Band 
Zwöflter Band.
Seite
234
JPEG-Download
 

234

Deutsche Literatur im Auslande.

schenhaß und Reue" auf dem Ursätrs krsn^ais zur Aufführung, die aber begreif«licherweise wenig ansprach. Mit Gerard harte A. Dumas früher Mehrcs in Com-pagnie gearbeitet, unter Anderm im Jahre 1831 ein deutsches Studentenstück unterdem Titel: „bso öuroülmrcit", welches auch aufgeführt und dann mit einer Samm-lung von Aktenstücken in Betreff der geheimen deutschen Gesellschaften gedruckt wurde.A. Dumas ist bekanntlich überhaupt nicht sehr scrupulös in der Benutzung frem-der Federn, und nach dem Grundsätze, Alles zu prüfen und das Beste für sichzu behalten, hat er in seine Theaterstücke aus deutschen Dramen, namentlich ausden Schiller'schen, manche wirksame Scenen in oft wortgetreuer Übersetzung hinüber-genommen. Das französische Publicum hat gerade kein sehr empfindliches literari-fches Gewissen und ist namentlich gegen solche Razzien in das Gebiet ausländischerLiteraturen sehr duldsam.

Für die deutsche Lyrik fehlt es in Frankreich nicht an Sympathie, und ihrevorzüglichern Erzeugnisse würden ohne Zweifel häufiger auf französischen Boden ver-pflanzt werden, wenn nicht die gemüthvollen Hauche des deutschen Liedes, diese un-bestimmten Ahnungen und innerlichen Anschauungen, bei einer solchen Verpflanzungin französische Rhythmen an ihrem ursprünglichen Zauber zu viel einbüßten. Dochist anerkennenswerth, daß selbst die patriotischen und kriegerischen Lieder Körner's,denen dabei freilich die schönen Weber'schen Melodien zu Hülfe kamen, in Frankreicheines großen Rufs genießen, obschon sie gegen die Franzosen selbst gerichtet sind-Indeß hat der Franzose von Natur einen großen Respect vor allem, was eine be-deutende Wirkung macht oder gemacht hat, vor jeder Entschiedenheit des Willensund jeder Energie des Ausdrucks. Diese Eigenschaften erkannten die Franzosen inder Erhebung Deutschlands wie in der patriotischen Poesie, durch- die sie befeuertwurde. Eine Anthologie deutscher Gedichte gab der schon mehr genannte Gerardunter dem Titel heraus: „tlkoix ciss dsliaüss st cls possiss cls Eoslüs, 8okitlsr,Lürgsr, lxlopstosk, Sobubart, Kürnsr, llülsnci etc;.", wozu er im Jahre 1835 alsNachtrag eine Bearbeitung der Bürger'schen „Lenore" folgen ließ. Auch der De-mokrat Flocon, eine zeitlang als Minister der College Lamartine's, hat eine AnzahlGedichte, namentlich nordische Balladen nach Bürger, Kosegarten u. s. w., in fran-zösischer Nachbildung herausgegeben; sie scheinen jedoch wenig Anklang gefundenzu haben.

Wenn epochemachende wissenschaftliche Werke, wie Creuzer's „Mythologie undSymbolik" (von Gieugniot unter dem Titel: „6ro)-snoss relirstsusss clss psupiessneisns", übertragen) oder Liebig's „Chemsche Briefe", von denen in Paris zu glei-cher Zeit zwei Übersetzungen erschienen, oder Humboldt's „Kosmos" in Frankreichihre Übersetzer finden, so hat dies nichts besonders Auffälliges; dagegen ist die Er-scheinung beachtenswerth, daß man sich in Frankreich, wie schon zur Zeit Kant's,mit der deutschen Philosophie und ihren Systemen fortdauernd mit großem Eifer be-schäftigt. Vorzüglich verdienen auf diesem Gebiete die Bestrebungen Victor Cou-sin's Beachtung. Erst Anhänger der sogenannten schottischen Philosophie, wandte ersich, nachdem er im Jahre 1817 einen Ausflug nach Deutschland gemacht, derdeutschen zu, und war nach und nach Schüler und Anhänger der Systeme Kant's,Jacobss, Fichte's und Schelling's. So bildete er sich zum Eklektiker aus, der sichaus allen Systemen aneignete, was ihm für seine Zwecke am brauchbarsten schien.1824 war er abermals auf. Besuch in Deutschland, und wurde in Dresden, infolgemehrer sehr freimüthiger Äußerungen, auf Betrieb der preußischen Regierung ver-haftet und nach Berlin geführt, um hier seine geheimen Verbindungen mit deutschenDemagogen zu bekennen. Diese ohne Zweifel höchst übereilte Maßregel mußte je-doch bald zurückgenommen und Cousin auf entschiedenes Andringen der französi-schen Regierung freigegeben werden. Doch trug Äeser unfreiwillige Aufenthalt Cou-sin's in Berlin ihm den Vortheil ein, sich durch Michelet, Gans und Hotho in dieHegel'sche Philosophie einführen zu lassen, und nebenbei die Überzeugung zu gewin-nen, daß der deutsche Geist frei und ungehindert sich entwickele und sich durch die