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Eilfter Band.
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Die orientalische Frage.

man des Unterschieds auch wol innegeworden. Karl VI. soll gesagt haben, er hätte,einen Feldmarschall wie Münnich an der Spitze, den Krieg auch wol fortgesetzt,und die Türken, sagt man, gestanden ein, würde ihnen ein Seraskier wie Münnichzutheil, so wollten sie Dem wol die Hälfte des Osmanischen Ncichs abtreten. Umso größer war die Überraschung von Freund und Feind, als nun auch Rußlandseinen Belgrader Frieden so abschloß, wie er eben ausfiel: Asow ward geschleift;Rußland sollte zu seinem Handel auf dem Schwarzen Meere sich türkischer Fahr-zeuge bedienen! Und Rußland hatte bei den Verhandlungen die freie Schiffahrtnicht allein auf dem Schwarzen, sondern auch auf dem Mittelmeere begehrt. Auchdie Anerkennung des Kaiserlitcls ist nicht im Belgrader Friedensschluß, sondern erstzwei Jahre später erlangt worden, nachdem in Rußland Ereignisse stattgefundenhatten, aus welche wir einen Blick werfen müssen.

Die altrussische Partei im Bunde mit den Schweden. Regierungswechsel.

Die innern Partciungen Schwedens liegen außerhalb des Kreises unserer Be-trachtungen. Ihr Vorhandensein aber ist ein wichtiges Moment für Schwedensauswärtige Politik. Der russische Gesandte i» Stockholm, Bestuschew, war geheimenVerbindungen auf die Spur gekommen, welche die schwedische Kriegspartei mit demDivan anzuknüpfen suchte. Der Träger dieser Verhandlungen, der Major Sinclair,ward in höchst brutaler Weise auf der Landstraße überfallen und niedergemacht, seinePapiere geraubt. Das russische Cabinet verleugnete die That. Die schwedischeKricgspartei aber war durch die darüber entflammte Entrüstung in den Stand ge-setzt, ein Vertheidigungsbündniß mit der Pforte (22. Dec. 1739) abzuschließen —wie Hammer bemerkt, das erste eigentliche Bündniß einer europäischen Macht mitder Pforte. Der Abschluß fällt, wie man sieht, etwas später als die Unterzeich-nung des russisch, türkischen Friedens.

Aber vorangegangen waren Dinge, durch welche die russische Regierung sehrschwer bedroht war, schwer genug, um den übereilten und ungenügenden Schlußdes Belgrader Friedens zu erklären. Die altrussische Partei hatte auf russischesWaffenunglück im Türkenkriege speculirt, um die Regierung und mit ihr das Sy«stein Peter's des Großen zu stürzen. -Noch mehr: sie verschmähte nicht das Bündnißmit dem Feinde, nicht die Einbuße von Gebiet, um ihre Parteizwecke zu erreichen-Diese Partei ist sich in allen Jahrhunderten gleichgeblieben. Es ist dieselbe, diein Griechenland den Persern Erfolge wünschte, um mit der Demokratie ihrerseitsfertig zu werden, und der in einem andern Jahrhundert die Drohungen Rußlandsein willkommenes Mittel waren, um „auch in der deutschen Frage November z»machen". Sobald das russische Heer eine Niederlage auf türkischem Boden erlitte»haben würde, sollte nach der Idee jener Patrioten ein Heer von 30VV0 Schwede»auf russischen Boden einbrechen, sollten die Unzufriedenen ihr Banner erheben, solllsdie Kaiserin in ein Kloster gethan, die Deutschen, sofern es hohe Herrschaften,ein Schiff gesetzt, die Übrigen weggejagt oder gehängt werden. Die Prinzessin E»'sabeth und der Fürst Narischkin, hieß es ferner, sollten dann als Kaiserpaar a»s'gerufen werden. Aber die Sache ward entdeckt, ein unbarmherziges Gericht crg>»2über Schuldige und auch wol über Schuldlose.

Schweden war indessen zum Kriege gerüstet. Es schlug los (1741) und ve^'langte die alten Grenzen von 1700 wieder; auch sollte Rußland aus der Osti"keine Kriegsflotte mehr haben. Bestuschew aber war durch Verräther vonVerhandlungen des geheimen Ausschusses in Stockholm unterrichtet. Das stbwc >'sche Manifest prahlte, albern genug, der Krieg solle zugleich „die russische Ratiobefreien von dem unerträglichen Joch und der Grausamkeit, womit die f"woeMinister seit geraumer Zeit die russische» Unterthanen unterdrückt hätten^Thronrcvolution brachte nach dem Tode der Kaiserin Anna die Prinzessinzur Herrschaft; der französische Gesandte machte den Vermittler mit Schweden.

Krieg ward von schwedischer Seite lässig geführt, und die neue Kaiserin fand e