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Zwöflter Band.
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Die italienische Literatur.

Fast zu derselben Zeit aber fing die Tragödie an, sich ein wenig von derclassischen Form zu entfernen, und zwar durch Ugo Foscolo, dessen unruhigerGeist immer nach dem Ruhme strebte, in jeder Gattung der Literatur ein Bei-spiel des Bessern aufzustellen. Sein „Haas" hatte bei der Aufführung nichtnur das Publicum gegen sich, sondern erfuhr auch die Strenge des NapoleonischenRegiments, da der Kaiser in dem Stück eine Satire sah. Eine noch mehr roman-tische Richtung schlug er mit seiner „kioeisrcis" ein, in welcher er unter Grabes-beleuchtung, zwischen Gräbern und Gespenstern, welche fortwährend umhergehen undTodesgespräche halten, dem Zuschauer einen Vater vorführt, der seine eigene Tochterbarbarisch ermordet. Man kann indessen Foscolo's Tragödien nicht ganz zur roman-tischen Gattung zählen. Sie haben immer noch viel pon der classischen Schule, undunterscheiden sich von derselben hauptsächlich nur durch das Colorit des Stils undeinige übertriebene Bilder.

Etwas mehr näherte sich Giovanni Battista Niccolini in der Tragödie derromantischen Weise; dagegen hat er die Schönheit des Stils und der Versificationvon den Classikern. Übrigens muß man auch zwischen seinen ersten und seinen letz-ten Tragödien wohl unterscheiden. Denn in jenen, besonders in der „polisssns",im „kosoarini^ und im „prooiäa" sind die von den Meistern der Kunst verlang-ten drei Einheiten noch genügend beobachtet, und deshalb gingen die genanntenStücke auch wiederholt unter allgemeinem Beifalle über die Bühne. In seinen letz-ten Stücken dagegen, wie im „^rnolllo äs Lrssois" und im „Lilippo 8trorri",hat er die Schranken der Regeln und der mustergültigen Vorbilder nicht nur erwei-tert, sondern ganz durchbrochen. Diese Stücke sind ganz nach deutscher oder engli-scher Art angelegt, und daher mehr Erzählungen in dialogischer Form als wirk-liche Dramen. Sie sind deshalb kaum ausführbar, wie sie denn auch nie aufgeführtworden sind.*) Alle Tragödien Niccolini's, sowol die frühern wie die spätern, ha-ben den Fehler gemein, daß das Lyrische zu sehr in ihnen vorherrscht, und daß manin diesen lyrischen Partien (in noch höherm Grade als bei Monti) niehr den Dichterals die handelnde Person reden hört. Auch fehlt es der Handlung zuweilen annatürlich dramatischem Charakter, und der Sttt, dessen schöner und kräftigerFluß übrigens an den antiken erinnert, beleidigt dann und wann entweder durchManier oder durch geschraubte Antithesen und Metaphern.

Bei alledem konnte die Tragödie, wie sie von Niccolini behandelt wurde, selbstbei den entschiedensten Anhängern der classischen Schule nicht nur Duldung, sondernsogar Beifall finden. Derjenige, welcher sie dagegen ganz vom Classicismus loszu-machen suchte, war Manzoni, der, wie überall, so auch in dieser Dichtungsart neuoder vielmehr absonderlich sein wollte und daher Tragödien ganz im Shakspeare'schenund Schiller'schen Geschmack schrieb. Von den Freunden der romantischen Literaturwurden sie bis in den Himmel erhoben, und es schien, als sei für den Ruhm deritalienischen Bühne gar nichts weiter zu wünschen. In der That läßt sich auchnicht leugnen, daß die Versification sowol in „tlarmagnola" wie in „^clolvbi"von natürlicher Begabung für die Schönheiten der classischen Poesie zeugt. Aberdie übermäßige Länge, Formlosigkeit und Verworrenheit des Plans war schuld,daß nach wenigen Ausführungen sich kein Publicum mehr fand, welches diese Werkeanhören wollte. Die Lobredner selbst erklärten, diese Tragödien seien besser zu lesenals zu sehen, während zu derselben Zeit die Tragödie» des Herzogs von Ventignano(Cesare della Valle), eines Neapolitaners, welche in der That nicht die Vorzüge derManzoni'schen haben, da Gedanken und Stil zu sehr an den Schwulst und die Maß-losigkeit der Arkadier erinnern, immer sehr beliebt gewesen sind, nur weil sie die vonden Alten gefederten drei Einheiten beobachteten. So wahr ist es, daß die Regeln

*) Der Verfasser vergißt oder unterlaßt zu bemerken, daß Niccolini's genannte Tragödien,welche von den Italienern zu den schönsten ihrer Literatur gerechnet werden, hauptsächlich ausCensurrücksichten nicht zur Aufführung gelangten. D. Red.