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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

in verschiedener Weise organisirten Substanz (Saraoclo) besteht. In der Regel wer-den auch vor dem Zerfließen große Tropfen dieser Substanz durch die Haut dessterbenden Thieres ausgeschwitzt. Bringt man ein Infusorium in frisches Wasser,wenn das Zerfließen erst eine» Theil seines Körpers zerstört hat, so schließt sich derRiß rasch, und der übriggebliebene Nest kann als selbständiges Wesen noch langefortleben, als ob ihm nicht das Geringste zugestoßen wäre; der fehlende Theil istbald ergänzt.

Die encystirtcn Infusorien dagegen zeigen eine große Unempfindlichkeit gegenalle, auch die ungünstigsten äußern Verhältnisse; sie können zu Staub austrocknen,können Frost und Hitze ertragen, lange Zeit ohne alle Feuchtigkeit bestehen, ohnedaß dadurch der in der Schale verschlossene Lcbenskeim zerstört würde. Bringt manein encystirtcs Infusorium wieder in frisches Wasser, so erwacht das Thier von seinemSchlummer; es beginnt innerhalb der Schale sich zu drehen und zu wenden; baldrotirt es rascher und rascher; endlich zerbricht es die Cyste und tritt als wiederge-borenes Geschöpf in seiner alten Gestalt wieder ins Wasser hinaus, um in kurzerZeit sich durch Theilung zu vermehre». Wen» daher in einen, eingetrocknetcn Gra-ben »ach einem Regengüsse zahllose Infusorien erscheinen, so dürfen wir annehmen,daß die im dürren Schlamm unversehrt erhaltene» Cysten durch das Wasser wie-der belebt worden sind; in ähnlicher Weise scheinen die Infusorien auch den Winterzu überstehen.

Bei vielen Infusorien hat der Zustand der Encystirung noch einen zweiten Zweck;er dient nämlich der Fortpflanzung. Die Schonungen (Euglenen), die in zahllosenMyriaden unsere Gräben grün färben, findet man niemals in der Theilung, sodaßes bis in die neueste Zeit räthselhaft blieb, auf welche Weise sich diese zierlichenFormen vermehren. Als man aber die grüne Haut untersuchte, welche auf de,Oberfläche solcher Gräben schwimmt, fand man, daß dieselbe aus lauter kugeligenCysten besteht, die, grünen Algcnzellen bis zum Verwechseln ähnlich, jede eine cin-gepuppte Euglene umschließen. In einzelnen Cysten liegen zwei, vier oder mehrsolcher Euglenen nebeneinander, die nach einiger Zeit ihre Schale durchbrechen undausschwärmen. Es stellte sich heraus, daß diese Thiercheu sich nur deswegen cncy-stireu, um sich innerhalb ihrer Schale durch Theilung zu vermehren. Auch bei denHeuthierchen (Uolpocla Cuoullulrw), den Zahnwalzcn (proroclon) und manchen an-dern Arten hat man beobachtet, daß sie in ihren Cysten sich theilen.

Bei den Glockcnthicrchen machte Stein eine noch ausfallendere Entdeckung.Er fand nämlich, daß das encystirte Thier mitunter alle Organisation verliert, unddaß aus der Substanz desselben sich eine große Zahl beweglicher Körperchcn bilden,die in ihrer Gestalt kleinen Monaden gleichen, nach einiger Zeit die Cyste zerreiße»und ausschwärmen. Es ist zu vermuthen, daß diese kleinen Schwärmer, die Steinmit den Mikrogonidien der Algen vergleicht, nach einiger Zeit sich wieder in Vorticelle»verwandeln werden.

Noch größeres Aufsehen erregte eine Beobachtung, die Stein an andern Vorticelle»'cysten gemacht hatte. Er fand nämlich, daß das von der Cyste umgebene Glocke»'thierchen in allmäliger Umbildung seine Struktur verändere, daß endlich die Schu>*an einer Stelle aufplatze und durch den Riß aus dem eingeschlossenen Thierkörpereine große Anzahl langer feiner Fäden heroorsprossen, die nicht flimmern, aber s>^verlängern und wieder eingezogen werden können. Auf diese Weise habe sichVorticelle in. eine ganz andere Thierform metamorphosirt, die in ihrem ganzendie größte Ähnlichkeit mit dem bei den Nhizopoden schon geschilderten Sonnenth^chen (^oiinoplirz's) besitzt und von Stein als Acincte bezeichnet wird. Jede ^ticcllc, auch die verwandten Glockenbäumche» u. s. w., können, nachdem sieencystirt haben, sich in eine eigene Acinctenform umwandeln, die bei gewisse"ten die sonderbarsten Gestalten zeige. „

Im Innern dieser Acinetcn sah Stein «ach einiger Zeit einen eiförmige» Korphervortreten, der erst langsam, dann rascher sich um seine Längsachse zu drehe»