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Die mikroskopische Welt.
thürmen und die oberste, kaum papier- oder messerrückcndicke Schicht des sich stet-fortzcugenden Lebens auf dem Fundamente der abgestorbenen Geueraiionen weiter-baut, so entstehen endlich Lager von stets wachsender Mächtigkeit, die blos aus Ba-cillarienschalen gebildet sind. -Lolch ein Lager entdeckte Ehrenbcrg in Berlin, dasan der Spree von der Luisenstraße nach dem Neuen Museum sich erstreckt, undden Einsturz mehrer Häuser in diesem Stadttheil veranlaßte, die auf dem porösenleichten Boden keinen soliden Grund finden konnten. Dieses Bacillarienlager hateine Mächtigkeit von 8 — 20 Fuß. Nicht minder berühmt ist das Lager in derLüneburger Haide bei Ebsdorf, das <150 Ruthen lang, 200 Ruthen breit, 40 Fußmächtig ist und 1 —16 Fuß unter der Oberfläche liegt. Das Wasser, welches dieseBacillaricnschichten das ganze Jahr hindurch durchrieselt, hat alle fremden Körpersowie den Inhalt der Bacillarienschalen selbst ganz ausgewaschen, sodaß das Lageraus den reinsten Kicselkörperchen besteht und das Ansehen des feinsten schueeschwei-ßen Weizenmehls besitzt; daher wird es auch nebst vielen ähnlichen Lagern als Berg-mehl (Kieselguhr) bezeichnet. Für die Geschichte dieser Bildungen das wichtigsteist das ebenfalls noch der gegenwärtigen Schöpfungsperiode angehörende Kieselguhr-.lager bei Franzensbad, das aus den zierlichsten Schiffchen (diaviculs), stellenweiseaus prächtigen gewundenen Glasschcibchcn (O.imp/Iockii-ous) besteht; es ist das erste,in welchem überhaupt fossile Bacillarien entdeckt wurden (1836 durch Fischer inKarlsbad). Eben solche und zum Theil noch bedeutendere Lager sind in Schweden,Finnland, Italien, Frankreich, an verschiedene» Punkten Nordamerikas und am Süd-pol beobachtet. „Wer vor diesen bis zu mehren Hundert Fuß mächtigen Eebirgs-massen steht, wird leicht vor der großem Masse der Wirkung die dünne Reihe derWerkleutc übersehen, deren rasch absterbende und rasch erzeugende Generationen denkolossalen Ban begründeten und, wo sie ungestört sind, denselben vielleicht noch zuebenso großen Massen weiter fortsetzen können." (Ehrenbcrg.)
Die hier betrachteten Bacillarienlager gehören ihrer Bildung nach der gegenwär-tigen Erdepoche an und vermehren sich zum Theil noch ununterbrochen; es gibt aberauch ausgestorbenc Bacillarienlager, ja sogar solche, die in frühern Erdpcrioden sichgebildet haben. Im Laufe der Jahrtausende löst bei den fossilen Lager» das durchströ-mende Wasser einen Theil der Kieselpanzcr auf, und indem es nun selbst reich anKieselerde wird, ist es auch im Stande die übrigen Schalen durch ein kicseligcs Mit-tel zu härtern-Steinen zusammcnzukitten, an denen man die Zusammensetzung auszahllosen mikroskopischen Organismen schwieriger erkennen kann. Alsdann werdendie Bacillarienlager als Polirschiefer und Tripel bezeichnet und hatten schon längsttechnische Verwendung gefunden, ehe man noch ahnte, wie geeignet die mikroskopi-schen Kiesclpanzer, aus denen sie bestehen, zur Politur des Metalls seien. Ja eskönnen durch das Verkitten der Bacillarienschalen mit ihrer eiLenen Kieselsubstanzsehr feste Fclsgcsteinc, Halbopal, Hornstein, Feuerstein gebildet werden, in denenerst durch Ehrenberg'S scharfsinnige Untersuchungsmethoden die verborgene Spur ihresorganischen Ursprungs aufgedeckt worden ist. Interessant sind namentlich die Feuer-steine, die in den Kreidegebirgcn eingestreut sind; der Strand von Rügen und vielerKreideinseln ist mit Millionen solcher sonderbar gebildeten Steinknollen bedeckt, b>evon den Wellen aus der leichter zerstörbaren Kreide ausgewaschen wurden. Daßdiese Fcucrsteinmasstn eine organische Entstehung haben, ist eine glänzende Entdeck«"^die wir ebensalls Ehrenberg verdanken. Indem dieser feine Schliffe von Feuersteinsplittern unter dem Mikroskope untersuchte, fand er darin eine Menge von mi-kroskopischen Wesen, stachelige Kugeln (Tanlhidien), viclcckige Büchschcn (Peridin"^und in überwiegender Menge Schwammnadcln (Spongolithen), Alles in eine ga^artige Masse eingebettet. Da Ehrenbcrg in der weißen Rinde, von der die "'^nrFeucrsteinknollcn umgeben sind, Bacillarien auffinden konnte, so gelangte er Z"Schluß, daß die Hauptmasse der Feuersteine von solchen aufgelösten und spurloskitteten Kiesclorganismen gebildet sei; Bowerbank dagegen hat mit Hinblick auszahllosen Spongolithen in denselben die Feuersteinmassen für fossile Seeschwai»