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Die mikroskopische Welt.
muiig im Jahre 1854 ein großer^ Theil von Schlesien unter Wasser gesetzt war,blieb dieses mehre Tage auf den Ackern und Wiesen stehen und erfüllte sich in die-ser Zeit überall mit unendlichen Menge» von Volvocinen, Confcrven und Infuso-rien, sodaß es tief grün sich färbte und schon von weitem sich durch seinen pene-trircndcn Geruch bcmerklich machte. Daß auch diese, wie jede Überschwemmung,Fieber und andere Krankheiten in ihren» Gefolge hatte, ist bekannt.
Cholera. Thier- und Pflanzenepidemien. Brand. Rost, Mutterkorn.
Daß mikroskopische Organismen die Urheber von Epidemien, und namentlichvon Sumpfmiasmen sind, ist übrigens schon eine uralte Ansicht, und bereits deralte Varro rath die Häuser weit entfernt von den Sümpfen zu bauen, „denn ausdiesen entstehen kleine Thierchen, die mit den Augen nicht gesehen werden können,aus der Luft in den Körper durch Mund und Nase eindringen und schwere Krank-Heiken veranlassen". Diese Thierchen wurden als unsichtbare Fliegen gedacht, die,mit furchtbaren Stacheln bewehrt, in dichten Schwärmen von den Sümpfen aufstei-gen. Später glaubte man auch bei der Pest dergleichen unsichtbare Pcstfliegen an-nehmen zu müssen, und in der neuesten Zeit hat man ebenso wieder von Cholera-thierchen gesprochen, die in der Luft oder im Wasser sich verbreiten und dadurch jenefurchtbare Krankheit mit sich forttragen sollen. Es läßt sich nun nicht leugnen, daßdas Auftreten dieser Epidemien viele Erscheinungen darbietet, die der Ansicht günstigsind, als ob organische Wesen die Träger des Krankhcitsstoffcs seien; dennoch müs-sen wir daran festhalten, daß, namentlich was die Cholera betrifft, bisher noch Nie-mand, weder in der Luft, noch im Wasser, noch im erkrankten Menschen, einenmikroskopischen Organismus hat nachweisen können, dem man mit irgendwelcherWahrscheinlichkeit die Veranlassung der Krankheit zuschreiben könnte. Ehrenberg hatden Luftstaub in,, Berlin während einer Epidemie mikroskopisch untersucht und istdadurch zu der Überzeugung gelangt, daß die Cholerathierchcn und Cholerapilze insReich der Fabel gehören; ebenso wenig hat Cohn im Brunnenwasser zu Breslau»nährend der Cholera andere mikroskopische Bestandtheile gefunden als zu gewöhn-lichen Zeiten. Obwol die pariser Akademie infolge des Legats Brcant Demjeni-gen eine Belohnung von 5000V0 Francs zugesichert hat, der die mikroskopischenPilze oder Infusorien der Cholera entdecken würde, so ist doch noch wenig Aussichtvorhanden, daß Jemand diese» Preis sich verdienen werde.
Anders verhält sich die Sache mit einer großen Anzahl von Epidemien, diesiit etwa einem Decennium unsere Culturpflanzen in unerhörter Weise heimsuchenund i„ ihrem Auftreten auffallende Ähnlichkeit mit der Cholera zeigen. In allendiesen, oft für den Nationalwohlstand überaus verderblichen Epidemien hat die Na-turwiffenschafc nachgewiesen, daß es mikroskopische Organismen sind, dit sich in un-endlicher Menge im Körper der Pflanzen entwickeln, ihnen Saft und Kraft auS-laugen und sie über kurz oder lang tödten. Es sind meist unsichtbare kleine Pilze,deren Samen in giftigem Staube über die Felder dahingetragc» werde» und Mis-wachs »nd Hnngersnoth in ihrem traurigen Gefolge mit sich führen.
Es gibt dieser mikroskopischen Pilze sehr verschiedene Arten; jedes Gewächshat seine» unsichtbaren Feind, manche Pflanzen sind sogar mehren Arten ausgc-wht, deren jede eine andere Krankheit zur Folge hat. Man kann jedoch unter die-le» Formen zwei Hauptclassen unterscheiden: die Entophyten, die gleich den Einge-weidewürmern im Inner» des Pflanzenkörpers sich entwickeln, und die Epiphyten,d>e auf der Außenseite desselben sich verbreiten, gleich jenen unwillkommenen Schma-^vhern, die mitunter in Haaren und- Kleidern sich einnisten.
. Von Entophyten stammt der Rost und der Brand der Getrcidcarten, der oft" ganzen Gegenden die Ernte decimirt. Beim Brande, dem namentlich der Wer-Ä ausgesetzt ist, finden wir in den Ähre» neben den gesunden auch zahlreicheCorner, die statt des weiße» Mehles von einem schwarzen Pulver erfüllt sind. Die-