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Deutsche Literatur im Auslande.
oder wie die „Blätter für literarische Unterhaltung" diese centralliterarische Aufgabe zukeiner Zeit aus den Augen verlieren. Aus derselben Richtung sind die alle Deutsche aufdem Erdball verknüpfende „Allgemeine Zeitung" und das gleicherweise über das ganzeUniversum verbreitete „Conversations-Lexikon" mit seinen Neben - und Ergänzungswerkenhervorgegangen. Es ist ein durchaus deutscher Gedanke, wenn L. Natisbonne in der„Usvuo eontsmporsmrs" seiner Zeit bemerkte: „Die allgemeine Verschmelzung derVölker ist zwar für jetzt noch ein Traum, scheint aber bestimmt, innerhalb der gei-stigen Welt mehr und mehr und mit ziemlicher Raschheit zur Wahrheit zu werden.Schon haben die Ideen kein Vaterland mehr, oder vielmehr sie haben nur die großeAllgemeinheit zu ihrem Vaterlande." Er verkennt dabei freilich nicht, daß bei dieserAllgemeinheit auch Manches verloren geht, daß sich der ursprüngliche Charakter derVölker immer mehr verliere, die nationale Originalität sich abschleife und die Werkeihren „MÜt piqusnt clu terroir", gleichsam den Territorial-oder Erdgeschmack verlieren.Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß zur Entwickelung dieses internationalen Verkehrsauf dem Literaturgebiete auch der eigenthümlich organisirte und einen kosmopolitischenZug an sich tragende deutsche Buchhandel das Seine beitrug. Es wurden nicht nurdie ältern Verbindungen des deutschen Büchermarkts mit ,dem Auslande, mit England,Holland, Dänemark, Schweden u. s. w-, sorgfältig gepflegt und erweitert, sondern derdeutsche Buchhandel eroberte den Erzeugnissen des deutschen Geistes in den letztenZahrzehnden geradezu neue Gebiete, indem z. B. deutsche Firmen in Frankreich und denVereinigten Staaten entweder selbständige Etablissements begründeten oder doch daselbstregelmäßige und geordnete Geschäftsbeziehungen anknüpften.
Die Einflüsse der deutschen geistigen und literarischen Bewegung auf das Aus-land sind so entschiedener Art, daß sich Alfred Netkement veranlaßt sah, in seiner„llistoirs äs la littöraturs krsntzgiss 8ous la klost-mrstion" dem Einfluß der engli-schen und deutschen Literatur auf die französische ein besonderes Capitel zu widmen.Daß Deutschland neben Frankreich und England an der Spitze der geistigen Bewe-gung Europas schreitet, ist im Auslande anerkannt und feststehender Satz. Unterden Dichtungen neuerer Zeit können keine genannt werden, die eine größere welt-literarische Bedeutung gewonnen hätten als Goethe's „Werther", „Faust" und „Wil-helm Meister". Überall, wo die Poesie sich aus dem Zwange steifer Regelmäßigkeitzu freierm Aufschwünge erhob, in Frankreich wie in Rußland, in Polen wie in denskandinavischen Ländern, sehen wir diese Wiedergeburt im Anschluß an die deutschePoesie vor sich gehen. Der penetrirende Geist der deutschen Philosophie bricht sichnach allen Seiten hin Bahn, zieht Volk auf Volk in seine Bewegung und wirdnamentlich auch in mehr despotisch regierten Ländern von jünger« Talenten alsFerment gepflegt. Ausländer, wie so manche Ungarn und Russen, bedienen sich derdeutsche» Sprache, um europäische Geltung zu gewinnen und ihren Ansichten Ein-fluß zu verschaffen; ein Engländer, John W. Kemble, ein Schüler I. Grimm's, ver-faßte seine Schrift „Über die Stammtafel der Westsachsen" in deutscher Sprache;die bedeutendsten dänischen Dichter, der Franzose Chamisso, der Üngar Baködy,der Illyrer Jellachich, der Mailänder Cajetan Cerri, zugleich Poet in italieni-scher Sprache, der Russe Jacowlew dichteten oder dichten noch in deutschem Idiomund zeigen sich ganz und gar von deutschem Geiste erfüllt. Jüngst übertrug einSchotte eine Anzahl schottischer Volkslieder in deutsche Sprache, und der nordamcri-kanische Dichter Longfellow hat sich wenigstens nach deutschen lyrischen Mustern ge-bildet, während dessen Landsmann, Thomas Parker, die deutsch-philosophische Rich-tung in der Theologie mit Entschiedenheit vertritt, der Franzose Quinet und der PoleMickiewicz in deutsch-metaphysischem Sinne dichteten, und der Engländer ThomasCarlyle ein germanisirtes Englisch schreibt, das selbst in seiner luxuriösen Satzbildungdie Einflüsse deutscher Vorbilder verräth. Hat doch sogar ein indischer Bramine,Christian Rama Ayen, der zweite Bramine seit 100 Jahren, der Christ geworden,eine tamulische Handschrift ins Deutsche übersetzt und 1855 in Hamburg herausgegeben.
Indem wir nun zu der Betrachtung derjenigen Länder, die sich mehr oder wem-