141
Afrika.
werden bekanntlich die Nilüberschwemmungen so sehr unterstützt, indem die von Südenher anschwellenden Wässer zugleich von Norden her aufgestaut werden. Segelschiffe,die in die Große Syrta einlaufen, bleiben hier oft monatelang eingesperrt, durchdeü Nordwind am Wiederauslaufen gehindert. Die Brandung ist immer sehr heftig.Aus diesen Umständen ergibt sich, daß die stete Einwirkung der See ein stetes Auswerfenund Ablagern von Sand an den flachen Ufern zur Folge hat, besonders da keinFluß oder sonstiges Gewässer denselben wieder wegspült. Daher wächst denn dieKüste immer mehr an. Noch zu Leo Africanus' Zeit war z. B. das Land imSüden der Stadt Tripolis öfters überschwemmt, was jetzt nie vorkommen kann, daes beträchtlich über dem Meere liegt. Ebenso standen die Sebcha, welche um dieGroße Syrta her liegen, früher mit dem Meere in Verbindung und waren daherwasserreiche, viele Inseln enthaltende Seen, während sie jetzt beträchtlich vvm Meeregetrennt und, außer in der Regenzeit, meist trocken sind. Besonders aber entstan-den aus diesen Einwirkungen die gewaltigen Dünenreihen, welche an der östlichenHälfte der Nordküste in großer Mächtigkeit abgelagert sind, sowie die langen Stricheseinen Triebsandes, die sich über flache Uferstellen bis weit in das Land hineinziehen.Hier haben wir also die Quellen des großen Sandstromes der Sahara. ° Der bei deraußerordentlich großen Evaporation, die im Mittelmeere statthat und durch die alleinsich die an beiden Enden vom Atlantischen Ocean und vom Schwarzen Meere her-kommende Einströmung ausgleicht, schnell trocknende Meeressand wird von den hef-tigen Nordwinden in das Land hineingetrieben, bis er in der Libyschen Wüste in denBereich des dort vorherrschenden Ostwindes kommt, und nun seinen großen Zug überdie Sahara nimmt. Im Atlantischen Ocean angekommen, wo er über 100 Meilenbreite weitgestreckte Sandbänke bildet, wird er an der dortigen Küste von der erst vonNorden nach Süden, und dann vom Cap-Verde aus nach Westen kreisenden Meeres-strömung weitergeführt. Es ist dieser stete, quer über die austrocknende Tafel derSahara geleitete Meeressandstrom eine gewaltige Erscheinung, ein Vorgang von ge-wiß sehr vielfacher, weitgreifender Wirkung.
Neben dem Stein und Sand ist das Salz überall in der Sahara gegenwärtig.Der Boden ist überall stark mit Salz geschwängert, an vielen Stellen gibt es aus-gedehnte Salzfelder und Sebcha oder Salzlachen. Sehr viele Brunnen und Quellensind bräckig (salzig). Kameel und Palme, diese beiden Träger und Vermittler derSaharacultur, lieben die salzhaltige Feuchtigkeit und gedeihen vortrefflich dabei.
Eine Haupteigenthümlichkeit der Sahara besteht in der Abwesenheit oder großenSeltenheit des Regens. Die Sahara bildet ein Hauptstück des regenlosen Gürtels,welcher sich rund um die Erde zieht und, nebst der Sahara, aus den Wüsten von Ara-bien, Persien, Beludschistan, dem Tasellande von Tibet und dem Tafellande von Mexicobesteht. Doch bilden einige Striche in der südlichen Sahara, namentlich südlich vom20.°, welche vermöge ihrer großen Höhe die Sudanregen anziehen, z. B. das Gebirgs-land Ahier (Asben), hiervon eine Ausnahme und haben regelmäßige starke Regen.
Die Hamada hat in der Südsahara die größte Entwickelung in der Breite undHöhe. Die hohe Sandsteintafel, aus der sie größtentheils besteht, wird hier anmehren Stellen von noch höher« Eranitbergen durchbrochen. Die Westsahara hatim Norden einen Hamadadamm von ungefähr acht Tagereisen Breite, das Asahuar,und im Süden einen solchen von 14 —19 Tagereisen Breite, das Asahuad (die großewasserlose Wüste), während in der Mitte zwischen beiden Dämmen der Flugsandstrichhinläuft. Jene Hamada aber im Norden der Westsahara zieht in die mittlere Sahara,im Süden von Tripolis und der Großen Syrte. Ein Höhenzug, der sich im Südwestenvon Audschelah erhebt, parallel mit dem Ostuser der Großen Syrte nach Fezzan hinunter-zieht und auf dieser Strecke den Nordrand der Sahara bildet, stößt der Südostspiße derGroßen Syrte gegenüber auf jene Hamada, welche von hier aus einen großen Bogen,parallel mit dem Westufer der Großen Syrte, dem Ghariangebirge und dem Atlas, be-schreibt. Den Rand der Hamada an der äußern oder Nordseike bildet ein Gebirgs-zug, an der Stelle, wo der Höhenzug von Audschelah anstößt, der Schwarze Ha-