Afrika.
207
Heceroland beschränkt sich daher nur auf die Rinnsale der Regengewässer und dieden wenigen Quellen unmittelbar anliegenden Strecken, wo allein Viehzucht möglich,während Ackerbau fast überall unthunlich ist. An diesen beschränkten Stellen herrschtÜberfluß an Gras, und die Herero besitzen zahlreiches Rindvieh, das sehr wild undstark, sodaß es mitunter, wie der Büffel, Löwen widersteht. Pferde hingegen unter-liegen der jährlichen Seuche. Alle wilden Thiere Südafrikas sind hier häufig.
Die Herero sind ein erst in neuerer Zeit hier eingedrungener, wahrscheinlich ausBunda vertriebener Batschuanastamm. Es sind schlanke, an sieben Fuß hohe Leute,mit offener Stirn, reichem, obgleich wolligem Haar und regelmäßigen Augen. Ingeistigen Eigenschaften entsprechen sie jedoch diesem schönen Äußern nicht: sie zeigensich schmuzig, nachlässig, habgierig, gefühllos und dumm. Sie leben in kleinen, von-einander unabhängigen und nie etwas gemeinschaftlich unternehmenden Stämmenunter Häuptlingen, die eine Art priesterliches Ansehen besitzen. Die Hütte des Häupt-lings steht immer im Osten der Ongando (Dorfschaft) und vor derselben befindetsich eine Art Opferstelle. Der Häuptling schlachtet die Ochsen, welche bei festlichenGelegenheiten verspeist werden; er segnet das Vieh und seine Tochter besprenkelt esmit einem in Wasser getunkten Pinsel. Die Reichen besitzen zahlreiche Rinderher-den; sie essen jedoch nur bei seltenen Gelegenheiten Fleisch und leben gewöhnlich vonMilch und Kani. Die Milch genießen sie sauer wie alle Völker, welche Milch zurHauptnahrung machen. Die Armen halten sich nur an die Kani. Als bemerkens-werth erscheint, daß die Herero gar kein Salz benutzen, das im Lande auch nichtvorkommt, obgleich nach den gewöhnlichen Vorstellungen eine vegetabilische Speise,wie die Kanizwiebel, gerade viel Salz erfodern sollte. Sie erfreuen sich dennoch derbesten Gesundheit. Ihre Hütten haben nicht mehr die Bauart der Batschuana, son-dern die Korbform der Hottentotten. Ihr Hausrath besteht in einigen Rindfellen,hölzernen Näpfen, irdenen Töpfen, Säcken mit Kani, in einem ledernen Beutel mitErde zum Färben der Haut, einer Haut mit Fett, sowie in eisernen Messern undHacken. Der Feuerherd befindet sich in der Mitte der Hütte, und rund umherschlafen die Bewohner nackt. Die Kinder der Ärmern werden früh sich selbst über-lassen und müssen sich selbst ihre Kani graben. Diese armen Kinder zeigen schau-derhaft hagere Körper auf, steckenanige Glieder und geschwollene Bäuche; und dochwachsen sie aus zu so stattlichen Männern.
Neben den Herero bewohnen das Land die Ursassen desselben und des nörd-lichen Namaqualandes, die Ghau-Damup, Hakoin oder Bergdamara, als Knechteder Herero oder frei in unzugänglichen Gebirgen und Wüsten, namentlich im Erongo,Koniato, Omuwereum, Kaoko, und im Osten in den wilden Schluchten des mittlernOmorambo. Sie ziehen Ziegen und Schafe, treiben auch einigen Ackerbau. Dieöstlichen am Omurambo nennen sich Saun-Damup. Der Name Ghau-Damup sollsoviel wie Kothleute bedeuten; sie haben sich denselben beigelegt, um ihre jetzige Nie-drigkeit zu bezeichnen. So sagen sie auch wol, sie seien Abkömmlinge der Affen.„Warum", sprechen sie, „sollen wir nicht der Affen Bruder sein? Jedermann ver-folgt uns Beide gleich; wir wohnen zusammen auf den Bergen, essen dieselben Wur-zeln und ergraben sie mit den Händen auf gleiche Weise." Sie hegen einen glühen-den Haß gegen die Herero als Eindringlinge im Lande, während sie sich zu den
Hottentotten, die schon seit alter Zeit im Lande sind, freundschaftlich verhalten. Busch-männer, d. h. wilde Hottentotten, wohnen im Süden der Saun-Damup, in dem
öden Lande nördlich vom Omuwereum und an einigen Stellen des Kaoko.
Ein Umstand von mannichsacher Bedeutung war die Begründung der deutschenMissionsanstalten am Nordufer des Schwachaub, wozu der Bremer Schmelen, derNamaqua-Missionar, zuerst anregte. Schmelen hatte auf seiner bereits erwähntendreimonatlichen Reise bis an den Awaß Erkundigungen über Hereroland eingezogen,und war zu der Überzeugung gelangt, daß die Errichtung einer Mission daselbstvon großer Tragweite sein würde. Aber zwanzig Jahre gingen darüber hin, eheer seinen Lieblingsplan ins Werk setzen konnte. Der Plan wurde endlich von der