Band 
Eilfter Band.
Seite
785
JPEG-Download
 

785

Die mikroskopische Welt.

sein muß, kann man daraus entnehmen, daß dergleichen kleine Krebse den cbcnfallsin unendlicher Menge gesellig lebenden Mcerfischen, namentlich den Heringen, aberauch den riesigen Walfischen die Hauptnahrung liefern. Gewisse bandförmige Tunika»ken (Salpen), Würmer, Polypen, Quallen erscheinen wie grüne oder blau brennendeSchwefelnden. Diese größer» Thiere sind verhältnißmäßig isolirt auf dem dunkelnMeeresgrunde vertheilt, sodaß dieses ganz schwarz erscheint und nur zerstreute Fun-ken und Fcuerkörpcr auf ihm hervorleuchten, ähnlich wie am nächtlichen Himmeldie Sterne in gewissen Zwischenräumcn am dunkeln Firmamente funkeln. Dagegengibt es aber auch viele Theile des Meeres, wo dieses selbst in der Nacht gleich»mäßig zu leuchten scheint, als hätte das Wasser einen Lichtstoff in sich aufgesogen.

Zwar scheint das Meer im Zustande der Ruhe auch hier ganz schwarz; aber sowie

es nur im geringsten erschüttert und bewegt wird, verwandelt es sich in leuchtendenSchnee, in flüssiges Silber. Jede Welle trägt auf ihrem Kamm eine bläulicheFlamme; der Kiel des Schiffes zieht lange Feuerstreifcn hinter sich her; ebenso ent-steht ein Funke, wenn man einen Stein ins Wasser wirft, und leuchtende Ringeumziehen denselben in immer weiter» Kreisen; indem der Stein im Meere versinkt,

erscheint er wie eine glühende Kugel, und man kann ihn bis in die Tiefe verfolgen.

Mitunter, namenllich unter den Wendekreisen, ist das Licht des Meeres so stark,daß cS die Beobachter blendet und den Augen wchethut, daß man bei seinemScheine lesen und einen Kahn in mehren Seemeilen Entfernung erkennen kann.Hier und da sieht man einen breite» Blitz meilenlang durch die Wasserfläche auf-schießen, dann ist es ein Zug von Heringen oder fliegenden Fische», der die Flut>n Bewegung seht. Prachtvoll schildert Humboldt den Eindruck, wenn Scharen vonDelphinen durch die schäumende Mccrflut die leuchtenden Furchen ziehen, oder wennDampfschiff von Fcuergarbcn umsprüht daherbraust. Ein Hund glaubt verbranntiu werden, wenn die feurige Cascade des leuchtenden Mccrwassers auf ihn herab-flegvssen wird. Wenn man des Nachts im Meere badet, so hefte» sich die Fcucr-s"»ken an alle Theile deS Körpers, und obwol sie bald erlöschen, so erscheint dochdas Licht alsbald von neuem, wenn man die Haut ein wenig reibt. Selbst derSand deS Strandes, der von der Ebbe trockengelegt ward, hält jenen wunderbarenLichtstoff in sich verschlossen, und jeder Fußtritt erscheint wie mit glühenden Kohlenbezeichnet.

Man hat früher wunderliche Hypothesen über diese dem Meerwasser inncwoh-"ende Leuchtkraft aufgestellt, die merkwürdigerweise von den alten Griechen und Nö»der Bibel nicht erwähnt wird und erst von Amerigo Vespucci genauergeschildert wurde. Man glaubte, daß Phosphor dem Wasser beigemischt sei, oderdß die in, Meere verwesenden thierischen Stoffe demselben die Leuchtfähigkeit über-eilen, oder daß durch die Reibung der Wellen aneinander elektrische Funken cnt-^enge», oder daß der Ocean bei Nacht das Sonnenlicht wieder ausstrahle, welchesr während deS Tages in sich aufgesogen. Ein französischer Naturforscher, Suriray,? suwte zuerst, im Jahre 1810, daß alle diese Hypothesen unrichtig seien. Er bewies,

dieses Leuchten von einem mikroskopischen Thiere von der Größe eines Hirsckorns. , darunter, die Nachtleuchke (dlooliluo.-i miliarw) genannt, herrühre, welches in^ Endliche,, Scharen daS Meerwasser belebt und ein so lebhaftes Licht zu entwickeln.^"'ag, ^ dasselbe von dem Meere selbst auszuströmen scheint. Ehrenberg, der inlei'Ü gründlichen und gelehrten Abhandlung alle Beobachtungen über das Mccr-

ki>, iusammcngestellt, bestätigte diese Beobachtung und erklärte die Nociiluca fürlicht der er den Namen dl.'immari'.i beilegte. Aber Ban Vencdcn und nanicnt-

kf?-H^lrcfageS in einer vortrefflichen Abhandlung (,,^nnc>Io8 clo8 8oionoo.-i", 18u0)Av«., die Ehrenberg'schc Auffassung des BauS und der systematischen Stellung derNt,i ' als unrichtig, und erkannten in ihnen ein Infusorium auS der Classe der^ zvpoden, verwandt mit den Sonnen» und Kreidethiercke». Doch auch diese An-' hat sich nicht bestätigt; die neuesten Untersuchungen von Krohn (1852) und

Gegenwart. XI. 50