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Die östreichische Monarchie.
zu einem niedrigen Zollsätze. Leincnwaare wird in der Regel in Sortiment gepackt,feine Waare zwischen mitkclfeine geschoben, und da eine amtliche Untersuchung einesjeden einzelnen Stücks unmöglich ist, blos die letztere versteuert. Dies gilt vorzüg-lich von der Einfuhr von Taschentüchern. Andernthcils hoffte mau von der Zusiche-rung freier Ausfuhr roher Leinen nach Preußisch. Schlesien und Sachsen eine He-bung des Verkehrs. In der That hat die Ausfuhr in den letzten Jahren zugenom-men, sie betrug im Jahre 1851: 110400 Schock Leinwand, im Jahre 1852:115022.
Den erfreulichsten Gegensatz zur Linnenindustric bildet die vorzugsweise in Brunn(faconnirte Modeartikel) und Neichenberg (glatte und geköperte einfarbige Stoffe)mit großem Schwünge betriebene Tuchmanufactur. Seit uralter Zeit in Östreichheimisch, aber natürlich nur handwerksmäßig betrieben, drohte der Tucherzeugung seitder Einführung der Maschinenarbeit dasselbe Schicksal wie den verwandten Indu-strien. An einzelnen Orten ließ sich der Verfall nicht abwenden und zahlreiche mäh-rische Städte und südböhmische Flecken, welche vor der Gründung des Zollvereinsden bairischcn Tuchbcdarf deckten, verarmten infolge des Niederganges ihres wichtig,sten Erwcrbszweiges. In Jglau, in Neuhaus und anderwärts kann man noch ge-genwärtig das Lob der reichen Vergangenheit singen hören und bittere Klagen überdie schlechte Gegenwart vernehmen. Die Schuld lag aber zu nicht geringem Theilean den Producenten. Wo die Tuchmacher mit hartnäckigem Eigensinne am altenHandwerksbrauche festhielten, und gegen die Einführung der neuern Jndustriefort-schritte sich sperrten, trat unerbittlich die Verarmung als Strafe ein; wo die Hand-werker die Vortheile der Association benutzten, und auf gemeinsame Kosten jene An-stalten gründeten, welche sonst nur bei einem ausgedehnter» Fabriksbelriebe vorkom-men, blüht das Gewerbe und steigt der individuelle Wohlstand. Den Beweis dafürliefert die reichenbergcr Tuchmacherzunft, die reichste östreichische Innung, mit mehrals 1000 incorporirtcn Meistern, welche eine Schönfärberei und sieben Wasserwerkefür Walken- und Nauhmaschinen besitzt und die Concurrcnz der großen Fabrikenohne Schaden aushält. Leider ist nirgends angegeben, wie viele Spindeln und Stühleauf die Fabriken, wie viele auf die einzelnen Meister fallen. Im Ganzen zähltNeichenberg 69600 Spindeln und 2100 Stühle, auf welchen etwa 5,500000 EllenTuch im Werthe von ungefähr 9 —10 Millionen Gulden erzeugt werden. Derhierzu verwendete Rohstoff wird größtenthcils im Jnlande selbst gewonnen, und be-hauptet seit vielen Jahren bereits ununterbrochen steigende Preise, indem sowol dieNachfrage für die einheimische Fabrikation steigt als die durch die Valutaverhältnisseangelockten Käufer sich mehren. Feine Wolle wird aus Schlesien eingeführt, ordi-näre aus Rußland, Walachei und der Türkei importirt. Der früher wichtige Exportnach England beschränkt sich gegenwärtig nur auf die feinste» Sorten, da in allenübrigen Gattungen die australische Wolle den englischen Bedarf überreichlich deckt.Seit den letzten 20 Jahren nahm der östreichische Wollhandel folgende Bewegung:
Durchschnittlich wurden in einem Jahre von
1851 — 40 eingeführt: 45887 Ccntner, ausgeführt: 129676 Centncr.
1840-47 „ 52052 „ „ ,55546 „
w, Jahre 1850 „ 85555 „ „ 104951 „
Im Jnlande hat die Tuchmai,, actur keine Concurrcnz zu fürchten, und derHandel mit dem Auslande (außer dem ältern lcvantinischcn Markte bildet in derlängsten Zeit auch Nordamerika einen guten Absaßort) ist in erfreulichem Aufschwünge^griffen. Die östreichische Gesammtausfuhr an Schaswollwebwaarcn (Shawls aus-Zenonime», Tücher vorwiegend) betrug im Jahre 1844: 18964, 1845: 19005,^846: 19028, §847: 20950 und 1850: 24471 Ccntner. Für den innern Der-'ehr war namentlich der seit dem Jahre 1848 ungeheuer gestiegene Armeebcdarfden Belang, zur Hebung des ausländischen Handels trugen die kritischen Geldver-llaltnisse wesentlich bei. Es finden nämlich die fremden Handelsleute in einer Zeit,