Die mikroskopische Welt.
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Somit waren, hierüber konnte nun kein Zweifel sein, die so lange vergeblich gesuch-ten Räderthiermännchen entdeckt: es ergab sich, daß das Nackcnauge nicht hcrma-Phroditisch, sonder» getrennten Geschlechts sei, und es gelang selbst Brightwell dieBegattung zu beobachten. Im Jahre 1851 entdeckte Leydig in Würzburg die Männ-chen bei einem mit dem englischen verwandten Nackenauge (dlotomm-ita Swkoldü),1855 Cohn noch bei einigen andern Gattungen, und es ließ sich übereinstimmendaus diesen Beobachtungen erkennen, daß die Männchen der Näderthiere immer klei-ner als die Weibchen, oft anders gestaltet und vor allem dadurch ausgezeichnetseien, daß ihnen der Mund, Magen und der ganze Verdauungsapparat sehlr; siekönnen daher nur kurze Zeit existircn, um den Zweck, für den sie bestimmt sind,-u erfüllen, und müssen dann sterben, da sie durchaus nicht im Stande, irgendwelcheNahrung zu sich zu nehmen.
Cohn weist daraufhin, daß bei der Fortpflanzung der Näderthiere höchst wahr-scheinlich ein eigenthümlicher „Generationswechsel" waltet. Es scheint nämlich, daßdie Männchen vorzugsweise nur zu gewissen Jahreszeiten (im Herbst und Frühjahr)sich entwickeln, und daß die von ihnen befruchteten Weibchen eine ganz besondereArt dickschaliger Eier legen, die überwintern und erst nach langer Ruhe sich weitcr-entwickeln. Die Generationen, die aus diesen Winter- oder Daucreicrn hervorgehen,sind zwar den Weibchen ganz ähnlich, können sich aber fortpflanzen, ohne daß sievon Männchen befruchtet zu werden brauchen; aber diese ungeschlechtlichen Eier, dieMan zum Unterschiede von den befruchteten Daucreicrn Sommcreier oder Keime nen-nen kann, sind ganz anders gebaut, zartschalig und entwickeln sich sofort, oft schonim Muttcrleibe zu Embrvoncn. Ja ähnlicher Weise findet man bei den Blattläusenund den Wasserflöhcn im Laufe des Sommers keine Männchen; nichtsdestowenigervermehren sich auch die unbefruchteten Thiere in zahlreichen Generationen und zwardurch lebendige Junge; erst im Herbst erscheinen Männchen und die von ihnenbefruchteten Weibchen legen nun hartschaligc Wintercicr, dje erst ini nächsten Früh-ling zur Entwickelung kommen. Da man bekanntlich in der Lehre vom Generations-wechsel diejenige» Thiere als Ammen bezeichnet, die ohne befruchtet zu werden, gleich-wol (auf ungeschlechtlichem Wege) sich vermehren, so muß man auch die gewöhn-lichen Näderthiere, welche lebendige Junge oder zartschaligc Keime producircn, alssolche Ammen betrachten: als Weibchen dagegen diejenige Generation, die, von denMännchen befruchtet, die Dauereicr hervorbringt. Es scheint, daß nach einer län-Sern oder kürzern Reihe von Ammengenerationeu eine geschlechtliche Generation vonMännchen und Weibchen den Kreis der Rä'dcrthicrcntwickelung schließt.
Die Bärenthicrchcn (Tardigraden).
Der unendlich complicirte Bau der Näderthiere, den ich hier darum so aus-sührlich betrachtet habe, um den Reichthum der Organisation, den die Natur imallerkleinstcn Raume zu entfalten vermag, anschaulich zu machen, erweist nicht nur,daß dieselben weit über den Infusorien erhaben sind, sondern er bietet auch so auf-wende Analogien zu den Würmern auf der einen, zu den Krebsen auf der andernSeite, daß man über die eigentliche Stellung der Näderthiere noch nicht völlig inSKlare gekommen ist, obwol die meisten Naturforscher sie mit Recht zu den Wür-gern stellen. Ein ähnlicher Zweifel schwebt in Betreff der Verwandtschaft einigerMerkwürdiger mikroskopischer Thierformcn, welche auffallende Beziehungen theils zu den^adcnhiercn, theils zu den Milben oder Spinnen darbieten, und die vorläufig denspinnen angereiht, aber zu einer besondern Abtheilung erhoben, wegen ihrer GestaltBärcnthierchen, wegen ihrer trägen Bewegungen als Tardigraden (Faulkhiere)Zeichnet worden sind. Die Tardigraden leben wie die Näderthiere bald im Schlamm^ Gräben (auch des Meeres), bald zwischen den Moosen der Mauern und mr^chrinnensande; ihre Größe ist wie bei jenen Thieren nur unbedeutend, höchstens^ Linie erreichend. Dagegen unterscheiden sich die Bärcnthierchen von den Naderthrer-
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