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Zwöflter Band.
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238 Deutsche Literatur im Auslande.

geregt und seine Bestrebungen durch witzige und angenehme Darstellung gefördert zuhaben, so hat er doch andererseits ohne Zweifel nicht wenig dazu beigetragen, falscheund schiefe Ansichten zu verbreiten, die der gerechten Anerkennung und Auffassungdeutschen Wesens wol eher hinderlich als förderlich gewesen sind. Auch kann manschwer glauben, daß sein zwar geistreicher, aber auch zu Persönlichkeiten und Cy-nismen nur zu geneigter Witz gerade denjenigen Franzosen eine besondere Befriedi-gung gewähren sollte, welche wirklich für Deutschland ein tieferes Interesse als dasder bloßen Neugier fühlen und es nicht zu einem Object mehr oder minder geist-reicher Witze herabgewürdigt sehen möchten. In Heine hat sich. der Witz, der fran-zösische Esprit zu sehr auf Kosten des deutschen Humors entfaltet, und nicht derEsprit ist es, den der Franzose bei dem Deutschen sucht, denn er hat ihn bei sichzulande besser.

Während nun einerseits ersichtlich in Frankreich viel gethan wird, um die Fran-zosen auch mit den neuesten Literaturerfcheinungen bekannt zu machen und ihr In-teresse für sie zu gewinnen, scheinen sie im Allgemeinen der modernen Richtung derdeutschen Poesie doch ziemlich gleichgültig gegenüberzustehen und von ihren Produk-tionen wenig Notiz zu nehmen. Sie fühlen kein Bedürfniß, selbst die gefeiertstenProducte unserer neuern Poeten kennen zu lernen.. Wäre dies der Fall, so würdemehr aus dem Deutschen übersetzt werden; aber Übersetzungen wie die einiger Ger-stäcker'schen Erzählungen, die der Ieremias Gotthelsschen und Auerbach'schen Dorf-geschichten , jene unter dem Titel „blouvsliss derrwisss" von Max Buchon bearbeitet,diese mehrfach übersetzt, am besten von Alphonse Leroy in Lüttich, oder des Ro-mans „Charlotte Ackermann" von Otto Müller, der von Porchat bearbeitet wurde,oder der Kühne'schen „Klosternovellen" von dem Oberstlieutenant B. de la Ranche-raye, unter dem Titel „blouvsiiss äs souvsnts" frei übertragen, stehen sehr ver-einzelt, während in Deutschland selbst die gewöhnlichste französische Fabrikarbeit ihrenÜbersetzer findet. In dieser Hinsicht kann das internationale Verhältniß zwischenbeiden Nationen und ihren Literaturen kein ungünstigeres sein, A. Dumas füttertjedoch die Spalten seines „Uousqustairs" ziemlich häufig mit Übersetzungen aus demVorrath deutscher Ünterhaltungsliteratur. Mehr scheinen die deutschen Vvlkssagenanzusprechen. Die Grimm'schen Märchen wurden übersetzt, und wenn wir nichtirren, so sind auch des Grafen Corberon „(lautes populsirss äs Hlismagns"Bearbeitungen dieser Märchen.

Trotzdem aber kann man als gewiß annehmen, daß der Einfluß des deutschenGeistes auf Frankreich ein bedeutender ist und, insofern dieser selbst nicht von sichselbst abfallen sollte, auch ein bedeutender bleiben wird, daß alle jüngern Talente,die dem geistigen Fortschritte ihrer Nation zugethan sind, noch für längere Zeit nichtumhinkönnen werden, an der Quelle deutscher Philosophie und Poesie zu schöpfen.Auch Maxime du Camp, der unter den jüngern Dichtern Frankreichs durch seine„6!>snis moäsrnss" fast das meiste Aufsehen erregte, hat sich, wie sein in der „ks-vus äs kai'is" erschienener Bericht über die große pariser Kunstausstellung beweist,mit deutscher Poesie und Kritik sehr genau bekannt gemacht und steht ganz undgar auf dem Boden der modernen deutschen Anschauungen. Den Hauptanstoß gab,wie schon bemerkt, hierzu'die Juliregierung, unter der an mehren Facultäten undCollegien auch Lehrstühle für die deutsche Sprache und Literatur eröffnet wurden.Auch an den Kriegsschulen wurde das Deutsche gelehrt, und es gibt manchen ge-lehrten Militär in Frankreich, der sich durch die gegenwärtige Neutralitätspolitik derdeutschen Staaten nicht abhalten läßt, die musterhafte Organisation mancher deutschenHeere und das tiefe strategische Wissen deutscher Militärschriftsteller mit Begeisterunganzuerkennen, wie dies noch jüngst E. de la Barre Duparc in seinen „Ktuäss iüsto-riquss st müilsires" gethan.

Manche andere Umstände kamen und kommen noch hinzu, um dieses rege In-teresse für die Leistungen der Deutschen auf littrarischem, wissenschaftlichem und künst-lerischem Gebiete aufrechtzuerhalten. Neben der italienischen und einheimischen