Band 
Eilfter Band.
Seite
915
JPEG-Download
 

Die orientalische Frage.

Östreich und Rußland i», Liirkcnkricg. Kricdc von Bclgrav.

915

d

>,

v

>-

>e

r-

le

r,

:n

>g

b-

i!

ür

!s.

>ie

es

>s°

en

»d

rrn

uf-

vdr

ün.

gen

nat

blik

crt.

err-

icht

auf.

717

chtt

net.

Wa-

llern

fcr-

lieb-

csiß'

hcit!

dler,

ndeS

var»

3-i-

olvik

nidc^

u>^

Unter den beide» Regierungen, welche auf die des große» Zaren folgte», lagbekanntlich die auswärtige Politik danieder. Das Jntrigueuspiel der inner» Par-teien, der henimende Einfluß der Altrussc», welche Pcter's unruhige, herrische Artverwünschte», ließ es weder zu einer Aufnahme der weitblickenden Entwürfe kommen,noch auch nur zum Versuch, erlittenes Misgcschick wieder auszugleichen. Anna'sSelbstherrschaft, ein Triumph über die altrusstschen Tendenzen, stützte sich auffremde Elemente, und eine Beschäftigung und Befriedigung der Nation durch aus-wärtige Erfolge schien eine Bürgschaft für das neue System.

Der ehemalige oldenburgische Ingenieur Münnich, von Peter schon zu großenDingen aussehen, war zu hohen militärischen Ehren emporgestiegen. An seinemBeruf, jene Gedanken auszuführen, haben nur seine persönlichen Feinde und Neidergezweifelt.

Im geheimen Cabinct ist, im Beisein der Kaiserin, förmlich beschlossen worden,Asow den Türken wieder abzunehmen. Man hatte die Perser durch Zugeständnisseversöhnt, und man ermunterte den Netter der persische» Nationalität, Nadir-Schah,im Kampf gegen die Pforte auszuhalten, bis auch Rußland gerüstet sein würde, indenselben einzutreten. Zu dieser Vorbereitung aber gehörte auch (und das ist inPekcr'ö eigenster Art), daß man sicher war, im Norden Europas nicht angegriffenzu werden. Daher erging nach Stockholm aus freien Stücken das Anerbieten, nichtallein das Biindniß von 1724 zu erneuern, sondern selbst eine von Karl XII. inHolland gemachte Anleihe zu übernehmen. Diese Politik hat sich später wiederholt.3m Begriff, einen Türkcnkricg zu beginnen, hat Rußland im Jahre 1826 demKönige von Schweden eine Reihe von Actcnstücken, die Verhandlnngen mit der Pforte"nd mit England betreffend, vorlegen lassen. Aus einer Depesche des russischenGesandten in Stockholm, des Generals Suchtelcn, vom 25. April 1826 ersiehtMan, wie sehr durch dies entgegenkommende Vertrauen die Selbstliebe Bcrnadotte ssich geschmeichelt gefühlt, und der russische Gesandte fügt bedeutungsvoll hinzu, erhabe geglaubt, das stockholmer Cabinet so wenig als möglich bemerken lassen zusollen, „wie sehr seine friedliche Haltung uns am Herzen liegt". In jenem Fallevon 1724 hatte die Pforte gleichzeitig um Schwedens Bündniß sich beworben undnoch vortheilhafterc Anerbictungen als Rußland gestellt, die indessen dem schwedischenReichstag von der Kanzlei nur erst vorgelegt wurden, nachdem das Bündniß mitRußland genehmigt war.

Im zweiten Feldzug fiel Asow, nicht infolge einer ordentliche» Belagerung,Welche Münnich, „ach seiner Kunde der Örtlichkeiken, für unthunlich hielt, sonderndurch Sturm. Dies Ergebniß verhinderte nicht, daß Münnich vor ein Kriegsgerichtgestellt und, «»erachtet des für ihn ehrenvollen Ausgangs, in spätern Fcldzügennoch durch Befehle aus Petersburg in der Ausführung wohlüberdachter Entwürfegestört ward. Eine unumschränkte Vollmacht zum Friedensschluß, die eine zcitlangw seinen Händen gewesen, ward, durch die Annahme der französischen Vcrmitte-

in Gemeinschaft mit dem wiener Cabinet, wieder beseitigt.

Das östreichische Bündniß brachte diesmal den Russen keinen Vortheil. OstreichsRüstungen waren langsam, seine Waffen nicht glücklich. Überall vermißte man dasSchwert, den Arm, den Geist des Prinzen Eugen. Auf den östreichischen Unter-händlern ruht im günstigsten Fall der Vorwurf, daß sie ohne Noth, in vollendetem"ichtsiiin und mit handgreiflicher Unfähigkeit Belgrad und die übrigen Eroberungendie Türken zurückgegeben.

Münnich fand den Belgrader Frieden für Östreich schimpflich und, weil er denGurken den Weg nach Wien eröffne, verderblich. Er stellte in einem Schreiben an

Fürsten Lobkowip die Energie Rußlands und seine Erfolge der östreichischenchlaffheit j„ scharfem Contrast entgegen. In Wien und in Kon^ankinopel war