866 Die östreichische Monarchie.
Dieser Rückzug des Verkehrs auf einen einzigen Hauptkanal liegt im natürlichenLaufe der Dinge. Wie vor dem Genie alle mittelmäßigen Talente verschwinden, sotreten auch vor der durch die Eisenbahn allseitig zugänglichen Hauptstadt die mittlernProvinzialstädte zurück, und jeder Ort sucht eine unmittelbare Verbindung mit der Haupt-stadt zu erreichen. Man begreift vollständig die Weigerung Reichenbergs, mit Pragdurch eine Eisenbahn verbunden zu werden, und sein Verlangen, daß es unmittelbar mitWien in Beziehung trete. Prag nämlich, obgleich die Provinzialhanptstadt, verkehrt mitdem ersten Industrieorte der Provinz nur in unbedeutender Weise. Man begreift in die-ser Beziehung die Vortheile, welche Brunn aus seiner Stellung zu Wien zieht, an dessenThore es gewissermaßen gerückt wurde. Soll aber diese Verkehrsrichtung nicht durcheine allzu große Einseitigkeit verderblich wirken, so muß eine Gcgenbcwegung eintreten:die bisjetzt ausschließlich in nordsüdlicher Linie angelegten Bahnen müssen sich reicherverzweigen, mannichfaltigcr, als es gegenwärtig der Fall ist, verflechten. Der Man-gel an Communicationsmittcln, ihr schlechter Zustand wurde bereits so häufig er-wähnt, daß es überflüssig erscheint, hier darauf zurückzukommen.^ Allerdings ist indieser Beziehung in den letzten Jahren eine Besserung eingetreten, und an den Über-gang einzelner Eisenbahnlinien in Privathände kann man die sichere Hoffnung knüpfen,daß die einzelnen Klagen über hohe Frachtsätze, nachlässige Waarenbeförderung, übereine geringe Rücksicht auf die Interessen der Handeltreibenden beseitigt werden. Diehohen Frachtsätze gehören unbedingt zu den größte» Hindernissen des innern Ver-kehrs, und tragen wesentlich zur Vcrtheucrung der meisten Lebensbedürfnisse bei.Den Frachtsätzen nur ist es zuzuschreiben, daß die Gctreidcprcisc in den ein-zelnen Provinzen so auffallend voneinander abweichen, der Mangel in der eine»Provinz nicht sogleich durch die Zufuhr aus den andern gedeckt wird. Die schlech-ten Communicationcn verursachen die eigenthümliche Erscheinung, daß östreichischesGetreide in den letzten Jahren trotz des Ausfuhrzolles in einzelnen fremden Städte»nicht theurer verkauft wurde als im Jnlandc, ja seit der Wirksamkeit der neue»Verträge dort sogar noch wohlfeiler zu stehen kam. Der Centncr ungarischekWeizen, der in Pesth Gulden kostet, steigt i» Prag auf 5, in Innsbruck a»>
(?/-, in Neichenberg auf 7 Gulden; er wird aber in Brcslau mit 6/z, in Leipzig6'/z Gulden, also wohlfeiler als in Nordböhmcn angeboten. Seitdem der ungarisch'Getreibcmarkt die Gctreidcprcisc in allen Provinzen bestimmt, ist der niedrige Frachtsatz eine Lebensfrage für djc Bewohner Östreichs geworden. Auch die Flußsch^'fahrt entspricht in Östreich nicht allen Anfoderungen, welche im Interesse des frc>^Verkehrs an dieselbe gestellt werden.
Der Po, die Elbe und die Donau bilden die wichtigsten östreichischen Wassts'straßen. Die Schiffahrtsbcwegung auf dem italienischen Hauptstrome hat erst mdem Vertrage von, 3. Juli 1849 zwischen Östreich und den italienischen Uferstaa""(in Wirksamkeit getreten am 3. Febr. 1831) einen größer» Aufschwung genomw^welcher vorzugsweise zu Gunsten des östreichischen Antheils ausschlägt. In de»sten vier Monaten befuhre» den Po 1492 bcladcne, 994 leere Schiffe, daruim. trugen die östreichische Flagge 1969 Schiffe, also 79'/» sämmtlicher Fahrzeuge,rend auf die fremden Flaggen (Modena, Parma, Rom, Neapel und Sardinien) "317 Schiffe kamen. Unter den verladenen Gütern nehmen das Bau- und Bre»Material die erste Stelle ein, sowie das aus Venedig bezogene Meersalz; der ^kehr mit Rohstoffen (Baumwolle, Wolle) erwies sich als unbedeutend. Einstukreicher auf den östreichischen Handel ist die Elbschiffahrt, welche auch an demkehre mit dem Auslande eine» gewichtigen Antheil nimmt und die Verbindung 'Hamburg vermittelt. Hamburg aber spielt im östreichische» Handelsleben einenahe noch größere Rolle als Triest, dessen eigenthümliche Platzverhältnisse esdem Binncnlandc in seltsamer Weise absperren. .. .t,
Den Hauptverkehr auf der Elbe, soweit derselbe in östreichischen Händenleitet die im Jahre 1822 auf Aktien gegründete Präger Schiffahrtsgesellschaft-Ergebnisse ihrer Thätigkeit laute» unbedingt günstig. ES wurden