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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

Musik hatte auch die deutsche fortwährend ihre Anhänger, und besonders verdienenHector Berlioz und Scudo, obschon sie in den Endpunkten ihrer Anschauungen voll-kommen voneinander abweichen, die Anerkennung, daß sie durch ihre Kritiken indieser Richtung gewirkt und jener namentlich auf Beethoven, von dessen Jnstrumen-talgrundsätzen er selbst in seinen Produktionen ausging, dieser auf Weber hinge-wiesen hat. Hector Bcrlioz machte in den Jahren k840— 42 musikalische Reisenin Deutschland und beschrieb sie sodann. Der Cäcilienverein in Paris macht sichnamentlich zur Aufgabe, deutsche Musik zu pflegen. Der deutsche Männergesanghat sich in Paris Bahn gebrochen und das deutsche Wort „Lied" hat sich einge-bürgert. Zu gleicher Zeit nahmen auch die Künste, sowol die Baukunst als dieMalerei und Sculptur in Berlin und Dresden, in München und Düsseldorf einenungeahnten Aufschwung. ' A. Fortoul fand es der Mühe werth, über die deutscheKunst ein ganzes Buch: „vs. l'srt sn ^Ilsmsßns", zu schreiben, und wennschondie Proben deutscher Kunst, welche aus der großen Ausstellung in Paris zu sehenwaren, das große Publicum kalt ließen, so gab es doch auch tiefer Blickende, welchedarin einen Geist erkannten, der dem höchsten Ideal der Kunst näherliegt als diebestechendere Bravour und Energie der Franzosen. Auch bot die Industrieausstellungden Franzosen Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, daß die deutsche Industrie einenbedeutenden Aufschwung genommen hat und in manchen Zweigen sich wol mit derfranzösischen messen kann, in einzelnen ihr sogar überlegen ist, daß es uns überhauptnur an einer Ccntralhauptstadt fehlt, um es auch in allen übrigen den Franzosengleichzuthun. Denn wenn sie uns zur Zeit auch an Geschmack noch überlegensind , so stehen bei uns doch gewisse Kunstprincipien fest, die wieder gegen die mög-lichen Ausschreitungen des von der Mode nur zu sehr abhängigen Geschmacks eineSchranke bilden, und es ist bekannt, daß die deutschen Arbeiter in Paris soliderund ebenso kunstvoll arbeiten als die Franzosen. Nur freilich in einem gewissenraschen und energischen Erfassen Dessen, was der Zeitgeschmack fodert, im effectvollBestechenden und in der leichten Handhabung der technischen Mittel dürften wir siewol nicht erreichen.

Philarete Chasles nennt den ersten Napoleon den letzten Repräsentanten desrömischen Elements. Gegenwärtig findet gewissermaßen eine Nachfeier dieses Ele-ments in Frankreich statt, und von einer officiellen Cultivirung germanischer Ten-denzen ist daher, obschon der gegenwärtige Herrscher Frankreichs des Deutschen mäch-tig ist, weniger die Rede als unter der Juliregierung. Je mehr aber diese Hinnei-gung zum Römischen und Romanischen oder mit andern Worten zum Ultramonta-nismus in den Vordergrund tritt, umsvmehr werden die vorwärtsstrebendcn Geisteran den Resultaten deutschen Denkens als an einem Rückhalt gegen das römischeWesen festzuhalten suchen. Auch fehlt es in Frankreich nicht an eingeborenen deut-schen Elementen, und so französirt uns in der Ferne auch das Elsaß erscheinenmag, so weiß man doch, daß die theologische Facultät in Strasburg in Schrift undLehre den romanisirenden Tendenzen fortdauernd einen hartnäckigen und nicht unwirk-samen Widerstand entgegensetzt, weshalb auch die Ultramontanen eine zeitlang dahinarbeiteten, daß diese Facultät nach Nancy verlegt werde. Doch scheint dieser Planjetzt aufgegeben zu fein. Joseph Willm, Karl Schmidt, Christian Barthelmeß, Matterund Andere in Strasburg sind Stützen der freien philosophischen oder theologischenForschung nach deutschem Vorbild, während die Gebrüder Stöber mit großem Eiferauf poetischem oder belletristischem Gebiete für das Palladium der deutschen Sprachestrikten. Das durch Zähigkeit sich auszeichnende protestantische Element in Frankreichstützt sich zum Theil aus dies deutsch-elsassische, wie es auch die literarische Hülfenicht verschmäht, die ihm die calvinistische Presse des an Frankreich grenzenden Genfgewährt. Es verdient hierbei beachtet zu werden, daß Luther, der bisher in Frank-reich sehr ungerecht beurtheilt wurde und über den sich auch noch die Stael einigesehr ungeziemende Pikanterien gestattete, allmälig eine würdigere Beurtheilung findet,wie der in edelster Absicht geschriebene Roman: .Martin Imtüsr, romsn lnstoriyus",