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Die östreichische Monarchie.
der Bukowina Hunderte von Jochen mit Xiintluum spinosum und Finkdisteln un-durchdringlich verwachsen, oder mit dem für das Vieh ungenießbaren Wolfsmilch-kraute bedeckt sind, ohne daß sich Jemand um das Vertilgen dieses Unkrauts küm-mert. Im Betriebe des Ackerbaus begegnen wir als dem zähestcn und mächtigstenWidersacher des Fortschritts der geringen Cultur des Bauernstandes, welcher in denmeisten Provinzen von den zahllosen Erfindungen im Gebiete der Agrikultur keineAhnung hat, und theils aus Unkenntniß, theils aber auch aus Vorurtheil gegen alleNeuerungen die veralteten Betriebsweisen festhält. Agriculturschulcn, dem Bedürf-nisse des Landvolks gemäß eingerichtet, sind erst sporadisch im Entstehen begriffen,landwirthschaskliche Vereine haben bisjctzt eine wenig bemerkbare Thätigkeit entwickelt.
Momentan wirkende Ursachen treten hinzu, die landwirthschafclichen Zuständegerade der unmittelbaren Gegenwart in einem noch »»günstigern Lichte erscheinen zulassen, als sie in der Regel verdienen. Die Klagen über den augenblicklich mangel-haften Betrieb der Landwirthschaft gehen zurück auf die Klagen über den Mangelan Arbeitskräften und Betriebsfonds. Wie es mit den letztem steht, mag eine offi-ciclle Erhebung über den Credit der bukowinaer Grundbesitzer lehren. Es haben die-selben große Noth, Geld nur auf kurze Termine zu 1.3 — 24"/, zu erhalten. DieVersuche, Geld zu annehmbaren Bedingungen aus den westlichen Provinzen herein-zuziehen, haben mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, welche die Unvoükom-mcnheit der bukowinaer Landtafel und der fast gänzliche Mangel an Grundbüchernerzeugt. Noch ein anderer Grund für diese Schwierigkeit muß angegeben werden:In den westlichen Provinzen herrscht der gleiche Geldmangel und haben die Grund-besitzer die gleiche Noth, Credit bei den Capitalisten zu erhalten. In Böhme» z. B.kann auch auf die beste Hypothek nur mit Mühe und großen Opfern Geld aufgenom-men werden, und es ist die plötzliche Kündigung eines größer» Capitals im Stande,selbst den bestrangirten Grundbesitzer in das Verderben zu stürzen. Dieses ver-hängnißvolle Übel mag thcilwcise in der herrschenden Geldcalamität in Ostreich be-gründet sein (daß das Geld andere Abzugskanäle findet, in öffentlichen Fonds, Bör-senspeculationcn verwerthet wird, kann man gleichfalls annehmen), theilweise liegt aberauch der Grund in dem seit der Grundentlastung plötzlich gesteigertem Geldbedarf,welcher die Summe des Angebots weit übersteigt. Die kleine», früher verpflichte-ten Grundbesitzer mußten ihr Baargeld auf das Ablösungscapital verwenden. Diegroßen Grundbesitzer mußten binnen Jahr und Tag den ganzen Wirthschaftsbctricbändern, unvorbereitet, allerdings durch eigenes Verschulden überrascht, den ganze»Feldbau auf eigene Rechnung übernehmen, um den Verlust zahlreicher unentgelt-licher Arbeitskräfte zu ersetzen, einer rationeller» Methode sich befleißigen und dllBodenrente steigern. So wurden plötzlich große Baarfonds benöthigt, der ohnehi"beschränkte Geldmarkt ward mit Nachfragen bestürmt, der Zinsfuß zu einer unnatür-lichen Höhe getrieben.*) Die Nobotaufhebung, überhaupt eine mitwirkende Ursache
*) Die Geldverhältnisse Östreichs, insoweit sie den Staat und die Nationalbank betreffssind schon früher, besonders aber in dem Artikel „Östreich seit der Verleihung der März»-fassung u. s. w." (in diesem elften Bgnde der „Gegenwart", S. 314 fg.) besprochen )»den. Inzwischen wurden im Octobcr und November 1855 neben der Nationalbank zweidere großartige Geldinstitute constituirt, die beide bestimmt sind die ProduetionskräfttMonarchie zu unterstützen, und beide im Jahre 1856 in Wirksamkeit treten sollen. . DstA, s,g-derselben ist die Crcditanstalt für Handel und Gewerbe, für welche am 6. Rov. eine 1 kNschast privilcgirt wurde, die selbst die Häupter des östreichischen Adel« zu ihren M>tg"° ^zählt. Das Grundcavital der Anstalt wird au« 166 Millionen Gulden bestehen, ^Hg^fteldie Ausgabe von 566666 Acticn zu 266 Gulden (von denen jedoch zunächst nur drei ^emittirt werden) aufgebracht werden sollen. Die Anstalt, wicwol nur auf dic oflr -Monarchie beschreibst, ist nach dem Muster und den Zwecken deß französischen Ureciit m ^jegegründet, und erhielt auch die Befugniß zur Ausgabe von verzinslichen Obligatione . ,
andere Anstalt ist eine Hypothekenbank zur Unterstützung deß Grundbesitzes jeder Arr v^.zen Umfange der östreichischen Monarchie. Dieses Institut bildet einen Zweig de „ vo»bank, und wird mit einem Capital von 35 Millionen und einer Pfandbriefe n