212 Afrika.
das Njassibecken und die östlichen Küstenstüfen. Wir betrachten hier nur die beidenBecken.
Bei Erhebung der erwähnten beiden parallelstreichenden Gebirgszüge scheinen sichauf eine eigenthümliche Weise an deren Westfuße tiefe Erdspalten gebildet zu haben,in welchen, oder vielmehr in deren daraus entstandenen Vertiefungen die Betten desobern Zaire und des Njassi hinziehen. Das Gebirge an der Ostgrenze des Zaire-beckens, das Jmpume, nimmt nach Süden allmälig an Höhe zu, bis es sich endlich mitdem großen Gebirgsknoten Lobale an der Nordspitze des Sambesebeckens vereinigt.Im Lobale entspringt die Lulua, der obere Zaire. Dieselbe fließt in dem erwähntentiefen Thale längs des Westfußes des Gebirges nach Nordwesten, wobei sie aufder Ostseite 120 Bergflüfsc aufnimmt, bis sich der parallellaufende Omanzo mitihr verbindet, worauf sie nach Westen umbiegt und nun Zaire genannt wird. ZnLvbale entspringt ferner die Luapula, der Hauptfluß des Njassibeckens, welcher inder entgegengesetzten Richtung, nach Nordosten, zum See Njassi fließt. Zn Lobaleentspringen also die drei Hauptflüsse des Sambese-, des Zaire- und des Njassi-beckens, und dieser große Gebirgsknäuel ist gewissermaßen das Herz des ganzen Wasser-systems dieses Theils von Südafrika.
Die Einwohner des obern Zairebeckens sind die Malua (Molua, Alua), be-herrscht von dem Muropue (König), der in Muata-ja-Nvo (5° 50' südlicher Breite,19° 53' östlicher Länge, nördlich von der Zaireumbiegung) seinen Sitz hat. DieMalua sind stattliche Männer, die Arme und Beine mit Kupferringen, das Haar mitPapagaiensedern geschmückt tragen. .Sie sollen in der Gesittung weit vorgeschritten sein.Ihre Hauptstadt soll eine beträchtliche Ausdehnung haben. Das Zmpumegebirge istreich an Kupfer.
Am Fuße des das Njassibecken im Osten begrenzenden Gebirges, des Njesa oderMnimadi, liegt, in gleicher Vertiefung mit der Lulua, der Njassisee, nach seiner imVerhältniß zur Länge unbeträchtlichen Breite einem abgestauten Flusse nicht unähnlich.Die Breite beträgt für die Boote der Eingeborenen drei Tagereisen, wobei die Nächteauf Werdern zugebracht werden, die Länge ist nicht genau bekannt, erstreckt sich aberjedenfalls über den 9.° hinaus. Die Eingeborenen brauchen zur Reise vom nörd-lichen zum südlichen Ende des Sees den großen Zeitraum von zwei Monaten. DasNjesagebirge liegt 60 Tagereisen oder 370 Meilen vom Meere. Der See Njassi aberliegt sieben bis acht Tagereisen vom Gipfel des Gebirges und erhält, wie es scheint,keine Zuflüsse daher.
Die Südgrenze dieses Beckens bildet das Mutschinguegebirge, welches von Nordostennach Südwesten streicht, voll Moräste, öde und unfruchtbar ist, kalke Nächte und heißeTage hat. Nördlich vom Mutschingue wohnen in einem breiten, rauhen Thale dieMabifa (Mowisa), welche zu dem großen und begabten Volke der Nawaranga ge-hören, dessen Haupt- und Stammsitz in Mauana-Mauesi (Monomoesi) am Ostabfalledes Njesagebirges ist, während sie weiter südlich am untern Sambese das KönigreichMonomotapa (Mwana-Motapa) gebildet haben. Sie werden bereits von den älternportugiesischen Schriftstellern als ein wohlgesinntes und wohlgesittetes Volk beschrieben,und sind die besten Handelsleute dieser Gegenden. Durch sie werden die Productedes Innern: Sklaven, Kupfer, Elfenbein, Wachs und Öle, nach der Küste ausge-führt und europäische und asiatische Waaren eingeführt. Sie tragen alle anständigeKleidung. Die Mabifa haben sich in ihrem rauhen und öden Lande angesiedelt,weil es eine wichtige Handelsstation für den Transithandel zwischen den nördlichenund südlichen Zweigen ihres Volks, dem Thale der Luagula und dem Njassisee, bil-det, und sie erhoben sich durch ihre Betriebsamkeit zu solchem Wohlstände, daß manihr ödes Land Tanga, Reichthum, sie selbst Uauue, die Reichen, zu nennen pflegt.Eine Reihe von Anhöhen und sumpfigen Niederungen trennt die Mabifa von derschönen Ebene der Luagula, welcher ausgedehnte Landstrich bei einer Seehöhe vonungefähr 1500 Fuß eine höchst üppige tropische Vegetation und dichte Hochwaldung,wie Brasilien, besitzt. Der Elefant und der Löwe erlangen hier eine erstaunliche