Die östreichische Monarchie. 855
düng. Es komme» in Östreich auf 1000 Spindeln 20 Arbeiter, in England blos9, in der Schweiz 11, in Frankreich 11. Bedenklicher aber ist die Abhängigkeitvom Auslande in Bezug auf den Rohstoff. Nur der geringere Theil der Baum-wolle, meist ägyptische und macedonische, wird über Trieft bezogen; die »ordamcrika-nische Wolle über Trieft einzuführen, hindert sowol die größere Fracht von Amerikabis Trieft im Verhältniß zu jener bis Hamburg, als auch die größer» Transport-kosten von Triest nach den Hauptsätzen der östreichischen Baumwollindustrie. Be-kanntlich beträgt die Fracht von Hamburg bis Ncichenberg nicht einmal die Hälfteder Fracht von Triest, dort I Gnlden 51 Kreuzer, hier 1 Gulden 21 Kreuzer pro Centner.Auf diese Art sind die östreichischen Spinner gezwungen, den Markt mit ganzEuropa zu theilen, und für den Rohstoff jene Preise zu bieten, welche die den Marktdvminirenden englischen Spinner bestimmen. Noch in einer andern Weise aber bleibenjene von der englischen Baumwollindustrie abhängig. Sie sind, wie die gesteigerteGarneinfuhr beweist, nicht ini Stande, den Bedarf der heimischen Weber zu decken,müssen sich also überdies von den englischen Garnprcisen lenken lassen. Diese dop-pelte Abhängigkeit macht die Lage der östreichischen Baumwollindustrie nicht zur an-genehmsten. Davon abgesehen, daß die Interessen der Spinner und Weber in derRegel einander widersprechen und die Letzter» durch ziemlich offen getriebenen Garn-schmuggcl und die Federung nach einer weitem Herabsetzung des Garnzolles gegendie Erster» arbeiten, so haben jene auch stets bei ihren Preisen die englischen Baum-woll- und Garnpreise zu combiniren, welche häufig genug voneinander abweichenund keineswegs in einem directen Verhältnisse zueinander stehen.
Trotzdem ist die östreichische Baumwollspinnerei noch weit günstiger gestellt alsdie Baumwollweberei. Noch ist die Maschinenwcberei nur bei einem großen Capi-talaufwandc mit Erfolg durchführbar, nicht als Regel vorhanden, die Handwebereivorherrschend; aber der Zeitpnnkt ihres nothwendigen Verfalls rückt immer näherheran, Hunger und Elend wird immer allgemeiner das Loos des Handwebers. DerNoth abzuhelfen, die Möglichkeit einer Concurrenz der Hand- mit der Maschinen-wcbcrei vorzubereiten -— und daß die letztere zunächst aller ungefärbten Stoffe sichbciiiächkigen und später die Fabrikarbeit die Hausindustrie überragen wird, ist kei-nem Zweifel unterworfen — wurden von verschiedenen Handelskammern Weberord-»ungcn vorgeschlagen. Sie bezogen sich auf die Anwendung der sogenannten Regu-latorhandwebstühlc und eine umfassende mechanische Schlichterei. Die Regierung gingauf diesen Vorschlag ebenso wenig ein, als sie die Anlage von Weberschulen unter-stützt, welche allein im Stande sind, die technisch weit zurückgebliebene Arbeitsweisenachhaltig zu verbessern. Von der Hebung der Weberei ist aber nicht nur das bes-sere Loos der Weber, sondern auch die Zukunft jener Arbeitszweige abhängig, denendas Gewebe als Halbfabrikat dient, nämlich die Kattundruckerei. Behält man blosdie großartigste Anstalt dieser Gattung, die kosmanoscr Fabrik vor Augen, so erscheintder Zustand dieses Industriezweiges allerdings glänzend. Die kosmanoscr Fabrik hatalle Fortschritte der neuern Chemie verwerthet, sie wetteifert im Geschmacke der Zeich-nung und Farbenwahl mit französischen und schweizer Fabriken, was sie durch diessnstellung eigener Zeichner in Paris mit enormen Kosten erreicht, und darf sichvühmen, auf der londoner Ausstellung mit einer Preismcdaille bedacht worden zustin. Doch bildet dieser Zustand nur eine Ausnahme, im Allgemeinen sind die Vcr-hält„issc der östreichischen Kattundruckcrcicn überaus ungünstig. Das inländische Ma-strial, welches ihnen geliefert wird, entspricht nur mittelmäßigen Anfoderungcn und'st überdies als Handarbeit weit theurer als das von der Webmaschine dem engli-sthen Drucker gelieferte Halbfabrikat. Die Maschinen müssen bei dem schlechten Zu-stande der einheimischen Maschinenfabriken aus England geholt werde» und sind mitswem übermäßigen Einfuhrzölle belastet, das Brennmaterial ist kostspielig, der neue-avlltaiif namentlich für die erst seit kurzem producirtcn Luxusartikel nichts wenigergünstig. Rechnet man noch hinzu, daß auch die Absatzwege (die Baumwollin-°ustrie besitzt nur einen inländischen Markt) theils durch den Schmuggel, theils durch