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Die mikroskopische Welt.
Auch auf der Erde, an Mauern und Felsen wachsen mikroskopische, rokh ge-färbte Pflänzchen, die bekannteste unter ihnen als blutige Palmclla (Lslmellg m-uenla)bezeichnet; diese haben die Eigenschaft, daß sie bei heißem Wetter zu einer unschein-baren', schwärzlichen Kruste austrockne», die der Laie leicht übersieht. In feuchterLuft dagegen und bei Regen quellen sie rasch zu einer rothen Gallerte auf, die ge-ronnenem Blute nicht unähnlich sieht. Das Volk, überrascht durch das Unbegrcif- ,
liche dieser Erscheinung, glaubt dann, es habe Blut vom Himmel geregnet, oder die ^
Erde habe Blut ausgeschwitzt. Ganz ähnlich verhält es sich, wie wir schon ge-sehen, mit der sogenannten Sternschnuppenmaterie, welche nach der Angabe desVolks aus feurigen Meteoren herabfallen soll, in Wirklichkeit aber von Nostocpflänz-chen stammt, die bei trockener Luft zu dünnen Plättchen ausdörren, nach dem er-sten Regen aber zu dicken Gallcrtklumpcn aufquellen und dann massenhaft die Fel-der bedecken. Von den rothe» Schneefeldcrn, die ihre Färbung den mikroskopischenZellen des llaemstoooocus nivalis verdanken, ist ebenfalls schon an einer andernStelle gesprochen worden.
Blut auf Speisen, Hostien.
Eine der merkwürdigsten Bluterscheinungcn, von denen die alten Chroniken be- ,richten, zugleich diejenige, welche in der Geschichte der Menschheit von größtem Ein-fluß war, hat erst in den. letzten Jahren ihre natürliche Erklärung gefunden: ich i
meine das sogenannte Wunder des BlutS auf Speisen. Schon zur Zeit Alexander's s
des Großen hatte diese Erscheinung nach dem Bericht der Geschichtschreiber einfluß-reiche, verhängnißvollc Folgen. Als dieser Feldherr nämlich die Stadt Tyrus bela- 'gerte, verbreitete sich Schrecken in seinem Heere, weil in Broten Blut gefundenwurde; erst die Deutung eines Priesters konnte die Soldaten beruhigen: nur wenndas Blut außerhalb der Brote gewesen wäre, so würde es den Belagerern Unheilbedeuten, da es sich aber darinnen gesunden, so prophezeie es der Stadt Verderbe».
Seitdem finden wir zahlreiche Angaben aus allen Gegenden der Erde überdas wunderbare Auftreten von Blut in Speisen, namentlich in Brot. Eine beson-dere Wichtigkeit aber wurde dieser Erscheinung erst im Mittelaltcr beigelegt, seitdemdie katholische Kirche die Lehre adoptirte, daß durch die Weihe des Priesters sich je-desmal die Hostie in den wirkliche» Leib Christi verwandle. Ja es wird berichtet,daß die allgemeine Annahme dieser früher in der Kirche selbst vielfach bestrittcne»
Lehre erst durch ein Wunder veranlaßt sei, welches sich im Jahre 1264 zu BolseiM >ereignete. Als nämlich ein Priester daselbst, der an der Wahrheit der Brotver-wandlung gezweifelt hatte, die Bestandtheile des Abendmahls einsegnete, fielen Bluts-tropfen auf seinen leinenen Rock, der noch bis auf die neueste Zeit in Civita-Vecch>"gezeigt wurde. Dieses Wunder wurde als ein entscheidender Beweis für die Trans-substantiationslehre angesehen, und zur Verherrlichung desselben ordnete noch im dem-selben Jahre Papst Urban IV. daS Fronleichnamsfest an. Seitdem rvurde mit be-sonderer Sorgfalt auf das Erscheinen des Bluts im Brote, insbesondere in dem g*'weihten der Hostien geachtet und dasselbe meistentheils als ein Mirakel zur Anzeigtfurchtbarer Verbrechen betrachtet.
Namentlich sind die Juden, denen man von jeher die Verhöhnung Christ'der Hostie schuld gab, unzählige male die Opfer dieser Bluterscheinung geworden- >
Schon im Jahre 1290 soll am Osterfeste ein Weib in Paris die Hostie nach be l
Communion au« dem Munde genommen und zu einem Juden getragen haben, '>ein versetztes Kleidungsstück einzulösen, welches er ihr dafür umsonst zurückzugebeversprochen hatte. Der Jude kochte die Hostie in Wasser, und stach sie; barawurde da« Wasser ganz roth gefärbt. Der Jude bekannte die That und wuro ,
verbrannt; aus seinem Hause wurde die Kirche Salvatoris del Bolgente gebaut.
Im Jahre 1296 stahl ein Bube in der Nacht zu Rotil bei Frankfurt a iMain aus der Kirche eine Hostie und verkaufte sie den Juden; diese stachenselbe, und als Blut kam, liefe» Alle davon. Priester erfuhren die-, holten >e -v