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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

keine Nationallikeratur. Das Vaterland der Eutenberg^ Kopernicus, Luther, Keplerund Leibniz hatte keinen Schriftsteller in der Muttersprache, dessen Name den Nach-barvölkern bekannt wurde. Deutsche Feldherren und Staatsmänner, deutsche Philoso-phen und Gelehrte waren berühmt, aber deutsche Schriftsteller kannte man nicht."Und im Jahre 1816 sagte dieselbe Zeitschrift in einer Besprechung von Goethe'sDenkwürdigkeiten: „Noch vor 25 oder 50 Jahren wußte man von Deutschland nichtviel mehr, als daß es ein ausgedehntes Land sei, vollgepfropft mit Husaren undclassischen Editoren, daß es in Heidelberg ein großes Faß gebe und daß man mittrefflichem alten Hochheimer und westfälischem Schinken, wenn auch mit nichts An-dern», dort den Geschmack befriedigen könne. Au der Zeit kannte man keinen andernSchriftstellernamen, als der etwa vor esnem Trackat prangte, durch welchen irgendeinSerenissimus so und so viel Köpfe für einen billigen Marktpreis verkaufte, oder vor einemgelehrten Commentar, angeschwollen von griechischer und lateinischer Wortklauberei" u.s.w.

Gegenwärtig weiß man von Deutschland im Auslande mehr, als daß es darinviele Husaren, classische Editoren und ein großes Faß gibt; man reist nach Berlin,Dresden und München nicht, um sich an westfälischem Schinken und altem Hoch-heimer gütlich zu thun, sondern um deutsche Kunst und Wissenschaft, auch wol deut-sches Leben kennen zu lernen und sich im Sprechen der deutschen Sprache zu üben.In der That, so viele Schwierigkeiten der Ausländer bei dem Erlernen der deutschenSprache theils infolge ihrer schweren Sprechbarkeit, theils infolge ihrer schwierigenSyntax, theils selbst infolge der aus der Mönchsschrist hervorgegangenen deutschen Letternzu überwinden hat, so mehrt sich doch sichtlich die Zahl derjenigen Ausländer, welchesich die Mühe nicht verdrießen lassen, deutsch zu lernen, um unsere großen Schrift-steller in der Ursprache lesen zu können. Ein deutscher Tourist behauptete vor einigerZeit im „Ausland", daß die Franzosen in neuester Zeit vom Deutschsprechen angestecktworden seien (wie dies auch Neigebaur von den Frauen der höher» Stände in Turinbehauptet); er selbst habe das Glück gehabt, in einer französischen Familie, die in denPyrenäen begütert, zu Tische niederzusitzen, wo unter 16 Personen, mit Ausnahme derFrau vom Hause und einer Engländerin, Alles deutsch sprach oder doch verstand. Viel-leicht war dies nur ein glückliches Ungefähr, was sich in dieser Weise nur selten wieder-holen dürfte; jedenfalls aber beweisen die zahlreichen Artikel über deutsche Literatur, Kunstund Wissenschaft, denen man jetzt in ausländischen Journalen begegnet, daß die ZahlDerer keineswegs gering sein kann, welche wenigstens deutsch lesen und verstehen.Die ausländischen Autoren setzen eine Ehre darein, in Deutschland gekannt und an-erkannt zu werden; Bulwer widmete seinen „Naitravsrs" dem deutschen Volke, einem„Volke von Denkern", und die Engländerin Karoline Norton, die ihre Schrift überdie Stellung der Frauen in England zuerst in Deutschland erscheinen ließ, äußertin dem der Schrift vorgedruckten Schreiben an Max Schlesinger, daß es immer zuihren schönsten Jugendträumen gehört habe, mit Ehren bei dem deutschen Volke be-kannt zu werden, dessen große ästhetische Literatur die Literaturen Europas beherrsche,dessen Poesie die Wurzel zu sein scheine, aus der alle andere Poesie erwachse underblühe, und dessen Volkscharakter ihr immer die tiefste Bewunderung eingeflößt habe.

Eigentliche allgemeine Umgangssprache, wie das Französische, wird zwar diedeutsche Sprache niemals werden können, umsomehr aber scheint sie berufen zusein, die vermittelnde Sprache, gewissermaßen die Centralsprache im wissenschaftlichenund literarischen Verkehr zu werden, theils weil die Literatur keines andern Volkssich so allseitig entwickelt hat und so Vieles bietet, theils weil die reine Denkarbeit,unterstützt von einer Sprache, die sich zur Behandlung abstrakter Gegenstände wun-derbar eignet nnd gewissermaßen selbst ein fortdauernder dialektischer Denkproceß ist,es bei keiner andern Nation zu diesen erhabenen Resultaten gebracht und alle Gat-tungen der Poesie wie alle Zweige der Wissenschaft so durchdrungen hat, theils weilkeine andere Sprache so geschmeidig und in dem Grade fähig ist, die geistigen Pro-duktionen anderer Völker dem Geist wie der Form nach mit gleicher Treue wiederzu-geben. Der Russe oder Pole, der nicht griechisch, englisch oder spanisch, aber deutsch