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Zwöflter Band.
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166 Die italienische Literatur.

Mrgil den Äneas zu einer Zeit feierte, wo jenes Alter bereits vorüber war, so erhieltsein Stoff doch durch seine enge Beziehung zur Gründung des römischen Reichs einhohes Interesse für die Gemüther. Auch Torquato feierte die Befreiung Aions ineinem Jahrhundert, wo mit der Furcht vor der mohammedanischen Macht auch zu-gleich die ritterliche Kampflust gegen dieselbe erwacht war. Freilich laßt sich nichtsagen, was Cesare Arici's ,, üsrusalsinms clistrutta" geworden sein würde, wennder Tod diesen hochbegabten Geist nicht an der Vollendung seines Werks gehinderthätte. Die erschienenen ersten sechs Gesänge zeichnen sich in der That durch eineSchönheit der Diction und der Gedanken aus, woran es auch dem übrigen Theiledes Gedichts nicht gefehlt haben würde. Aber abgesehen von dem ihm gemachtenVorwürfe, daß eine Begebenheit mit unglücklichem Ausgange kein passender Stofffür ein Heldengedicht sei, glauben wir auch nicht, daß dieser Stoff gegenwärtig dieWichtigkeit gehabt hätte, ohne welche man nicht leicht bei einer so langen Lectüre,wie die eines epischen Gedichts, verweilt. Noch augenscheinlicher beweist dies der„6a6mo" von Pietro Bagnoli, welcher sehr schöne Stanzen enthält und im Allgemeinenin elegantem, wenngleich hin und wieder nach arkadischer Manier schmeckendem Stilegeschrieben ist. Trotzdem hat der mythologische Stoff, dem alle und jede Beziehungzur Gegenwart fehlt, das Gedicht beinahe in Vergessenheit gerathen lassen.

Wirklich hat außer Arici, von dem wir übrigens doch nur eine Probe besitzen,von den begabtesten Dichtern der Gegenwart sich keiner an ein wahres und eigent-liches Epos gewagt. Versuche in demselben wurden dagegen von den arkadischenund romantischen Dichtern gemacht, von jenen, weil sie gewohnt waren, Stoffe zuwählen, welche außer aller Beziehung zur Gegenwart standen, diese, weil ihnen,die alle Regeln und Normen verabscheuten, der Stoff selbst gleichgültig erschien.Wir wollen die Versuche Beider kurz besprechen.

Angelo Maria Ricci von Riet! besaß neben reichen und vielseitigen Kennt-nissen ein Dichtertalent von beinahe beispielloser Leichtigkeit und Spontaneität. Mankönnte ihn den Ovid der neuern Zeit nennen; aber gleich diesem fehlte es, geradeinfolge der genannten Gaben, seinem Stile an der nöthigen Eleganz und Kraft.Er widmete sich der schönen Literatur, welche am Ausgang des vorigen Jahrhun-derts ihre Blütezeit hatte, und blieb dieser Beschäftigung, die seinem sanften, nach-giebigen. nicht selten hofmännischen Charakter am meisten zusagte, unverbrüchlichtreu. Kein namhafter Schriftsteller stand daher bei Königen, Cardinälen und Päp-sten in so großer Gunst wie Ricci. Dabei war er aber auch gegen Solche, die keinanderes Verdienst als Talent und Herzensgüte hatten, freundlich, gefällig und, woer konnte, wohlthätig. Da seine Gesundheitsumstände ihn nöthigten, sein Lehramtder Beredtfamkcit an der Universität zu Neapel aufzugeben und sich in die Provinzzurückzuziehen, benutzte er seine Muße zur Abfassung des Epos „ll'Iloliocks", dessenInhalt die Befreiung Italiens von der Longobardenherrschaft durch Karl den Großenbildet, ein Stoff, den er, wie man sagt, auf Anregung des Fürsten Jablonowski,östreichischen Gesandten am neapolitanischen Hofe, wählte. Abgesehen davon, daß dieserStoff selbst für alle Diejenigen nichts Anziehendes haben kann, welche die Vertrei-bung der Langobarden,' die sich bereits in Italien eingebürgert und eine Nation da-selbst gegründet hatten, mehr für ein Unglück für dieses Land halten, besteht derHauptfehler des Gedichts in dem matten gekünstelten Stile. An der Anlage undDurchführung des Ganzen ist dagegen nichts auszusetzen. Noch nicht damit zufrie-den, ein episches Gedicht geschrieben und den italienischen Parnaß vielleicht mit mehrGedichten aller Art bereichert zu haben als irgendein Anderer, verfaßte er baldnachher ein zweites Epos unter dem Titel „ 8sn Lsnsllotto", welches die allerdingshöchst edle Tendenz hatte, die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste inItalien zur Zeit jenes berühmten Klvstergeistlichen zu feierni Aber der „8snLsnsclstta", der fast dieselben Vorzüge und Mängel hat wie die „ItsliÄäo", dasheißt, große Gelehrsamkeit, lobenswerthe Vertheilung und Anordnung des Stoffes,neben bald zu prosaischer, bald zu blumenreicher Ausdrucksweise und Kraftlosigkeit