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Die italienische Literatur.
ihre Bilder mehr dem Gebiete des Abstracten und Spiritualen als dem der sinn-lichen Welt zu entlehnen, wie die Dichter der classischen Schule zu thun pflegten.Auch finden sich manche Gedanken darin, die einen Widerspruch enthalten, undendlich hat auch die Diction nicht die Kraft und Eleganz, welche die Lyrik erfodert.Mit besonderer Vorliebe dichtete Manzoni religiöse Hymnen, in welchen er den My-sticismus der orientalischen Poesie bis zum Übermaß trieb. Er wählte da^u gernkurze und tanzende Versmaße, wie sie sich vielleicht besser für jene abgerissenen Ge-danken und vagen, dem italienischen Geiste nicht homogenen Phantasien eignen.
Nach Manzoni trat in Italien eine Unzahl lyrischer Dichter auf, die sich mehroder weniger nach ihm bildeten, ihm jedoch sämmtlich nachstehen. Besonders be-rühmt machte sich Giovanni Berchet aus Mailand durch seine in der Verbannunggeschriebenen freisinnige» Gedichte über politische Gegenstände aus der jüngsten Ver-gangenheit. Von großem Talent und einem zarten Gemüthe zeugen die lyrischen Ge-dichte des Venetianers L. Carrer, und die edelsten patriotischen Gesinnungen athmendie des Neapolitaners Alessandro Poerio. Auch Gabriele Nosetti ragt unter den Ly-rikern der romantischen Schule hervor durch seine warme Liebe zur Freiheit, nichtminder der in seinen Gedichten und in seinen Thaten gleich stürmische Giuseppe Ric-ciardi. Auf die höchste Stufe hak in neuester Zeit Giovanni Prati die romantischeLyrik geführt, ein schöpferischer, blendender, vielseitiger Geist, der an Bizarrerie derBilder und Metaphern die extremsten Dichter des 17. Jahrhunderts hinter sich ließ.Dies verschaffte ihm besonders viele Anhänger und Nachahmer unter der Jugend.Unter den neuern Lyrikern, welche eine mittlere Stellung zwischen den arkadischen undden romantischen Dichtern einnehmen, sind Sterbjni, Campello und Bälden zu er-wähnen. Der romantischen Schule gehören aber noch an: Pacini, Paladin!, Mon-tanelli, de Joris, dall'Ongaro und Andere, die wir hier übergehen müssen. Nichtganz zur romantischen Schule dürfen die Poesien Borghi's, des geschätzten Übersetzersdes Pindar, gerechnet werden, ferner die Mamiani's, und die verschiedenen GedichteCagnoli's. Alle Drei haben viel von der classischen Manier und fallen folglich indie Kategorie der zwischen beiden Schulen in der Mitte stehenden Dichter. Zu diesenwollen wir noch Tommaso Sgricci hinzufügen, ein außerordentliches poetisches Genie,der nur nickt Tragödien hätte improvisiern sollen, wodurch er mehr momentanes Er-staunen als dauernde Bewunderung zu erregen im Stande war.
Die poetische Improvisation ist indessen eine Kunst, in der sich die Italienerganz besonders ausgezeichnet haben — ein Beweis, wie groß ihre natürliche undunmittelbare Begabung zur Dichtkunst sein muß. Abgesehen von Improvisatorenaus frühern Zeiten hat sich zu Ende des vorigen und zu Anfang des gegenwärtigenJahrhunderts Gianni, ein Zeitgenosse und Nacheiferer Monti's, großen Ruf erwor-ben. Je mehr man bei der Lectüre seiner improvisirten Gedichte die glänzende poe-tische Ader und den schöpferischen Geist bewundern muß, umsomehr hat man zu be-dauern, daß er es verschmähte, sich durch gute und solide Studien zum regelrechtenKunstdichter zu bilden. Nächst Gianni, und in noch neuerer Zeit, machten sichBenedetti, Bindocci und Tresa Bandettini als Improvisatoren berühmt. Gegenwärtigübt der Piemontese Regaldi in der romantischen Weise diese mehr wunderbare alsruhmwürdige Kunst.
b) Die Epik.
Die epische Poesie gehört mehr den heroischen Zeitaltern an und kann vonder Neuzeit nicht wohl verlangt werden. Der Lärmen der Napoleonischen Siege hattezu Anfang dieses Jahrhunderts das Verlangen nach epischer Dichtung rege gemacht;sehr bald aber trat die allgemeine Richtung auf das praktische und materielle Lebenhervor, die auch der schönen Fiction ihr Ohr nicht leihen und die Darstellung des Über-natürlichen nicht zu ertragen vermag, ohne welches Element das Epos nur eine lang-weilige Erzählung in Versen bleibt.
Homer besang den Achill und Odysseus im Heroenzeitalter selbst, und obgleich