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Eilfter Band.
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Die mikroskopische Welt.

stie und legten sie an ihren heiligen Ort; ein Fleischer aber sammelte Volk in Ro>til, um die Juden zu plündern. Man zog mit Fahnen nach Würzburg, Nothen-burg, Nürnberg und in viele Städte und Märkte, und verschonte keinen Juden. Essollen damals 10000 Juden deshalb erschlagen worden sein.

Im Jahre 1453 kauften die Juden zu Brcslau neun Hostien, welche ein Baueraus der Kirche zu Langcnwicse gestohlen; als die Ältesten sie auf ein Leinentuchlegten und mit Ruthen peitschten, floß so viel Blut heraus, daß das Tuch größten-theils damit gefärbt wurde. Auf Anhehung des Franciscaners Johann Capistranowurden am 2. Mai die Juden zu Breslau gesanglich eingezogen und gemartert, und41 von ihnen nebst dem Bauer verbrannt, die Übrigen wurden auf ewig des Landesverwiesen und ihre Güter von dem König Ladislaus eingezogen; der Rabbiner er-hängte sich die Nacht zuvor. Am 17. Juni verfuhr man ebenso mit den Juden inSchweidnitz, Jauer, Striegau und Löwcnberg. „ Kurz vorher hatte Kaiser Albrechtangeblich wegen eines ähnlichen Verbrechens in Ostreich 2000 Juden an einem Tage,in einem Behältniß eingeschlossen, lebendig verbrennen lassen.

Im Jahre 1492 wurden zu Sternberg in Mecklenburg zwei Hostien von demPriester Peter Däne an den Juden Eleasar gegeben, um ein Pfand dafür loszukau-fen; am 21. Juli beschimpften und stachen die Juden die Hostien, wobei Blut kam,sodaß es durch ein dreifaches Tuch den Tisch färbte. Die Juden erschraken undgaben die blutigen Hostien dem Priester zurück; dieser gab sich, durch Gewissensbissebeängstigt, selbst an. Über 20 Juden wurden darauf am Tage Simon Juda aufeiner Anhöhe bei Sternberg verbrannt, die seitdem der Judenberg heißt; es ist diesderselbe Ort, wo noch heute der mecklenburgische Landtag seine Sitzungen im Freieneröffnet. Der Priester wurde im folgenden Jahre in Rostock verbrannt.

Noch im Jahre 1510 wurden in Berlin 38 Juden hingerichtet und zu Pulververbrannt, weil sie Hostien so lange gemartert, bis Blut kam; ein Jude in Span-dau, der sie gekauft, wurde ebenfalls hingerichtet.

Bis in die neueste Zeit mußte man alle diese Schauderberichte der Chronikenüber das Erscheine» von Blut in Brot, namentlich in Hostien, denen sich noch einigeHundert ähnlicher von Ehrenberg mit großer Sorgfalt gesammelter Geschichten bei-fügen ließen, für reinen Betrug erklären, und offenbar haben in den allermeistenFällen Fanatismus, Habsucht und Mordlust zur Erfindung einer unsinnigen Fabelgeführt, der nicht das geringste Thatsächliche zugrunde lag. Immer blieben aberdoch einige Fälle, wo die Anwesenheit des Bluts im Brote actenmäßig erwiesen zusein scheint, und für diese wußte man keine natürliche Erklärung, bis im Jahre 1819d« Padua, 1821 in Enkirch an der Mosel, 1848 in Berlin und seitdem noch andielen andern Orten Beobachtungen gemacht wurden, welche darthun, daß in derThat unter gewissen Umständen auf Speisen, namentlich auf Brot, sich in kurzerZeit rothe, dem Blute tauschend ähnliche Färbungen bilden können.

Am 2. Aug. 1819 fand man auf einer Schüssel Polenta bei einem reichenBauer in Legnano bei Padua rothe Punkte wie Blutstropfen; man warf die ver-dorbene Speise weg, aber am folgenden Tage erschienen auf neuer Polenta dieFlecken wieder. Der Pfarrer wurde zur Einsegnung des Orts herbeigeholt; den-noch wurde es täglich schlimmer; ein Reisgericht, eine Brotspeise färbten sich nachi 12 Stunden blutig. Fasten, Gebete, Sacramcnt waren umsonst; bald bedecktensich alle Speisen mit Blut. Tausende strömten nach dem merkwürdigen Orte undbetrachtete» das Wunder als eine Strafe Gottes für das Zurückhalten alten Ge-treides bei der letzten Theuerung, aus dem das zur Polenta erfoderliche Maismehlbereitet worden sei. Ein vorurtheilsfreier Naturforscher, Sekte, wies jedoch nach,

, daß die rothe Färbung keineswegs wirkliches, aus Blutkörperchen bestehendes Blutn>, sondern daß sie einer pflanzlichen Bildung angehöre und mit den bekanntlich oft! Edenfalls auffallend gefärbten Schimmelbildungen auf verdorbenen Speisen nahe ver-wandt sei. Indem er die blutähnliche Substanz auch im Haus- des Pfarrers er-ieugte, widerlegte er die Ansicht, daß dieselbe blos in der Wohnung eines Sünders