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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

gang in England erschwert habe. Es liegt hierin freilich einige Wahrheit, da aller-dings die Federungen der eigentlichen Ethik in deutschen Producten oft ebenso sehroder in noch roherer Weise verletzt werden als in den Producten der französischenLiteratur. Die Engländer, wenigstens in neuerer Zeit, die Schweden und Dänenhaben sich in dieser Hinsicht.viel reiner erhalten, und manche deutsche Producte wer-den blos deshalb nicht in die Sprachen dieser Völker übersetzt, weil die darin behan-delten Situationen oder Grundsätze gegen das sittliche Gefühl derselben verstoßen.

Ein berühmter und einflußreich gewordener Artikel von Carlyle im „Lümburgkrsvisvv" vom Jahre 1827, der an Franz Horn's literarhistorische Arbeiten anknüpfteund die Überschrift „Stgts ol üsrnmli lüsi-gturs" trug,, beweist, wie weit man in Eng-land im Lause eines Jahrzehnds in der gereckten Würdigung Deutschlands und derdeutschen Literatur vorgeschritten war. Der Verfasser erinnert an den schon angeführtenAusspruch des Abbe Bouhours über die Deutschen und meint, dieser Abbe hätte nurzwei Seiten von Ulrich von Hütten, Opitz, Paul Flemming, Logau, selbst Lohenstein undHofmannswaldau lesen sollen, und er würde erkannt haben, daß der Deutsche nichtblos Esprit, sondern noch etwas mehr als diesen haben könne. Man solle doch nichtvergessen, daß die Deutschen Kepler und Leibniz. gehabt, daß von ihnen der Bücher-druck, das Pulver und die protestantische Religion ausgegangen, daß ihnen dasNibelungenlied, „Reineke Fuchs", die Sage vom Faust und das „Narrenschiff" ange-hörten, ja daß vier Fünftel alles Dessen, was Europa im 16. und 17. Jahrhundertauf dem Gebiete der Volkssage und des Humors besessen, in Deutschland seinenUrsprung gehabt habe. Von diesen Erinnerungen an die ältere Literaturperiode gehtder Reviewer auf die spätere classische über und bemerkt: „Sicherlich, der gegen-wärtige Zustand der deutschen Literatur bietet viel, was nicht nur verdient gekannt,sondern von allen denkenden Männern in gründliche Betrachtung genommen zu werden."Wenn man die deutsche Literatur nicht genug kenne oder vielmehr miskenne, so liegedies daran, daß man Kotzebue eher oder allgemeiner als Lessing, Gall's Schädellehreeher oder allgemeiner als Kant's Philosophie kennen gelernt habe. Die Engländerseien überhaupt gegen das Ausland spröde, und von Manzoni oder Grossi wüßtensie nicht mehr als von Tieck oder Jean Paul. Wo man aber keines Dolmetschersbedürfe, sei England immer den Leistungen der Deutschen entgegengekommen, vonDürer bis Mengs, von Händel bis Weber. Zwei Jahrhunderte früher seien übri-gens Übersetzungen aus dem Deutschen gar nicht so selten gewesen, Luther's „Isbls-tallc" sei noch ein „vonsrnbls olsssio in our lsngusgs"; ja Jakob Böhme sei dereigentliche Apostel einer noch (1827) bestehenden Sekte. Später, seit dem Dreißig-jährigen Kriege besonders, sei freilich der nationale Geist aus Deutschland entwichengewesen, und da habe man von Deutschland allerdings nichts mehr gehört. DerEinfluß Frankreichs sei von den Fürstenhöfen auch auf die Arbeitszimmer der Ge-lehrten übergegangen und habe sich aus den weit ediern Geist Deutschlands schwerwie ein Alp gelegt. Von Opitz und Flemming an bis auf Lessing und Klopstockhätten die Deutschen keine Literatur gehabt, die dem Auslande bekannt gewesen oderihm bekannt zu sein verdient hätte. Politisch ohnmächtig, in sich zerrissen, Kriegeunter sich und zwar unter fremdem Einfluß führend, hätten die Deutschen allesAllgemeingefühl einer Nation verloren gehabt. Die Franzosen, zugleich die Aussau-ger und die Verspotter der Deutschen, hätten diese bei dem übrigen Europa in Ver-ruf gebracht, und Europa habe ihnen geglaubt. Der Reviewer führt hierbei eineStelle aus einem Werke vom Jahre 1811 an, worin als der Hauptrepräsentant derdeutschen Literatur kein Anderer genannt wird als — Gottsched. Eine Französin habedas von den Franzosen an den Deutschen begangene Unrecht wieder gut, das Buchder Frau von Stael habe diesen Vorurtheilen ein Ende gemacht. „Ganz Europa",sagt der Reviewer weiter, „weiß jetzt, daß die Deutschen etwas sind, etwas Unab-hängiges, etwas von Andern Verschiedenes, ja daß sie etwas Tiefes, etwas Ehr-furcht Erweckendes haben, daß sie, wenn nicht bewundernswerth, doch wunderbarsind." Der Reviewer beschäftigt sich dann in dem Folgendem damit, die Vorwürfe