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Die orientalische Frage.
erhielt der russische Gesandte Bcstuschcw seine Passe. England war nun auf derHöhe der Grundsätze angelangt. Ein Scparatartikcl des englisch-schwedischen Ver-trags vom l. Febr. 1720 besagt: „— Da cs für die protestantische Religion, fürden Handel Schwedens und Großbritanniens wie auch für gcsanmitc Christenheitvon Wichtigkeit ist, daß der Zar nicht auf der Ostsee herrsche, so wird der Königvon Großbritannien nicht allein den in obigem Vertrage verheißenen Beistand leisten,sondern er wird auch seine Verbündeten auffodcrn, Schweden gegen den Zar bci-zustchen, falls dieser nicht auf eine» billigen Frieden eingehen sollte, und zugleichdem Reiche Schweden wieder zu verschaffen, was zu seiner Sicherheit unerläß-lich ist, und die Freiheit des Ostseehandcls zu gewährleisten." Nichts kann gesuchterund weiter hergeholt sein als die Berufung auf das Interesse der protestantischenReligion. Bcstuschcw in der oben angeführten Note vom 17. Oct. 1720 hat dieUnredlichkeit dieses Motivs unumwunden aufgedeckt, indem er sagt, in directcm Wider-spruch mit dem Westfälischen Frieden sei Schweden Bremens und Verdens beraubtworden, dadurch verliere die protestantische N.ligion eine der 1018 ihr zugetheilte»Stützen; wie sich denn dies mit dem hochgcrühmtcn NcligionScifcr der Engländerzusammenreime?
Peter der Große, die Pforte und Polen.
Es ist nun noch von Pcter's des Großen Verhältniß zur Türkei zu reden.Rußland hatte im Jahre 1700 den Frieden mit der Pforte erneuert und dabei dasfrüher erhobene Begehren der Auslieferung der Schlüssel des Heiligen Grabes fallenlassen, wie denn auch die Pforte ihrerseits auf dem Verlange» der Rückgabe vonAsow nicht bestand. Als aber die Pforte, eigentlich gegen die persönliche Neigungdes Sultans, sich doch zur Kriegserklärung gegen Rußland fortgerissen sah, warenmehrfache Spuren vorhanden, welche den Krieg zu einem Religionskriege zu wendenschienen. In der Kathedrale Moskaus war . die rothe Fahne geweiht, mit der anKonstantin sehr bezeichnend erinnernden Aufschrift: „In diesem Zeichen sollst dusiegen." Die Montenegriner rührten sich, ihr Wladika kehrte mit einem Geschenk von35000 Dukaten und mit Versicherungen großer Theilnahme für die Sache desgriechischen Glaubens vom Zarcnhosc zurück; Dmitri Kantcmir, der Wojwodc derWalachei, war durch den griechischen Patriarchen ermuntert, vom Sultan abzufallen,um dem Zaren seine Dienste anzubieten. Freilich, Kantcmir war ein schlechterFührer; er führte die Russen an den Pruth, von welchem einer der berühmtestenFriedensschlüsse seinen Namen hat.
Es bezeichnet die verzweifelte Lage der Russen und zugleich den Sinn Pcter'sdes Großen, daß er dem Senate schrieb, man möge selbst eigenhändige Bcfchlc, dieetwa von ihm ausgehen könnten, nicht erfüllen, nach seinem Tode aber den Wür-digsten aus der Mitte des SenatS zu seinem Nachfolger wählen. Die unerhörteNachgiebigkeit des Eroßvezicrs pflegt man dadurch zu charakterisircn, daß man erzählt,Karl X». habe im Unmuih dem Eroßvczicr sein langes Gewand mit seinen Spore»zerrisse». Wir wollen aber doch lieber andere, wcniger leidenschaftlich befangeneZeugen anführen. Der Engländer Eordon meint, Mchcmcd hätte selbst daS ge-liebte Petersburg dem Zaren wieder abnehmen können, und der General JanuS(»ach deö Grafen Lion „Denkwürdigkeiten") äußerte, wer den Zaren „in diese Ga-leere gebracht", sei der größte Narr auf Erden, immer mit dem Vorbehalt, daß derGrvßvczicr, wen» er die Bedingungen annehme, ein noch größerer sei. Mebemed —so unglaublich cs lautet, muß man cs doch für wahr halten — durch 200000 Du-katen gewonnen (soviel an Werth war der Schmuck des „Mädchens von Marien-bürg"), gestand den freien Abzug zu. Hammer sagt: „So unvorrhcilhaft undunrühmlich auch dieser Friede für Rußland, zu nennen ist, so war er jedenfalls hin-sichtlich der Lage, in welcher er zugestanden wurde, für die Pforte doch »och vielUnvorthcilhaftcr und unrühmlicher."
Daß Asow mit den dazu gehörigen festen Plätzen den Türken zurückgegeben