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Eilfter Band.
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Die östreichische Monarchie.

vorfinden, dürfte weniger in der Schwierigkeit, einen andern Lebenßberuf mit Er-folg zu ergreifen, als in der stetigen Einwanderung norddeutscher Industriellen be-gründet sein. Desto ersichtlicher ist jene Schwierigkeit rücksichtlich der Berufswahlbei den jüdischen Glaubensgenossen. Auf dieser Thatsache beruht z. B. die unser-hältnißmäßig große Zahl von Handelsleuten unter der jüdischen Bevölkerung der böh-mischen Hauptstadt. Nicht uninteressant ist auch die Beobachtung, wie viele Indi-viduen des mosaischen Bekenntnisses sich mit freien Künsten und Literatur beschäf-tigen. Unter den 12000 in Böhmen einheimischen Juden zahlte man im Jahre 1854nicht weniger als 82 Doctoren, Schriftsteller und Musiker, 155 vorn Cultus lebendePersonen, wie Lcichenhüter, Vorbeter, 86 Fabrikanten, 359 Kaufleute, 256 Tröd-ler, 100 Hausircr, 21 Mäkler und 146 Handwerker, darunter 11 Fleischer, 11Goldarbcitcr und 11 Weber, Schuster nur 22, Schneider 25.

Was wir hier einfach als statistische Thatsache anführen und als eine aus dengegebenen Verhältnissen nothwendig .resultircnde Folge erkennen, war in den verflosse-nen Sturmjahren der Gegenstand bitterer Klagen. Dem Juden in Ostreich bliebnach seiner socialen Stellung nur eine doppelte Laufbahy übrig: der Handel und dieleichte Literatur. Daß er die letztere mit einer gewissen Oberflächlichkeit trieb, darfihm kein östreichischer Eingeborener vorwerfen. Die gelehrte Erziehung, die manfrüher in Ostreich genoß, war, nicht geeignet, gründliche Kenntnisse zu befördern.Daß die allerdings fast ausschließlich in den israelitischen Händen befindliche belle- ^tristische und politische Literatur von einem verbitterten Zuge durchweht war, und na-mentlich diese politische Production auf eine ziellos negative Kritik hinauslief, das warmeInteresse am Staate vermissen ließ, wie konnte es Demjenigen, der das prager Ghetto jdurchwandert hatte, wunderbar erscheinen? Aus diesen Schlupfwinkeln des Schmel-zes konnte Alles, nur kein östreichischer Patriotismus hervorgehen. Dazu kam noch, jdaß mit wenigen Ausnahmen nur die Juden in Östreich gut Deutsch zu schreibe"verstehen. Sie haben, seltsam genug, von allen übrigen Literaturen des vielspra»chigen Staates sich ferngehalten. So zahlreich sie auch in den slawischen Provinzenwohnen, die slawischen Sprachen fanden dennoch bei ihnen keine Pflege., Derdeutschen Literatur wandten sie ihre Thätigkeit zu, sie beherrschten dieselbe in Ostreichund werden sie solange beherrschen, als deutscher Geist dem größer» Theile der Be-völkerung fremdbleibt. Man kann über solch literarischcs Monopol diese oder jeneMeinung hegen, die Unabwendbarkeit desselben unter den bestehenden Zuständen kannman nicht wegleugnen. Soll diese Erscheinung schwinden, so muß die Germanist'rung der verschiedenen Stämme tiefcrgrcisen. Dem flüchtigen Reisenden mag,.d>eHerrschaft dcs-deutschcn Elements gesichert erscheinen, er kann mit dem Glauben Ost'reich verlassen, -daß das germanische Element bereits alle andern überwuchert h^'Der Statistiker hat darüber eine andere Meinung. Er zählt die Volksschulen n>^findet, daß aus 7462 deutsche 22259 nichtdeutsche Volksschulen kommen, und z"'^6588 italienische, 5195 magyarische, 6841 slawische, 799 rumänische, 4 griechisch2 armenische und 2815 gemischte. .

Der Staat hat nicht die Macbt, diese Zahlcnvcrhältnisse zu ändern, er hauch nicht das Recht, er hat nur die Pflicht und das Interesse, allen diesen h'schicdencn Völkern die gleiche Cultur und Bildung zu vermitteln. Denn diemeinsame Bildung stützt und bindet innerlich das Staatsganze, macht conservak^erweiterte Kenntnisse lassen schon keine einseitige Leidenschaft zur Herrschaft gelangdie bei den mannichfache» feindlichen Gegensätzen in Östreich so leicht zum V" ,den des Staats ausschlagen kann. Da ein unmittelbares Gefühl der Icisa"" ,gehörigkeit kaum vorhanden ist, das östreichische Bewußtsein von dem nähcrgcltgnationalen Stolze stetig bekämpft wird, so muß der aus dem großenDerbandc gezogene Äorthcil geistiger wie materieller Cultur und Wohlfahrt diezelncn Stämme vorzugsweise verketten. ...

Die Wichtigkeit der Tchulpflcgc in Östreich kann demnach keinem Zwellterlicgen. Das Bedürfniß nach Schulunterricht wurde auch in neuester Zeit