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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

versteht, wird die Homerischen Epopöen, oder Shakspeare's Dramen, oder den „DonQuixote" aus deutschen Übertragungen kennen lernen und er wird, soweit diesdurch Übersetzungen überhaupt möglich ist, so ziemlich den Eindruck des Originalshaben; und der Franzose oder Engländer, der nicht russisch oder schwedisch, aberdeutsch versteht, wird nicht gerade sehr viel vom Original entbehren, wenn ersich an deutsche Bearbeitungen der Puschkin'schen Dichtungen und der „Frithjofssaga"hält. So sehen wir denn auch in der That, daß englische und französische Blätterihren Besprechungen slawischer oder skandinavischer Productionen deutsche Übertragungenzugrunde legen. Das londoner „^tbsimsum" bemerkte bei einer Anzeige der Boden-stedk'schen Bearbeitung Puschkin's: diese Bearbeitung werde ohne Zweifel ihre Diensteauch über die Grenzen Deutschlands hinaus erstrecken, da die Kenntniß der deutschenSprache so weit verbreitet sei, die slawischen Sprachen aber nur von einer sehr be-schränkten Zahl Gelehrter verstanden würden. Ähnlich äußerte A. Geffroy in der„ktsvus ciss äsux M0NÜ88" in einem Artikel über die Dichtungen Runeberg 's, wo-bei er sich der von Jda Mewes besorgten Übertragung derselben bedient hakte: diedeutsche Sprache sei zu Übersetzungen so geeignet und die Ärbeit der Frau Mewesso verständig, daß ihr Buch ein zweiter Text für Diejenigen werden dürste, welchedas Schwedische nicht verständen. Ein andermal behandelte dieselbe französische Revuedie altrussischen Heldengesänge nach den Arbeiten deutscher Sprachkenner und wiesdabei darauf hin, wie nun auch das Russische in die ausgedehnte Bewegung der beiden Deutschen so hochentwickelten Sprachforschung eingetreten sei. Schukowski, derkein Wort russisch verstand, übersetzte sogar die „Jliadc" nach deutschem Material.

Ebenso schön als richtig erkennt Philarete Chasles in der Ausbildung der deut-schen Sprache, vornehmlich durch Luther und dann durch Goethe, ein „civilisirendesWerk von dem größten Interesse für den Fortschritt des Menschengeschlechts". DieAufgabe, welche Deutschland zu erfüllen habe, sei (bemerkt er weiter) die central-gcistige und centralliterarische Mission, welche somit eine heilsame Ergänzung auch zuder praktischen Mission Englands bilde, und er fügt hinzu: „Die deutsche Spracheist das große geistige Werkzeug der Verschmelzung der Völkerstämme und der Geister."Gefördert wird diese Mission des deutschen Volks und seiner Literatur durch die Cen-trallage Deutschlands, die es mit den slawischen und magyarischen Volksstämmen imOsten, mit den skandinavischen im Norden und mit den romanischen im Westen undim Süden, durch rasche maritime Verbindung aber auch mit England und Nord-amerika in fortdauernde, gleichmäßig starke Berührung bringt. Diesen hinüber undherüber wirkenden gemischten Einflüssen verdankt man es vielleicht, daß kein Land soviele Centralköpfe — wir nennen nur Lessing, Herder, Goethe, Tieck und Humboldt—,so viele nur in den höchsten Regionen des allgemeinen menschlichen Bewußtseins ver-kehrende Denker von Leibniz und Kant an bis auf Jean Paul, Hegel und Schellinghervorgebracht hat als Deutschland. Für Schiller blühte die Freiheit nur im „Reichder Träume"; Wieland hatte sich ebenfalls vom Boden der Nationalität abge-löst, und nur bei Klopstock erkennen wir ein wirkliches concentrirtes politisches uridnationales Bewußtsein. Herder, obschon er auch einzelne patriotische Oden dichtete,in denen er die Zerrissenheit des Vaterlandes beklagte, begründete zuerst mit Bewußt-sein diese universelle kosmopolitische Richtung, indem er in den poetischen Manifesta-tionen der verschiedenen Völker nur Dialekte der Einen Menschheitssprache, nurBrechungen des Einen Gokkesbewußtseins und Lebensprincips erkannte. Goethe bil-dete dann diese Richtung weiter aus, und indem er sich selbst als den Mittelpunktder europäischen Literatur fühlte, erhob er sich zu dem Gedanken einer „Weltlitera-tur", die gegenwärtig im besten Gange ist. Nur in Deutschland konnte der Versucheiner Likeraturgeschichte gemacht werden, welche, wie die von Theodor Mundt, die Ent-wickelung dieses sich fortspinnenden völkergeschichtlichen Processes in der Literatur zuihrem leitenden Gedanken gemacht hat; nur in Deutschland können Blätter bestehen,die wie das „Ausland" und das „Magazin für die Literatur des Auslandes " sich aus-schließlich dieser Aufgabe wie der Kenntniß ausländischer Zustände überhaupt widmen,