Afrika. 215
ein Dach gestaltet ist, aus welchem zwei hohe gleichartige Spitze» wie Thürme empor-ragen. Er liegt 20 Minuten vom Äquator, nordwestlich vom Kilima-Ndscharo.
Rcbmann und Krapf haben außerdem in den Küstenlandschastcn, in den Ge-bieten des Königs von Usambara und des Zmam von Maskat, beträchtliche Unter-suchungen angestellt. Ein Umstand von besondern! Interesse ist, daß sie von dieserüberaus fruchtbaren, aber für Europäer so gefährlich erachteten Küste, trotz ihrervielen angestrengten Reisen, während welcher sie mitunter längere Zeit im Freienzubrachten, ihre Gesundheit ungefährdet bewahrten — ein neuer Beweis, wie dieUnzuträglichkeit tropischer Länder für Europäer weniger im Klima als in der gewöhn-lichen Unfähigkeit liegt, sich einer entsprechenden Lebensart zu unterwerfen.
Bei Betrachtung der erhabenen Gebirgsformen, mit denen der Ostrand des afrika-nischen Binnenlandes unter dem Äquator auftritt, kann man kaum umhin, dieselbenmit dem großen Mondgebirge in Verbindung zu bringen, in welchem nach Angabeder Geographie des Claudius Ptolomäus von Alexandrien die ersten Quellen desNil entspringen. Zwar kann man - sich von den alten Geographen nur da leitenlassen, wo sie von neuern Reisenden Bestätigung erhalten, und es stellt sich insbe-sondere in der Geographie heraus, wie viel Mythologisches in die Wissenschaft derAlten eingcschmolzen ist. So mag sich denn auch das vielbesprochene Gebirge Sele-ne's als Mythus erweisen. Freilich, der große Alexandriner ist gerade in seiner An-gabe, daß die Nilquellen unter dem Äquator, der Küste von Zanguebar gegenüber,liegen, ganz positiv; und ebenso finden sich die Mondgebirge als eine bestimmte That-sache angegeben. Es fand auch damals viel Verkehr mit der anliegenden Ostküstestatt. Desgleichen werden diese Angaben über das Mondgebirge und die dort lie-genden Nilquellen bei den über jene Gegenden so wohlunterrichteten Arabern wieder-holt und weiter ausgeführt, bei Masudi und Edrisi. Woher, kann man fragen,wissen wir, daß diese Ängaben bloße Wiederholungen des Ptolemäus, und nicht aufeigener Kunde der Äraber begründete Thatsachen sind? Andererseits aber ist die neuereErkundung des obern oder Weißen Nil, des Bahr-el-Abiad, bis zu jedenfalls vomÄquator nicht sehr entfernten Breiten vorgerückt. Der Weiße Nil, zuerst von Mailletin dessen „vssoriptioir clo I'LZ^pls" (1735) erwähnt, wurde dann 1827 von Linantbis Kordofan explorirt. Doch beginnt unsere Kenntniß des obern Laufes erst mitdem Vorrücken der ägyptischen Macht in jenen Gegenden. Im Jahre 1839 ent-sandte Mehemed-Ali eine Untersuchungsexpedition unter Selim Bimbaschi, welchebis zu den Elliab, 6 ° 35" nördlicher Breite, kam, und im Jahre 1841 eine zweiteExpedition, welcher d'Arnaud und Werne beigegeben waren, und die bis zum WerderTschanker (Chanker) unter 4 ° 42" vordrang, wo sie von einer quer durch den Flußsehenden Felsenbarre aufgehalten wurde. Die letztere Expedition ist seitdem die Haupt-quelle zur Kenntniß des Bahr-el-Abiad. Doch haben seitdem dort anwesende Mis-sionare und genueser Kaufleute den Fluß noch weiter aufwärts verfolgt, nämlich zehnTagereisen südöstlich bis zum Dorfe Loka, eine Tagereise von Robenga, der Haupt-stadt der Kuenda, welche nicht Neger sind, wo der Nil'in zwei Strömen von demGebirge von Komberat herabkommt. Aus Allem ergibt sich mit großer Wahrschein-lichkeit, daß die Nilquellen — und vom Niger (Binue oder Tschadda) dürfte Dasselbegelten — in der Nähe des Äquators in einem hohen Gebirgslande entspringen. In-dessen sind alle bisher darüber erhaltenen Nachrichten noch im Ganzen kärglich undselbst mannichfach in Widerspruch miteinander, sodaß sie gar sehr der Berichtigungbedürfen. Es ist hiermit wie mit Afrika überhaupt: erst nach vielen Jahren werdenwir durch vollständige und wahrhaft wissenschaftliche Karten Aufschluß erhalten.
Während auf diese Weise jene Gegenden noch vor unsern Blicken in unbe-stimmter Nebelform hin- und Herschwanken, wird plötzlich von einer andern Seiteher ein ganz neues Licht darüber geworfen, in welchem sich buchstäblich ein sehr be-trächtlicher Theil dieser Region — in Wasser auslost. Nach Briefen des erwähntenMissionars Rebmann aus Mombas vom 20. und 30. April 1855 soll sich nämlichvon nördlicher Breite bis 13'/,° südlicher Breite ein Binnenmeer, doppelt so