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Zwöflter Band.
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Deutsche Literatur im Auslande.

zu widerlegen, die man den Deutschen gewöhnlich mache, daß sie nämlich einenschlechten Geschmack hätten und zu sehr dem Mysticismus huldigten.

In einem schon weiter oben erwähnten Artikel über das Buch der Frau von Staelwird, wie schon angedeutet, behauptet, daß die deutschen Dramen bei allem theatralischenEffect doch im Punkte der Moral etwas Zweideutiges hätten und dadurch in Eng-land,-wo das sittliche Familienleben als Hort der englischen Nation selbst angesehenwürde, Anstoß erregten; es wird auch beklagt, daß zur Zeit der französischen Revo-lution die deutsche Literatur als eine Mitschuldige an der atheistischen Philosophieund der revolutionären politischen Gesinnung angesehen worden sei, aber es wirddann hervorgehoben, „daß eine große geistige Umwälzung im Laufe von einem hal-ben Jahrhundert damit geendigt habe, daß sie in Deutschland eine Literatur hervor-brachte, welche vielleicht unter den europäischen Literaturen die am meisten charakte-ristische sei, indem sie das bedeutungsvoll Eigenthümliche gehabt, daß sie die erstegewesen, welche in einem civilisirten Zeitalter ihren Ursprung hatte". Der Phantasie-reichthum und die Sensibilität einer jugendlichen Poesie seien in ihr mit philosophi-schem Raffinement Hand in Hand gegangen. Nur ist dagegen zu bemerken, daßandere später ins Leben getretene Literaturen zum Theil einem noch vorgeschrittener»Zeitalter angehören, ohne doch an Umfang und Tiefe die deutsche entfernt zu erreichen.

Der Engländer verschenkt als Nation wie als Individuum seine Sympathiennicht leicht, er geht dabei mit äußerster Vorsicht zuwerke, hat er aber einmal er-kannt, daß der betreffende Gegenstand seiner Sympathie würdig sei und daß eingenaueres Verhältniß zu ihm von Nutzen für ihn sein werde, so sucht er sich auchum so tiefer in ihn einzuleben und hält um so inniger an ihm fest. So verhielt ersich auch zur deutschen Literatur, die ihm jetzt zum Gegenstände eines gewissenhaftenStudiums geworden ist.

Ein näheres Verhältniß mit der deutschen Literatur gingen die Engländer erst seitKlopstock ein, dessen „Messiade" sowol von deutsch verstehenden Lesern im Original ge-lesen, als auch, selbst noch in späterer Zeit, mehrfach ins Englische übersetzt wurde.Klopstock's Ehrgeiz war, die deutsche Poesie auf eine Stufe zu erheben, auf der sie mitder englischen wetteifern könne, und daß ihm dies gelungen, ist sein großes Verdienstund sichert ihm einen Ehrenplatz. Klopstock war der eigentliche Begründer der deutschenpoetischen Sprache, die er für einen sowol sinnlichen und malerischen als gemüthvollen,energischen und innerlichen Ausdruck geschickt machte. Das Wort war bei ihm nichtmehr ein blos äußerlich Zugebrachtes, sondern quoll aus dem Gedanken und mit ihmselbst hervor. Seine kühnen Oden, in deren einigen er offen die englische Muse zumKampfe herausfoderte, blieben auch in England nicht unbemerkt, und schon diese Kühnheitsetzte in Erstaunen. Selbst noch im Jahre 1848 erschien eine Anzahl seiner Oden vonWilliam Nind übersetzt unter dem Titel: „Ockss c>k Llopstoolc. brom 1747 to 1780",meist freilich in gereimten Versmaßen, dpch im Ganzen recht gelungen den Geist desOriginals wiedergebend. Mit Uoung, dem Verfasser der „Nachtgedanken", standKlopstock in Correspondenz. Äsung spricht darin für den Dichter der „Messiade"seine hohe Verehrung aus und bedauert nur, wegen seiner vorgerückten Jahre dar-auf Verzicht leisten zu müssen, seinen Gesinnungsgenossen persönlich kennen zu lernen.Geßner's und Gellert's Namen und Schriften waren begreiflicherweise in Englandnicht unbekannt, ja „noch im Jahre 1817 erschien eine Auswahl von Geßner's Idyl-len in versificirter Übertragung. Auch Lessing und Wieland fanden bald nach ihremAuftreten in England Beachtung, doch ist die gründlichere Anerkennung, welche demErstem geschenkt wurde, erst von späterm Datum, und was Wieland betrifft, so istvon dessen Schriften in England wol nur der von Sotheby im Jahre 1798 insEnglische übersetzte „Oberon" und vielleicht noch „Agathon", welcher bereits 1773englisch erschien, allgemeiner bekannt geworden. Bekanntlich liegt auch der Weber'-schen Oper „Oberon" ein von dem Theaterdichter Planche nach der Wieland'schenDichtung gearbeiteter Operntext zugrunde. Sehr populär in England war seinerzeitJung-Stilling's Selbstbiographie, die von Jackson übersetzt wurde. Als eine Art