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Deutsche Literatur im Auslande.
hat man sich von ultramontaner Seite thätiger gezeigt, um solche historische Schrif-ten, die, wieHurter's „Geschichte Papst Jnnocenz' III.", ihren Tendenzen dienen, demfranzösischen Publicum durch Übersetzungen bekannt zu machen; ja man hat sich nichtgescheut, den deutschen Text mancher deutschen historischen Schriften zu diesem Zweckzu corrumpiren, wie z. B. in Voigt's „Hildebrand als Papst Gregor VII." und in Ranke's„Geschichte der Päpste im 16. und 17. Jahrhundert", welche letztere vom A. von St.-Cheron in Gemeinschaft mit Haiber ins Französische, oder, nach Ranke's eigenemtreffenden Ausdruck, ins Jesuitische übersetzt worden ist. Dagegen hat Ranke's „Ge-schichte Frankreichs im 16, und 17. Jahrhundert" erst jüngst an Porchat einen treff-lichen und gewissenhaften Übersetzer gefunden. Überhaupt brach Ranke, weil er schönund klar zu charakterisiern, zu gruppiren und zu schreiben weiß, der Anerkennungdeutscher Geschichtschreibung in Frankreich Bahn. Es verdient vielleicht bemerkt zuwerden, daß auch Graf Montalembert Einflüsse deutscher Bildung verräth. Er ge-hört zu den Anhängern und Verehrern des verstorbenen Joseph Görres, den er inMünchen kennen und verehren lernte, und hat sich eine Freiheit des Geistes bewahrt,die nicht ganz in das Schubfach des vulgären Ültramvntanismus passen will. So-gar von Jahn's Schriften sind einige ins Französische übersetzt worden, und zwardurch Lortet, praktischen Arzt in Lyon.
Werfen wir noch einen Blick auf das Verhalten der französischen Literatur-kenner gegenüber den Erzeugnissen der jungdeutschen Schule, insofern sie sich pro-ductiv äußerte, und auf die Erzeugnisse der modernen deutschen Dichterschule bis aufdie neueste lyrisch-epische Schule herab, so begegnen wir dabei einer eigenthümlichenErscheinung. Obschon mehre Journale und Revuen, welche, wie die „ksvus gsr-wsnigus", die „kövus äu dlorcl" und das Savoye'sche „Panorama c>6 I'MsmgAus",sich hauptsächlich mit deutscher Literatur beschäftigten, aus Mangel an TheilnahmeTodes verblichen sind, gibt es doch noch viele literarische Blätter und Revuen, welchesich bemühen, das französische Publicum mit den bessern Repräsentanten dieser Rich-tung und ihren vorzüglichern Erzeugnissen bekannt zu machen. Dahin gehören na-mentlich die „kovus üss äsux monäes", welche der deutschen Literatur immer einetreue Anhänglichkeit bewiesen hat, die „ksvus ooiitomporsins", das „^tllsnssumkrsugais" u. s. w. In der erstgenannten Revue führen vorzugsweise Henri Blaze,St.-Rene Taillandier, der Verfasser der interessanten „Uistoirs cke Is jeuns Msmagns,stuäss littsrairss" (Paris 1848) und der treffliche E. Monte'gut, der sich als vor-züglicher Kenner und Verehrer Goethe's darstellt, den deutschen Literaturinteressen unddem deutschen Geiste fortdauernd das Wort. Man muß gestehen, daß es schwer-fallen möchte, ein deutsches Journal zu nennen, in welchem französische Literatur-erscheinungen mit gleicher eingehender Wärme besprochen würden, wie die hauptsäch-lichsten deutschen Literaturerscheinungen von diesen und andern Franzosen besprochenwerden. In leichterer Weise besprach Madame d'Argoult unter dem Namen DanielStern flüchtigere Erscheinungen der deutschen Literatur. Zu diesen Pflegern des deut-schen Literaturinteresses in Frankreich kommen dann noch manche in Frankreich ein-gebürgerte Deutsche oberdeutsche Abkömmlinge und germanisirte Slawen: Depping;Duesberg; Karl Stachel (ein Pseudonymus), der im „.^tlisnasum franysis" vorzugs-weise das deutsche Departement verwaltet; Klaczko, ein geborener Pole, aber ganzdeutsch gebildet, der von Zeit zu Zeit für die „Ksvus oontsmporsins" schreibt; Ad-ler-Mesnard, welcher Schulausgaben des „Dreißigjährigen Kriegs" und des „Wil-helm Teil", und eine deutsche Anthologie erscheinen ließ; Apffel, der in Verbindungmit Henry im Jahre 1839 eine nach Heinsius bearbeitete und von Matter eingelei-tete „Histoirs cls Is littsrsturs silomsnäö " herausgab, u. A. Auch den verstor-benen Borne und namentlich Heinrich Heine kann man zu diesen Deutsch-Franzosenrechnen. Man weiß, wie der Letztere, von dessen Schriften jetzt eine französische Ge°sammtausgabe erschienen, bemüht gewesen ist, in seiner Weise die Franzosen überdeutsche Romantik und deutsche Philosophie aufzuklären. Wenn ihm aber auch aller-dings nicht das Verdienst abgesprochen werden darf, das Interesse dafür lebhaft an-