828 Die östreichische Monarchie.
urtheil sich nicht bisjeht gegen die ausgedehntere Ausbeutung der naheliegenden mäch-tigen Torflager gesperrt. Ähnlich verhält es sich im böhmischen Erzgebirge mit demFlachsbau. Über die Tauglichkeit des Bodens zum Flachsbau kann kein Zweifelherrschen; die Beschäftigung mit demselben und der damit verknüpften Industrie istvielleicht allein im Stande, die Gebirgsbewohner von der sonst sichern Verkümme-rung zu retten. Doch hat der Flachsbau noch immer keine hohe Bedeutung errun-gen. Heimisch in allen Provinzen der Monarchie, ist doch die Cultur und Zubereitungdes Flachses mit der in England und Belgien herrschenden gar nicht zu vergleichen.Erst in der jüngsten Zeit hat man begonnen, die Errichtung von Zubereitungsan-stalten (zum Brechen, Rösten und Schwingen des Flachses) auf dem Wege der As-sociation in Gegenden, welche viel Flachs bauen, anzuregen. Ob diesk von Wienund Prag ausgegangenen Anregungen den gewünschten Erfolg haben werden, mußdie Zukunft lehren.
Über die Ausdehnung des Tabackbaus, welcher außer in Ungarn noch im Ba-nat, in Siebenbürgen und in der Bukowina einen günstigen Boden findet, aberfür den Bedarf Östreichs lange nicht ausreichend gepflegt wird (die Regierung be-zieht z. B. aus Griechenland einen beträchtlichen Theil ihres Bedarfs s18800 Okas^an rohen Blättern), liegen keine Detailausweise vor. Welche große Rolle aber derTaback unter den Genußmitteln des'Volks zählt, geht aus folgenden Ausweisen überdie Höhe der Tabacksfabrikation in zehn ä'rarischen Fabriken hervor.
Dieselben verarbeiteten im Jahre 1847 an Schnupftaback 39813 Centner, angeschnittenem Rauchtaback 230992 Centner, an gesponnenem 37201 Centner; imJahre 1848: 42185, 226119 und 39092; im Jahre 1849: 39199, 209258
und 39975 Centner der betreffenden Gattungen. Dazu kamen im Laufe dieser dreiJahre 18,236579 Stück importirte Cigarren und 5000 Centner geschwärzte Waare.Die Summe der im Jnlande selbst erzeugten Cigarren belief sich im Jahre 1847auf 138,031729, 1848 auf 166,912294, 1849 auf 194,062744, in Summaalso während dieser Jahre auf 499,006767 Stück.
Der Verschleiß an ä'rarischen Produkten betrug:
Schnupftabackr Slauchtaback: Cigarren:
im Jahre 1847: 36552 Centner, 260665 Centner, 122,885627 Stück.
„ „ 1848: 36654 „ 253514 „ 163,571841 „
„ „ 1849: 35106 „ 245988 „ 181,964394 „
Der Absatz in Ungar» und in den italienischen Provinzen, sowie rechtmäßig impor-tieret: Havannacigarren ist dabei nicht gerechnet.
I» Ungarn betrug der Absatz
Schnupftaback: Kauchtaback: Cigarren:
im Jahre 1847: 8525 Centner, 18985 Centner, 1,266289 Stück.
„ „ 1848: 5350 „ 18811 „ 591464 „
„ „ 1849: 5500 „ 26896 „ 994375 „
Der Absatz an vom Staate importirten Cigarren belief sich im Jahre 1847auf 6,094660, 1848 auf 5,057242, 1849 auf 5,048512 Stück.
Seit dieser Zeit ist die Konsumtion, namentlich der Cigarren in das Maßlosegestiegen, und konnte man für die Periode von 1847 — 49 schon berechnen, daßin Ostreich unter 1000 Männern 253 Raucher (18 Pfund auf einen Raucher ange-nommen) sich befinden, so mag gegenwärtig wenig fehlen, die Hälfte der männlichenBevölkerung den Tabackconsumenten beizuzählen.
Wünschenswerth wäre es, von dem Branntweingenufse nicht die gleiche Zu-nahme melden zu müssen. Die Branntwein-, und Biererzeugung gehören zu denwichtigsten landwirthschaftlichen Gewerben in Östreich. Nur momentan wirkendenUrsachen, wie der Kartoffelfäule, der schlechten Diersteuererhebung u. s. w., ist dergegenwärtig wenig blühende Zustand dieser Gewerbe zuzuschreiben. Doch steht bei