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Zwöflter Band.
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Die italienische Literatur. l09

des Aristoteles Regeln der Natur selbst sind, die in gewissen Beziehungen durch alleZeiten hindurch dieselbe bleibt.

Der geringern Abweichung von diesen Regeln verdankt es Silvio Pellico (gest.am l. Jan. 1854), daß seine Tragödien, die doch, besonders was den Stil betrifft,mehr der romantischen als der classischen Schule angehören, ein besseres Schicksal ge-habt haben als die Manzoni'schen, und daß einige derselben, besonders „krsnossos6 s kimini", die gelungenste, oft aufgeführt worden sind und noch werden. Indessenmuß man auch gestehen, daß Schriftsteller und Poeten ihren Glücksstern haben.Nicht immer ist die Berühmtheit der richtige Maßstab und Beweis für das Verdiensteines Werks. Eduards Fabbri aus Cesena schrieb Tragödien, welche durch Adel undReinheit des Stil wie durch die Natürlichkeit des Dialogs sich mehr als alle andernder Weise der großen Meister nähern. Und kaum weiß Jemand in Italien, daßdieser Eduards Fabbri gelebt hat und Dichter von Tragödien ist! Dagegen genießtCarls Marenco, im Stil und in der Anlage seiner Stücke ganz Romantiker, einesnicht geringen Rufes als Tragiker. Die Folge davon ist, daß, während früher dasTragödiendichten für eine höchst schwierige Kunst galt, der sich alle hundert Jahrekaum ein oder zwei Dichter nach einem unter Studien verbrachten Leben widmeten,heutzutage die dramatischen Dichter wie Pilze aus der Erde schießen, und man ganzjunge Leute, welche noch nicht einmal ihre Schulstudien absolvirt und nichts gelesenhaben als einen englischen, französischen oder deutschen Dichter, sich den Kothurnanschnallen und von der bornirten Menge beklatscht sieht.

Diejenige Gattung des Dramas, welche zwischen dem Trauerspiel und Lustspielin der Mitte steht und von den ältern Schriftstellern Irszioowsllia genannt wurde,bezeichnet man jetzt mit dem Namen Schauspiel ( 6 rsmws ssmplios). Von denLeistungen der classischen Schule in dieser Zwittergattung des Dramas läßt sich heu-tigen Tags nicht viel Rühmliches sagen. Der Marchese Luigi Biondi versuchte sichdarin mit seinem „vsnts in ksvenns", einem Stücke, welches zwar nach gutenVorbildern geschrieben ist, aber fast alles dramatischen Effects entbehrt. In dieserBeziehung sind auch G. Rosini's Schauspiele „lorqusto Is 8 sc>" und „lmiss8 tro 2 ?>" nicht sehr glücklich ausgefallen, und außerdem fehlt es diesen Produkten,wie gewöhnlich, an aller Kraft und Eleganz des Stils.

Da die Pflege dieser Gattung des Dramas vorzugsweise in den Händen derromantischen Schule blieb, so darf man sich nicht wundern, daß dergleichen Arbei-ten wenig oder nichts mit Dem, was man früher in Italien 1>sAooms6is nannte,gemein haben; vielmehr tritt gerade in ihnen die Nachahmung des Fremden amoffenbarsten hervor. Ein Theil dieser Schauspiele sind historische, die aber fast im-mer den historischen Romanen entlehnt werden und, ohne alle Rücksicht auf dieEinheit der Zeit, des Orts und der Handlung, nur eine Reihe von Verwickelungenund sogenannter Theatercoups darbieten. Die Zahl der Stücke dieser Art, welcheals italienische Originale betrachtet werden können, ist zwar nicht groß, aber es wer-den deren unaufhörlich aus fremden Sprachen übersetzt und auf den nationalen Büh-nen aufgeführt.

Größere Pflege hat dagegen in Italien das lyrische Drama gefunden, mitwelchem Namen man heutzutage diejenigen Stücke bezeichnet, welche bestimmt sindin Musik gesetzt zu werden. Sie machen daher eine andere Classe von dramatischenDichtungen aus.

Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß bei den Griechen die Tragödien ge-sungen wurden. Doch könnte man darüber streiten und hat auch darüber gestritten,ob die wirkliche Musik, d. h. mit vollständigem Gebrauch und Einklang der Instru-mente und Stimmen, auf die Chöre beschränkt war (die bekanntermaßen einen gro-ßen, und höchst wichtigen Theil des antiken Dramas bildeten) und das Übrige nurdeclamirt wurde, oder ob das ganze Stück von Musik begleitet war. Wie dem auchsein möge, die Wiedererwecker der griechischen Tragödie, in Frankreich so gut wiein Italien, trennten beide Künste voneinander, wahrscheinlich weil sie kein Mittel