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Die östreichische Monarchie.
wo das Silberagio 25°/u und darüber beträgt, keine vortheilhaftere Beziehung fürihre Rimessen auf Wien als östreichische, namentlich brünner Hkanufacturwaaren.
Die Kammgarnmanufactur ist erst seit 22 Jahren in Ostreich aufgekommenund gleichfalls im rcichcnbcrger Bezirke (8 Spinnereien mit ungefähr 12000 Spin-deln) vorzugsweise zu Hause. Die einheimischen Spinnereien sind zwar nicht imStande, den Bedarf zu decken, haben aber dennoch so weit sich entwickelt, um hartesenglisches Kammgarn zu erzeugen und das Ausgeben der englischen Einfuhr vorzu-bereiten. Die Richtung des Verkehrs wird aus folgender Tabelle des Earnhandelsersichtlich, wobei bemerkt werden muß, daß das importirte Garn fast ausschließlich
Kammgarn, das cxportirte Streichgarn ist.
ES betrug an Schafwollgarn
in den Jahren 1851—35 durchschnittlich
oie Einfuhr:
1766
die Ausfuhr
200
1855—40 „
4875
519
1841—45 „
10475
1654
/,
„
1846 „
14205
2600
,,
„
1847
14618
4124
//
„
1848 „
11527
3584
//
,,
1849
15567
5156
„
,,
1850
23255
4934
Wenn in neuester Zeit Klagen über den schlechtem Fortgang der Kammgarn-spinnerei auftauchen, so mag Manches auf die Rechnung äußerer Verhältnisse, aufdie hohen Kammwollpreise, auf die Einfuhr fremder Wollstoffe geschrieben werden;aber auch den Umstand, daß bisher das Kammgeschäft von Menschenhänden undnicht durch Maschinen, welche die Arbeiterzahl, also die Kosten um das Zehnfacheverringern, betrieben wurde, darf man nicht übersehen. ^
Der Übergang zur Seidenindustrie führt uns von den nördlichen Provinzen nachWien und Mailand, wo die Seidcnstofffabrikation ihre Hauptsitze hat. Über die Zu-stände der mailander Seidenindustrie fehlen uns freilich die nähern Nachrichten; dieKunde über die wiener Platzverhältnisse sind genauer, aber durchaus nicht erfreulich.
Der Rohstoff wird aus dem Banate, aus Südtirol und aus Italien bezogen (derHandelskammcrbczirk von Verona allein zählt 52 Seidefilanden und 45 Seidcsila-tonen, der Gewinn an Rohseide beträgt etwa 110000 Kilogramm im Jahre), ent-spricht aber hinsichtlich seiner Güte dem in Frankreich theils aus unfilirten italieni-schen, theils aus französischen Scidengattungcn erzeugten keineswegs. Großhändler,welche dcni Fabrikanten die Mühe und das Capital für die Instandhaltung vonWaarenlager» ersparten, ihn blos auf Bestellung arbeiten ließen, existiern nicht: derFabrikant muß gleichzeitig Kaufmann sein und sieht sich durch den Verbrauch seinesCapitals nach dieser Seite gezwungen, dasselbe dem Fabrikgeschäfle zu entziehen, denRohstoff auf Credit und durch Zwischenhändler mit einem Verlust oft von 40°/u zu kaufen-Dic Maschinen entsprechen selten dem vorgerückten Stande der Mechanik, und der Ge-schmack, in der Bandfabrikation z. B., steht noch hinter dem französischen, welche*ohnehin die Mode beherrscht. Noch ernährt zwar die Seidenindustrie in Wien al-lein 17000 Menschen und repräscntirt einen Gütcrwcrth von 15 Millionen Gulden,aber der Wohlstand und die Zahl der Unternehmer ist in einem stetigen Sinken be-griffen. Wie alle Luxusindustrien, so wurde auch die Scidcnfabrikation von den PO'litischen Stürme» des Jahres 1848 und deren Nachwehen empfindlich berührt, derSeidenconsumo sank um mehr als die Hälfte und erreichte nicht einmal den Ver-brauch der ältern Periode. Er betrug im Jahre 1859: 442029, 1840: 5327-^Pfund, stieg stetig bis zum Jahre 1847, wo er 889300 Pfund ausmachte, siel abe*im folgenden Jahre auf 362358 Pfund. Die wiederhergestellte Ruhe belebte e>n>germaßen den Luxusverkehr.