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Das Herzogthum Braunschweig.
Nicht weniger wurde die Nachricht von der frankfurter Kaiserwahl Ende März mitallgemeinem Jubel aufgenommen. Nach Blankenburg zum Herzog, nach Berlin zudem erkorenen Kaiser der Deutschen gingen angesehene Männer als Abgeordnete desLandes Braunschweig ab, um für die Vollziehung jenes volkstümlichen Beschlusseszu wirken. Abermals wehten überall, die schwarzrotgoldenen Fahnen. Als daraufbekannt wurde, der Herzog habe den Abgesandten des landständischen Ausschusseserwidert, er freue sich aufrichtig über die erfolgte Wahl, da zweifelte man nichtlänger, daß der Tag erschienen sei, an dem der Kyffhäuser seinen erlauchten Ge-fangenen wieder herausgeben werde. Hatte doch einer von Denjenigen Ja gesagt,denen die Veränderung allein ein immerhin schmerzliches und schwer zu bringendesOpfer auferlegte; ^wie sollte der Glückliche, dessen Glanz diese Opfer zu erhöhenbestimmt waren, zu dem Gedanken an Ablehnung kommen? Schwerlich werdendie Reichsboten aus Frankfurt, die damals eine lange verwaiste Krone nach Berlinzu tragen hatten, auf ihrem Triumphzuge durch Norddeutschland in irgendeinerStadt so herzlich und feierlich zugleich empfangen worden sein wie in Braunschweig.Die städtischen Behörden empfingen sie; ein stattliches Mittagsmahl war ihnen be-reitet; ein Ehrengeleit beförderte sie weiter, bis wo die eilende Locomotive sie überdie Landesgrenze hinübertrug.
Auch die völlig unerwartete Ablehnung Friedrich Wilhelm's IV. äußerte hierihre Wirkungen auf der Stelle. Der Vaterländische Verein, der Volksvercin be-schworen in energischen Adressen die Nationalversammlung, an der einmal beschlosse-nen Reichsversassung treulich festzuhalten. Der ständische Ausschuß drückte der Re-gierung seine bestimmte Erwartung aus, daß sie nach wie vor den Beschlüssen derdeutschen Nationalversammlung Rücksicht leisten werde. Die Regierung ihrerseits er-kannte in einer Jnstruction an ihren Geschäftsträger in Frankfurt, Hofrath Liebe,die Reichsversassung ausdrücklich als solche an. Der Magistrat der Stadt Braun-schweig folgte nur diesem allgemeinen Zuge der Geister, indem er Heinrich von Ea-gern das Ehrenbürgerrecht verlieh.
Die Regierung ging noch einen Schritt weiter. Sie ließ die Verfassung desdeutschen Reichs vom 28. März 1849 durch die „Braunschweigischen Anzeigen"veröffentlichen, stimmte einem Gesetze über die Verkündigung der Reichsgesetze zu,und gab auf den Wunsch der versammelten Abgeordneten des Landes ihre Unter-ordnung unter die Anordnungen der Neichsgewalt ausdrücklich zu erkennen. ImEinverständniß mit dem Landtage traf sie Vorbereitungen, um die Volkswehr deSHerzogthums für die entschlossene Durchführung der Reichsversassung unter Waffenzu stellen. Indessen blieb sie doch immer eine monarchische Gewalt; und so mußtees sie wol bedenklich machen, als hinter diesen gesetzlichen Bestrebungen andere auf-tauchten, deren Ziel die gewaltsame Einführung der Republik in Deutschland war.Die Regierung sehte sich daher im Stillen mit den benachbarten Regierungen inVerbindung, und lehnte, ebenso wie die Mehrheit des Landtags, wenigstens dieBeeidigung ihrer Truppen auf die Reichsversassung ab. Die Staaten, welche gleichdem Herzogthume Braunschweig die Verfassung vom 28. März anerkannt hatten, konn-ten zu keiner rechten Einigung über ihr Vorgehen gelangen; dagegen verbanden sichPreußen, Sachsen und Hannover zu dem Entwürfe der deutsche» Reichsversassungvom 28. Mai. Unter solchen Umständen suchte man nun die braunschweigische Re-gierung dahin zu bringen, gegen das demokratische Wesen des Landes in der Weisezu verfahren, wie es z. B. in Berlin geschehen. Minister von Schleinih, der dieBahn strenger Gesetzlichkeit nicht verlassen wollte, gerieth darüber selbst mit dcni inBlankenburg rcsidirenden Hofe in langdauernden Zwiespalt. Seine Bitten vermochtennicht zu erreichen, daß der Herzog in das vermeintlich ganz dcmokratisirte Braun-schweig zurückkehre. Ebenso wenig gelang es dem Landtage, durch seine einstimmigenBeschlüsse zu Gunsten Schleswig-Holsteins am 14. und 28. Juli zu verhindern, daßdie braunschweigischen Truppen über die Elbe zurückberufen wurden. Hofrath Liebebahnte unterdessen in aller Stille durch geschickte Unterhandlungen den Beitritt Braun-