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Die orientalische Frage.
gerichtet hat. — — Der Mensch muß doch in Gottes Augen ein sehr verächtlichesDing sein, solange ein solches Individuum wie der Zar solche Massen von Men-schen gewissermaßen unter den Fußen hat." Lord Shrcwsbury, der ihn in Hollandbeim König Wilhelm lll. sah, mag wol nur nach Äußerlichkeiten geurtheilt haben,wenn er sagt, dieser Zar scheine nur schäbige Gesellschaft zu sein (but sourvycomp.any) für den König. Am preußischen Hose ließ sein Besuch dieselben Ein-drücke zurück; Pöllnitz erzählt sogar, der Zar habe die Strafe des Naderns, welcheihm unbekannt war, gewünscht vollziehen zu sehen, und als ihm eingewendet wor-den, es sei kein zu derselben vcrurtheilrcr Verbrecher da, habe er gemeint, man sollenur einen seiner Leute nehmen! Das erfodcrliche Maß von Barbarei für den Herrscher,der einen solchen Gedanken faßt, wie für das Volk, welches sich Dergleichen bietenläßt, wird am anschaulichsten und wird gekrönt durch die bewundernde Äußerungdes russischen Nationalgeschichtschreibers Karamsin, bei Gelegenheit der Scheußlich-keiten Jwan's des Schrecklichen: „So war der Zar! so waren seine Unterthanen!Ihre Geduld hatte keine Grenzen, denn sie sahen die Herrschaft des Zaren fürGottes Herrschaft an und hielten jeden Widerspruch für Übertretung des Gesetzes.Sie gingen zugrunde, aber sie retteten für uns (die jetzt lebenden Russen) dieMacht Rußlands; denn in der Stärke des Volksgchorsams besteht die Kraft desReichs." Und wiederum: „Die Russe» rühmten sich Dessen, was ihnen die Aus-länder zum Vorwurf machten, ihrer blinden, unbegrenzten Ergebenheit in den Willendes Monarchen, selbst in seinen unbesonnenen Abweichungen von menschlichen undStaatsgesetzen."
Einbuße von Belgrad, Eroberung der Morea durch die Türken.
Den letzten Beziehungen der Pforte zu Peter dem Großen waren in andernRichtungen Ereignisse vorangegangen, welche dazu beitrugen, die bemerkbare Auf-regung und die Schwankungen türkischer Politik in dieser Zeit zu erklären.
Venedig schien, eben wie die Schwesterrepublik der Niederlande, in eine Periodeder nachlassenden Kraft, um nicht zu sagen, der Erschlaffung eingetreten zu sein.Der Pforte entging dies nicht. Ein jugendlicher Großvczier wußte seine Rüstungendurch ein ausgestreutes Gerücht, das sie auf Malta deutete, zu maskire»; der Senatschien noch nichts geahnt z» haben, als (8. Dec. 17 i 4) die Pforte der Republikden Krieg erklärte. In 101 Tagen war Morea für he» Sultan zurückerobert-Die Griechen, unzufrieden mit der religiösen Unduldsamkeit ihrer vcnetianischen Herr-scher, thaten den Türken Vorschub. Der Kaiser suchte zu vermitteln; als dies nichtgelang, trat er, durch den Prinzen Eugen ermuntert, als Verbündeter Venedigs anf-Jnfolgc einer kühnen Entschließung des „tapfern Ritters" („am 16. Aug. 17>"soeben", wie der Dichter singt) fiel Belgrad. Die Vermittelung der Seemachtward von beiden Seite» angenommen und der Congreß von Passarowitz cröffnet-Ostreich spannte seine Foderungen sehr hoch: es begehrte die ganze Moldau und 26«'lache!; es begehrte selbst die Auslieferung Nagoczy's. Es begnügte sich mit eine"'Stück der Walachei, und mit der Jnternirung der ungarischen Flüchtlinge; die fts'nern Foderungen konnte es um so eher schwinden lassen, da ihm Serbien verblieb'Serbien in des Kaisers Händen zu lassen, gebot den Türken nicht allein der Desw'stand, den Eugen's siegreiche Waffen erkämpft hatten, sondern auch die Klughe"'um diesen Preis beschwichtigten sie das Gewissen der östreichischen Unterhandle^welche Morea in türkischen Händen, und das Princip des derzeitigen Besitzst«" ^(das uti pos8i«Ielis) als maßgebend gelten ließen. Im Frieden mit Venedig wardann Morea gar nicht genannt, aber es blieb, wie cS durch Eroberung zur Zewar, den Türken Unterthan. Von dem Kriege, der im Frieden von Passarowsein Ziel fand, urtheilt Hammer: es sei von Seiten Venedigs ein vertheidige"wider türkischen Angriff, von Ostreichs Seite aus Bundespflicht unternommengeführt, mehr zu seinem, als zu seines Verbündeten Vortheil beendigt-
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