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Eilfter Band.
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Die orientalische Frage.

weitgrcisendcn Folgen führe» zu sollen. Wismar konnte, sobald es den Schweden(vier Wochen nach jener Hochzeit) abgenommen war, in Mecklenburgs Händen einKricgshafen für Rußland werden. Eine halbosficicllc englische Schrift von 1720wirft dem Zaren geradezu vor, er babe dem Herzog vorgeschlagen, ihm (gegen eineEntschädigung in Livland) Mecklenburg abzutreten, und er habe solchergestalt mitGewalt sich ins Reich drängen wollen. Die Eroberung Livlands andererseits konntefür diese Absicht auch eine Brücke abgeben. Das alte Verhältniß Livlands zumReich war zwar schmählich, vernachlässigt; ohne einen Finger zu rühren halte manes zerreißen lassen, aber es war unvergessen; über die Erneuerung ward am Reichs-tag im vorigen Jahrhundert häufig (zuletzt wol 1758), aber gerade in den Jahren1710 20 wiederholt verhandelt. Es war ein weiter Weg von diesen Versuchen

bis zum Teschener Frieden, in welchem Rußland zum ersten mal den WestfälischenFrieden garantirke, also ein Recht erhielt, in innern Angelegenheiten Deutschlandsmitzureden; aber dies Ziel war niemals aus dem Auge verloren. Übrigens sagtman, vor etwa 20 Jahren habe Rußland sich erboten, mit Livland in den Deut-sehen Bund einzutreten; der Fürst Mcttcrnich aber habe sich von seinen Schuljabrcnher darauf besonnen, was es auf sich gehabt, als Philipp in den Amphiktyonenrathzugelassen worden.

Was Preußen anlangt, so möchte man sagen, es hatte schon zu Peter's desGroßen Zeit seine „fertige Rolle". Pommern, Stettin zumal, wenn es einmal überSchweden herging, stand ihm „gar zu gewaltig glatt an". Der Zar fühlte sichso sicher, daß er in Paris, wie wir gesehen haben, das preußische Bündniß alsAnhängsel und als Ergänzung seines eigenen anbot.

Aber Frankreich? Aber England? Man muß vor allem den schon angedeu-teten Umschwung der Dinge ins Auge fassen. Francois Combes hat dies in Bezugauf Frankreich sehr gut entwickelt. Er fuhrt Walpolc's rühmliches Zeugniß dafüran , daß Ludwig XIV. es verweigert, mit Peter dem Großen sich einzulassen, unddaß ein gleichzeitiger Geschichtschreiber der Fcldzügc Karl's XII., Grimarest, EuropasBlindheit, den Fortschritten der russischen Macht gegenüber, beklagt. Thatsächlichist ferner, daß Fe'rivl (der lebhafte und, wie Hammer behauptet, später toll ge-l wordene französische Gesandte in Konstantinopel) Karl Xll. französische Schiffe anbot,um ihn nach Marseille zu bringen, und daß er nachher sich Mühe gab, den Divanmm Kriege gegen Rußland zu reizen. Aber der Regent ging allerdings von ganzandern Grundsätzen aus. Er ließ errathen, daß er nur durch laufende Verträgeabgebalten werde, geradezu gegen Schweden aufzutreten; er schickte einen Gesandtennach Petersburg; er schloß ein Bündniß (4. Aug. 1717) mit Preuße» und Nuß-land, in dessen geheimen Artikeln er zugleich die Vermittlerrolle mit Schweden über-nahm und das schwedische Bündniß nicht erneuern zu wolle» versprach.

Was England betrifft, so ist über das Verhältniß zu Rußland unter Wilhelm i».und unter der Königin Anna nicht viel zu sagen. Es scheint nicht, daß der Besuch,den dem erster» Herrscher der Zar in den Niederlanden abgestattet, politische Er-^ grbnisse gehabt, wenn es auch begründet sein sollte, was Combes auf das Zeugniß^ Herzogs von Antin hin berichtet, daß der Oranier dem Zaren die kirchliche^berhauptschaft der englischen Krone gerühmt und ihn dadurch veranlaßt, mit Be-seitigung des Patriarchen in Moskau die oberste kirchliche Gewalt selbst an sich zuziehen. Die Berichte von Mackenzie, bei Gelegenheit jenes ersten polnischen Thcilungs-projects, lasse» glaube», daß England damals die gute Absicht gehabt, der poln,-sehen Unabhängigkeit eine Stütze darzubieten. Die Thronbesteigung Georg's l. aberführte eine entscheidende Wendung herbei. Es ist in Deutschland noch immer nichtbekannt genug, wie ganz hannoverisch die Richtung dieses Königs gewesen, und dieEngländer lieben es nicht davon zu sprechen, wie denn auch Manche im Interessedes parlamentarischen Systems es nicht für gerathen halten, es hervortrete» zu lassen,"i welchem Maße, trotz aller parlamentarische» Controle, die britische Politik hanno-vrischen Interessen dienstbar war. Der ältere Pitt hat während seiner schonungs-