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Die östreichische Monarchie.
gane halten nicht viel von der modernen Lehre, der Staat solle einigermaßen denVersicherungsanstalten sich annähern, welche nicht allein den Beschädigten den Brand-schaden ersetzen, sonder» auch Feuerspritzen zur Verhütung des Schadens schenken.Sie glauben, der Staat habe die Pflicht, den bereits Nothleidenden unter dieArme zu greifen, in Hungcrjahren z. B. die Getreideausfuhr zu verbieten, abernicht, positiv zur Vermehrung des Reichthums mitzuwirken. Schwerer als in jedemandern Lande gelangt in Ostreich der Wille des Ministeriums unversehrt und un-verändert unter den Händen der subalternen Beamten zur Ausführung. Nicht dasMinisterium trifft die Schuld, sondern die beschränkte Auffassung der untergeord-neten Organe, wenn beinahe alle von jenem ergriffenen Maßregeln zuni Schutze derArbeit und zur Hebung des Nationalreichthums bisjetzt von geringem Erfolge blic-' den, und die Zufriedenheit in der wirklichen Welt des Verkehrs nicht so groß ist,als die wohlmeinenden Absichten der Centralregicrung erwarten ließen. „Wir sinddas nicht gewöhnt", lautet die Antwort des manipulircnden Beamten, wenn manihn auf den Widerspruch seiner Gebahrung mit den Absichten und Wünschen desMinisteriums aufmerksam macht — dieselbe Antwort, welche der magyarische Judexdem kaiserlichen Conimissar ertheilte, als derselbe ihm vorhielt, daß er ja nach Vcr-böczy und nicht nach den jetzt gültigen Gesetzen und Vorschriften verfahre.
Bei dieser ziemlich ungünstigen Stellung der Industrie zum Staate und dessenVertretern kann man über die Zukunft des künstlichsten, am meisten schutzbedürfli-gcn Arbeitszweiges nicht ohne Bedenken bleiben. Wir meinen die Baumwollindu-strie. Vorläufig ist ihr Zustand versprechend genug. Keine Industrie hat in denletzten Jahren so mächtige Fortschritte gemacht und eine so große Ausdehnung^ge-wonnen als die östreichische Baumwollfabrikation. Die Einfuhr der rohe» Baum-wolle stieg mit ziemlicher Stetigkeit vom Jahre 1831—-50 von 101249 Centnernauf 522929 Centner, und während sie in dem Jahrzehnd 1851—41 durchschnitt-lich 190815 Centner betrug, belicf sich dieselbe in dem folgenden Jahrzehnd auf588504 Centner, vermehrte sich also um mehr als 100^. In ähnlicher Weisestieg die Einfuhr ungefärbter Garne von 0775 Centner (im Jahre 1851) auf59059 Centner (im Jahre 1850). Die Durchschnittssumme der eingeführten Baum-wollgarne belief sich im Jahrzehnd 1851—41 auf 40915 Centner, in den folgen-den acht Jahren bis 1850 auf 40589 Centner, wobei aber der namentlich in dieserBranche mächtige Schmuggel noch mitgerechnet werden muß, um den wirklichenVerbrauch zu bemessen.
Die Zahl der beschäftigten Spindeln wird für das Jahr 1841 aus 989900,im Jahre 1850 auf 1,450000 angegeben, welche 00000 Arbeiter beschäftigen, einVermögen von 25 Millionen Gulden repräscntircn und über 8 Millionen Guide»jährlich an Arbeitslohn nöthig machen. Auch darin wird ein Fortschritt offenbar,daß die Industrie sich conccntrirt, und die kleinen, technisch verwahrlosten, und in>Betriebskapital«: beschränkten Etablissements allmälig verschwinden. So erklärt sichdie Thatsache, daß trotz der größer» Spindelzahl die Zahl der Spinnereien abgcnonsime» hat, aber während noch im Jahre 1840 durchschnittlich auf eine Spinnerei5759 Spindeln entfielen, rechnet man im Jahre 1852 beinahe die doppelte Zahl'0087 auf ein Etablissement.
Außer in Wien und in Vorarlberg ist die Vaumwollindustrie vorzugsweisenordwestlichen Böhmen, im cgercr und rcichenbcrgcr Handclskreise heimisch. 2?o»den 1,450000 Spindeln, welche in Östreich gezählt werden, kommen auf Böh>»eU475000, also beinahe der dritte Theil, auf den reichcnberger Kreis (in 50 §abri^v182022 (im Jahre 1840 nur 101042) und auf den cgercr Kreis (in 24 ,
ken) 154108 Spindeln. Freilich mit der in England vorhandenen Spindelzahl ka»,sich Östreich nicht messen: es besitzt kaum den fünfzehnten Theil derselben, auchNordamerika und Frankreich überragen dasselbe; dafür besitzt es (1850) 400 tmSpindeln mehr als die Schweiz und eine halbe Million mehr als der Deutscheverein. Auch die technische Einrichtung steht noch nicht auf der Stufe der 2 >o