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Die östreichische Monarchie.
schlechtbedachte Ncgiermigsmaßregeln, wie z. D. die Beschränkung des Hausirhandcls,das Verbot des Verkaufs von Manufacturwaarcn auf den ungarischen Wochcn-märkten, sich verschlechtern und dieser ganze Industriezweig auf künstlichem Bodenruht, so ist die Besorgniß nicht ganz ungegrüudet, es könnte die Baumwollindustrievon dem Verfalle i» ähnlichem Grade heimgesucht werden, welcher die Linnenindu-strie seit Jahrzchndcu drückt.
Das einzig Erfreuliche bei der Betrachtung der Linneniudustrie ist die Über-zeugung, daß die Neubelebung bevorstehend ist. Den wichtigsten Fortschritt bildendie in den letzten Jahren coustituirtcu Associationen zur Gründung von Flachszube-rcitungsanstaltcn, wodurch nicht allein der Flachsbau ermuntert, sondern auch diegerechte Klage der Spinner über mangelhaften Rohstoff, welcher die Erzeugung fei-nerer Garne (über Nummer 70 hinaus) gar nicht gestattet, beseitigt wird. Die Klageder Weber freilich über ein liederliches, unsolides Gespiuust wird erst schwinden, wennder Spinnlohn steigt, der Antrieb zum Betrüge schwindet. Wie soll man aber dieseHoffnung fassen im Angesicht des einbrechenden Kampfes zwischen der Hand undder Maschine? Die Maschincnspinnerei hat in Östreich kein hohes Alter. Wäre siefrüher eingeführt worden, das Schicksal der Spinner wäre gegenwärtig vielleicht bes-sergestellt. Östreich zählt etwa 60000 mechanische Leinspindeln, wovon ein Drit-theil auf die fünf Flachsspinnereien des reichcnberger Bezirks entfällt, also den dreißig- ,sten Theil der in Großbritannien und Irland beschäftigten und etwa die Hälfte derbelgischen Spindel». Dieser Betrieb ist für den Industriebedarf offenbar zu gering,zumal die Erzeugung feinerer Garne nur als Ausnahme erscheint. Die Flachsspin- ^nerci wird gewöhnlich nur als Nebenerwerb betrieben, nicht so die Leiuwcberci, die !aus diesem Grunde das tiefste Elend im Gefolge führt. Im Verhältniß zu demLoose der Leinweber sind die Baumwollweber noch glücklich zu preisen, auch ist einÜbergang von ersterer zu letzterer Arbeit ebenso häufig, als der entgegengesetzte Faßselten. Den Baumwollweber treffen nicht unmittelbar die Schwankungen des Mark-tes, er ist zwar nur ein Lohnarbeiter, als solcher aber in seiner Existenz gesicherterals der selbständige Leinweber, welcher die fertige Waare unmittelbar den: Kauf-manne überliefert, und bei schlechten Conjuncturen doppelt schwer getroffen wird. D>rEntziehung seiner scheinbaren Unabhängigkeit, die Einführung des Fabriksystems wärtnicht ein Unglück, sondern ist, wie wir aus Flandern wissen, das einzige Heil de§Leinwebers. Zwischen Hungertyphus und der viclgcschmähten Fabriksklavcrei kann dirWahl nicht schwer fallen.
Ob es möglich ist, den verlorenen ausländischen Markt für böhmisches Linus"wiederzugewinnen, können wir nicht entscheiden. Verloren ist er. Währendden zwei Jahrzehnden von !821 — 40 die Ausfuhr stationär blieb, verringerte sichselbe im folgenden Jahrzehnt) um 8000 Ccntncr. Sie betrug nämlich durchschnitt^in den Jahren 1821 — 30: 50271 Ccntner, in den Jahren 1831 — 40: 505^0Centner, in den Jahren 1841—50: 43315 Ccntncr. Aber der innere Markt,theils durch den Schmuggel, theils durch die stark eingelassene Vorliebe für Bau>'^wollwaaren zerrüttet wurde, kann noch gerettet werden. Nur darf man nicht dus^vorübergehende glückliche Wechselfälle sich verleiten lasscsi, den Aufschwung der Lc»nwandindustric als gesichert zu betrachten. Eine solche ephemere Gunst erwies derselbe» die Periode 1818—50. Die Begeisterung für den Nationalgardendienst räu>n !z. B. im Jahre 1848 alle Vorräthe für ungebleichte Hoscndrillen aus; der Kr> -in Ungarn, respcctive das Bedürfniß des Militärärars, machte den Handel in or j
närer Leinwand überaus vorrheilhaft; die schlechten Geldverhältnisse veranlaßten »> ^
Familien, alles vorhandene Papiergeld gegen Waaren, darunter namentlich >!
umzutauschen; die aus Ungarn zurückkehrenden Russen kauften 1849 mit ^ ^
feine Leinwand und Tischzcuge. Dies Alles waren aber nur vorübergehende ^
theile, welchen in den folgenden Jahren eine desto bitterere Noth der Spinner !
Weber folgte. Der Zollvertrag nimmt auch auf diesen Industriezweig einen gew ^tigen Einfluß. EinestheilS klagt man über die betrügerische Einfuhr seiner >