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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Wett.

erklärt, deren Kieselnadcln im Laufe der Zeit durch die Einwirkung des Wassers zuunförmlichen dichten Knollen verschmolzen seien und natürlich auch fremde Körpcr-cheu, die in den Secschwämmen lebten, in sich eingeschlossen haben.

Bei der Verglcichung der fossilen Bacillarien mit den jetzt lebenden hat sichdie merkwürdige Thatsache herausgestellt, dass diese mikroskopischen Geschöpfe demGesetze der Zerstörung nicht unterworfen gewesen sind, das am Ende jeder geologi-schen Epoche alle übrigen Thiere und Pflanzen derselben vernichtet hat. Ehrcnberghat gefunden, daß ein großer Theil der jetzt lebenden Bacillarien schon zur Tertiär-zeit cxistirt hat. Einzelne Arten haben bereits während der Krcideformation gelebt,und es ist nicht unmöglich, daß selbst die Plesiosaurcn und Ichthyosauren ihrenMagen mit denselben Kicselpanzern erfüllten, die wir noch heute im Darm ihrerEpigonen, der Frösche und Molche erblicken. Ja es scheinen gleiche Arten und min-destens Gattungen bis zur Kohlenformation hinübcrzureichen, wo Ehrcnberg in derAsche der Steinkohlen noch Bacillarien bestimmen konnte. Vielleicht steigen sie sogarin das geheimnißvolle Dunkel der ältesten silurische» Schichten. Jedenfalls aber sind esdiese mikroskopischen Geschöpfe, die von Allem, was da lebt, den ältesten Stamm-baum auszuweisen haben. Und wie die geologischen Ercnzmauern der Zeit, so scheinenauch die geographische» des Raums für diese kleinste Welt nicht zu existiern. Diemeisten Bacillarien sind wahre Kosmopoliten und nur wenige beschränken sich aufso enge Grenzen, daß man sie für einen Wclttheil als charakteristisch erklären könnte.Scheinen doch auch die übrigen mikroskopischen Pflanzen und Thiere in ihrer Ver-breitung die für die große Welt so wichtigen klimatischen Naturgrenzen nicht anzu-erkennen!

Praktische Verwendung der Bacillaricnlager.

Schon die Alten erzählten von Ziegeln (kitaoknas), die so leicht waren, daßsie auf dem Wasser schwammen, und als in der römischen Kaiserepochc die Gewölbeund Kuppeln allgemein wurden, erhielt das Auffinden geeigneter Erdarten zur Be-reitung leichter Ziegel eine große Bedeutung. Man erzählt, daß, als Justinian imJahre 532 die Sophienkirche zu bauen beschloß, er zu der kolossalen Kuppel Ziegelhabe benutzen müssen, die von Nhodus stammten und von denen fünf so viel wogenwie ein gewöhnlicher Backstein. Als nun der Tempel vollendet gewesen, habe derKaiser entzückt ausgerufen: „Salvmo, jetzt bist du übertroffen!" Ehrcnberg hältfür wahrscheinlich, daß es eine Bacillarienerde gewesen sei, aus der die leichtenZiegel für die Kuppel gebrannt wurden, und die allein die Vollendung eines Bau-^>erks möglich gemacht habe, das seitdem für die Entwickelung des Baustils von^ größten Bedeutung geworden ist. Obwol diese Vermuthung in Betreff der^ophicnkuppcl noch nicht durch eine dirccte mikroskopische Untersuchung bestätigtWerden konnte, so gab sie doch Ehrcnberg Veranlassung, eine praktische Verwendungbrs berliner Bacillarienlagers anzuregen, und es stellte sich in der That heraus,diese Erde nur mit ein wenig Thon gemischt zu werden brauche, um nach dem^rennen die vortrefflichsten Ziegel zu liefern, und zwar so leichte, daß sie, mit WachsErzogen, wie Kork auf dem Wasser schwimmen. Solche Barillarienziegcl sind bei denGewölben des Neuen Museums, sowie bei dem großartigen Kuppelbau des könig-^che» Schlosses in Berlin mit vielem Vortheil benutzt worden. Die große Leichtig-dieser Ziegel kann uns nicht Wunder nehmen, wenn wir bedenken, daß diese!-en i,n Grunde aus lauter hohlen Glaskügelchen bestehen.

s "k. technischen Benutzung des Tripels und des Polirschiefers habe ich schon

> gesprochen; ich erwähne daher hier nur noch eine eigenthümliche Verwendung

! V^sMnErde, auf die Ehrcnberg ebenfalls zuerst aufmerksam gemacht hat.

Kieselguhr oder das Bergmehl, das, wie wir schon oben sahen, aus lauteracillarienschalen besteht, hat in Zeiten der Noth oft dazu dienen müssen, mit Ge-^sldemehl vermischt zu Brot verbacken zu werden, und wenn dasselbe auch als reine"llelerde keine nährende Eigenschaften für den Menschen besitzt, so mag es doch