahe verwand-^ Stoffe, den, Paramylo» besteht. Auch contractile Blasen sind bei den meisten»°rn,e„ vorhanden. Im Ganzen bietet der Bau aller dieser Thierchen nichts, waS